Es ist ruhig an diesem Samstagnachmittag im Oberstufenzentrum Grünau, ein paar Jugendliche haben es sich vor dem Eingang gemütlich gemacht. Doch wenn man genau hinhört, wehen Melodiefetzen durch die Gänge, ein Schlagzeug rasselt eine Sequenz. Im Untergeschoss schliesslich verdichten sich die Klänge zu einem schmissigen Ländler.

Das «Weisse Rössl» ist dank der liebenswert-kitschigen Verfilmung mit Peter Alexander überaus bekannt. Was eine Neuinszenierung nicht einfach macht, dessen ist sich Dirigent Andreas Signer durchaus bewusst. «Die Musik ist so berühmt, so dass sich ein Grossteil der Zuschauer sofort in ihrer Wohlfühlzone befinden wird», sagt er. Doch da in Sirnach eine leicht veränderte Version zur Aufführung gelangt, kann er aus dem Notentext eigene Ideen schöpfen und entwickeln. In Sirnach wird die etwas schlankere und jazzigere Rekonstruktion der Erstfassung von 1930 gespielt. «Meine Interpretation hält sich in diese Richtung: ein schlanker, gut hörbarer, grooviger Sound!», so Signer. Und letztlich zielen auch die Ideen des Regisseurs Giuseppe Spina darauf ab, Erwartungen zu brechen.

Singen tut gut

Einfach zu singen? «Denkste!», meint Richard Schellenbaum aus dem Chor. Gemeine Halbtonschritte, Vorzeichenwechsel, Dissonanzen und anspruchsvolle Rhythmen werden von einigen Choristen aufgezählt. Viele bereiten sich mit Youtube vor und üben schwierige Passagen. Aber darin sind sich alle Einig: Die Musik ist fröhlich. Und Singen tut wohl.

Gemeinschaft trägt

Für die Sirnacher Chormitglieder ist das Singen allein eine körperliche und seelische Wohltat. Im Lockdown nahmen sie zum Teil an Online-Veranstaltungen wie einem Facebook-Chor teil. Die Gemeinschaft ist die zweite tragende Säule der Operette Sirnach: Das gemeinsame Erarbeiten eines Projektes. «In einer Lebenskrise hat mir das Singen und die Operette Sirnach geholfen, wieder aufzustehen», erzählen zwei Mitglieder. Dass dank dem Covid-Zertifikat mittlerweile ohne Masken geprobt werden darf, hebt die Stimmung noch zusätzlich.

Orchester auf der Bühne

Auch Signer bezeichnet die Probenarbeit als «ausserordentlich gut». Auch, wenn die Zertifikats-Diskussionen Wellen geschlagen haben, dominiere nun die Aussicht, vor einem vollen Saal spielen und singen zu dürfen.

Auf den Dirigenten und sein «kleines, feines Unterhaltungsorchester», wie er selbst es nennt, wartet noch eine besondere Herausforderung: Da der Orchestergraben von einer Überraschung belegt sein wird, sitzt das Orchester auf der Bühne, mitten im Geschehen. Auch Signer muss sich mitten in den Akteuren bewegen: «Ich habe einen gewissen Respekt vor dieser Aufgabe.». Bereits in der «Herzogin von Chicago» befand sich das Orchester auf der Bühne. «Dem Stück tut dies auf jeden Fall gut», meint Signer. Die Orchestermusik wird präsenter sein, das gemeinsam Musizieren einfacher.

Die Premiere findet am 15. Januar 2022 statt, der Vorverkauf hat begonnen.

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So hat hallowil.ch bisher berichtet (6.5.21)

Lotteriefondsbeitrag für die Operette Sirnach

Der Regierungsrat des Kantons Thurgau hat der Operette Sirnach für die Produktion «Im weissen Rössl» einen Lotteriefondsbeitrag von 50'000 Franken aus dem Lotteriefonds gewährt. Die Verantwortlichen um Regisseur und Schauspieler Giuseppe Spina planen Anfang 2022 insgesamt 23 Aufführungen.

Die Operette Sirnach produziert seit 1955 im Dreijahresrhythmus eine Operette. Die künstlerische Leitung sowie die Regie und die Verantwortung für das Bühnenbild übernimmt der Regisseur und Schauspieler Giuseppe Spina. Bereits zum zweiten Mal hat Andreas Signer die musikalische Leitung inne. Ebenfalls zum zweiten Mal zeichnen Jasmin Hauckfür die Choreographie und Jacqueline Kobler für die Kostüme verantwortlich. Engagiert sind zudem Laiensänger aus der Region sowie ein 26-köpfiges Orchester, bestehend aus professionellen Musikerinnen sowie Laien. Rund 11'000 Zuschauer werden erwartet.

Die insgesamt 23Aufführungen finden zwischen dem 15. Januar und dem 2. April 2022 im Dreitannensaal in Sirnach statt. Die Kosten der gesamten Operettenproduktion 2022 belaufen sich auf 943'000 Franken und bewegen sich somit im Rahmen der Vorjahre. Aufgrund der Bedeutung der Operette Sirnach –die Theatergesellschaft wurde 1995 für ihre Operettenaufführungen auch mit dem Thurgauer Kulturpreis ausgezeichnet –hat der Regierungsrat einen Beitrag von 50'000 Franken aus dem Lotteriefonds gewährt, wie er heute mitteilt. 

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Operette Sirnach: Lichtstreifen am kulturellen Horizont (2. März 2021)

Der Frühling macht es vor: Die Energien sind da, die Kräfte steigen, das kulturelle Leben will an allen Ecken wieder aufspriessen und belebt so wichtige Werte wie Freude und Gemeinschaft. Die Coronapandemie mit all ihren Folgen erzeugte in der Kulturwelt ein grosses Vakuum, von dem nebst Musikerinnen und Musiker auch das Publikum betroffen war und noch immer ist. Natürlich kann man solche Zeiten mit Aufnahmen und Streamings überbrücken, aber auf Dauer kann dies niemals das Live-Erlebnis eines Theaterabends ersetzen.

«Ich bin zuversichtlich»

Florence Leonetti, Produktionsleiterin der Operette Sirnach und Leiterin der Tonhalle Wil ist von diesem Vakuum sehr betroffen. «Es ist schwierig, sich immer wieder auf eine neue Situation einzustellen, Lösungen für reduziertes Publikum zu suchen, Vorstellungen zu verschieben und dann doch wieder alles absagen zu müssen», schreibt sie in einem Interview. Für sie ist die Premiere des «weissen Rössl» ein klarer Lichtstreifen am Horizont: «Ich bin zuversichtlich, dass wir bis dahin wieder so Theater machen dürfen, wie wir es gewohnt sind», sagt Leonetti. In ersten Kontakten zu Sirnachern und Sirnacherinnen erfuhr sie sehr viel Bereitschaft mitzuwirken und Vorfreude auf die Produktionszeit.

Flexibilität erforderlich

Natürlich geben die Richtlinien des BAG den Takt für die Probenarbeit vor. Die Aufnahme der Chorproben ist für den 31. Mai vorgesehen. Sollte dies noch nicht möglich ein, könnte man im Juni mit Kleingruppen beginnen. Flexibilität und Improvisationstalent werde es brauchen, darüber ist sich auch Andreas Signer, musikalischer Leiter der Operette Sirnach im Klaren: «Es wird eine gewisse Lockerheit von Nöten sein, da uns Corona schon noch eine Weile begleiten wird». Auch für Signer war das Jahr 2020 eine Achterbahn der Gefühle: Wo im September die Aussicht auf Konzerttätigkeiten Hoffnungen weckte, wurde dies bald wieder zunichte gemacht. Auch das Vorsingen für das «weisse Rössl» gestaltete sich aufgrund der Einreisebestimmungen schwierig.

Spritzige und temporeiche Produktion

Regisseur Giuseppe Sina verspricht ein spritziges und temporeiches «Rössl», die Vorbereitungen im Team sind von spannenden und kreativen Diskussionen geprägt. So wird das Orchester beispielsweise nicht im traditionellen Orchestergraben sondern als Bestandteil der Szenerie mitten auf der Bühne sitzen und somit direkt in das Geschehen eingebunden sein. «Mich erwartet ganz viel positive Energie!», schreibt Signer: «Nachdem Sänger und Instrumentalisten ein musikalisch armes Jahr 2020 hatten, rechne ich mit einer sehr motivierten Truppe, mit der ich arbeiten darf». Im Augenblick werden noch Chorsängerinnen und -sänger für die Mitwirkung am «weissen Rössl» gesucht. Interessierte können sich an florence.leonetti@operette-sirnach.ch wenden.