Die Premierengäste allesamt, gut gekleidet und in bester Laune. Das Lächeln hinter den Masken erahnte man, in dem man halt einfach auf die vielen leuchtenden Augen schaute. Im Theater-Restaurant wurde der Apéro serviert, die Häppchen geniesst man im Sitzen. ImFoyer, Treppenhaus und im Restaurant vermischen sich Publikum und Ensemble – man wünscht sich Toi Toi Toi. Die Nervosität bei den Schauspielern und Musikern steigt; Instrumente stimmen, einsingen, Atemübungen machen und dann geht’s endlich los.

In Sirnach grassiert das Fieber, das Operetten-Fieber

Otto Noger Präsident soeben noch im Foyer zu sehen, wie er Gäste begrüsst, steht nun auf der Bühne im Rampenlicht. Er begrüsst die Gäste und Zuschauer. Wie immer lassen es sich die Leute aus Gesellschaft und Politik nicht nehmen an der Premiere teilzunehmen. Vertreter aus Gemeinde und Kanton sind anwesend. Die Regierung des Kantons St.Gallen unter anderem mit Susanne Hartmann wäre fast beschlussfähig. Man merkt Otto Noger die Erleichterung an. Erleichtert, weil es endlich losgeht, aber auch erleichtert, dass es überhaupt geklappt hat. In den vergangenen Wochen und Tagen bangte man immer wieder um den Anlass.

Auch Gemeindepräsident Kurt Baumann ist froh, dass die langen Vorbereitungen vom Ensemble aber auch den zahlreichen Helferinnen und Helfer nicht umsonst waren. Er meint schmunzelnd: «Nun grassiert das Fieber in Sirnach, aber es ist das richtige Fieber, nämlich das Operetten-Fieber». Kurz nach diesen Worten ertönt schon die Ouverture mit der eingängigen Melodie vom «weissen Rössl».



Farbige, fetzige Inszenierung mit vielen Ohrwürmern

Giuseppe Spina hat der Operette einen gewissen Pep gegeben, einen frischeren Anstrich und auch die eine oder andere Rolle angepasst oder gar ersetzt. Während das Publikum auf den Rängen die Geschichte auf der Bühne mit Masken verfolgt, dürfen die Darstellerinnen und Darsteller ohne Maske spielen. Das erhöht natürlich den Genuss für die Zuschauer. Ein Ohrwurm folgt dem nächsten. Wenn Kellner Leopold «es muss was Wunderbares sen, von dir geliebt zu werden» zum Besten gibt, da schmelzen die Herzen. Oder wenn sich Dr. Siedler und Fabrikantentochter Ottilie sich anschmachten im Duett «Die ganze Welt ist himmelblau», wird’s einem warm ums Herz. Dazwischen gibt’s immer wieder mitreissende Walzermelodien. Das Publikum applaudiert und klatscht zuweilen im Rhythmus mit, von den Lachern dazwischen gar nicht zu reden. Kurzum die Operette ist geglückt und ein Erfolg. Eine Standing-Ovation vom Publikum am Schluss gab dem ganzen Ensemble und dem Vorstand die Gewissheit: «gut haben wir es durchgezogen, trotz der widrigen Umstände».

Der Vorverkauf die Aufführungen bis am 2. April ist weiterhin offen und auf derHomepage www.operette-sirnach.ch findet man weitere Details und Hinweise.

_______________________________________________________________________________

So hat hallowil.ch über die Generalprobe von der Operette Sirnach berichtet (14.02.2021)

Die Operette von Ralph Benatzky wurde 1930 uraufgeführt und schon 1958 von der Theatergesellschaft Sirnach gespielt. Die neue Inszenierung steht unter Regie von Giuseppe Spina. Für die Operette Sirnach spielte er 2019 den „Mustafa Bey“ in „Ball im Savoy“. Am Dirigentenpult steht Andreas Signer aus Wil. Es ist seine zweite Operette, die er in Sirnach leitet. Die Produktionsleitung hat Florence Leonetti inne. Zur Handlung: Im Hotel Zum weißen Rössl ist Hochsaison. Das Personal ist überfordert, Kellner Leopold beruhigt die Gäste. Weniger Erfolg mit seinem Charme hat er bei seiner Chefin Josepha Vogel Huber, bei der er Annäherungsversuche macht. Diese jedoch weist ihn zurück: Sie ist verliebt in den Berliner Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler, einen langjährigen Stammgast. Aber nach einigen Verwirrungen kommt alles wie es kommen muss. Es gibt ein Happy End.

Die Herzen der Zuschauer erreichen und eine spritzige Überraschung

Regisseur Giuseppe Spina hat dem Stück einen modernen Touch gegeben. Er gibt den Frauenrollen etwas mehr Gewicht. So ist zum Beispiel der Berliner Fabrikant nun die Fabrikantin Willhelmina Giesecke. Das Ensemble sei sehr spielstark, schwärmt Spina. Darum hat er weitere Rollen gekonnt eingebaut. Der Kellner «Piccolo» bekommt kurzerhand ein Pendant, nämlich «Grande». «Ich habe dem Stück einen frischen Anstrich verpasst und man kann lachen und trotzdem soll das Publikum auch die Nöte der einzelnen Figuren spüren, ja sogar manchmal sich selbst wiedererkennen», meint der Regisseur und möchte damit die Herzen der Zuschauer öffnen. Von Seiten der Bühnentechnik erwartet die Zuschauer eine spritzige Überraschung, die es in Sirnach so noch nie zu sehen gab an einer Operette.


Interview mit dem musikalischen Leiter Andreas Signer

Hallowil.ch: Die wievielte Operette ist das für Sie als Musikalischer Leiter

Andreas Signer: Es ist meine zweite Produktion als musikalischer Leiter. Vor sechs Jahren bei „Maske in Blau“ agierte ich als stellvertretender Dirigent, und 2019 bei „Ball im Savoy“ hatte ich die musikalische Leitung inne. Was aber bei der aktuellen Produktion neu ist, es gibt keinen Orchestergraben. Das Orchester sitzt auf der Bühne und ich dirigiere Mitten drin im Geschehen.

Wann begann für Sie die Arbeit? Studium der Partituren, Probebeginn mit dem Orchester?

Im Frühling 2020 haben wir das neue Werk bestimmt. Für die Auswahl für das Casting im Herbst 2020 habe ich mich zum ersten Mal mit der Partitur beschäftigt. Im Frühling 2021 habe ich mich dann intensiver in die Partitur eingelesen. Die Chorproben begannen Ende Mai 2021, die erste Orchesterprobe war im September 2021.

War die Probearbeit für diese Operette erschwert durch Corona

Die Probenarbeit an sich war nicht erschwert. Eher das Gegenteil, da alle froh waren, überhaupt Musik machen zu dürfen, war von Anfang an die Motivation in Chor und Orchester hoch. Corona hat allerdings die Planung erschwert. Die Vorgaben um überhaupt Proben zu können, haben sich immer wieder verändert. Das war gar nicht einfach.

Haben Sie ein persönliches Lieblingsstück?

Nein, ich mag ausnahmslos jedes Stück

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem ganzen Ensemble

Äusserst befriedigend! Wir haben eine gute Stimmung im Leitungsteam, diese Stimmung hat sich ins ganze Ensemble weiterverbreitet. Es sind alle dankbar, dass der Vorstand den Mut hatte, die Produktion durchzuziehen.

Werden Sie nervös sein an der Premiere oder sind Sie ganz der „coole Typ“?

Man sagt von mir, dass man mir meine Nervosität nicht ansieht. Personen, die mich gut kennen, wissen es besser. Ich werde an den Aufführungen bestimmt ein erhöhtes Energielevel haben. Als Dirigent muss man aber Ruhe und Sicherheit ausstrahlen, damit das Ensemble dann seine beste Performance abliefern kann.

Post inside
Andreas Signer an seinem ganz speziellen Dirigentenpult.


Vorverkauf läuft im Rahmen der letzten Jahre

Für Otto Noger ist es die dritte Operette der er als Präsident vorsteht. Zum Stichwort Corona meint er: « Ich bin glücklich, dass wir die Sache durchgezogen haben, nachdem unsere Nachbarn von Wil die Aufführungen im 2021 absagen mussten. Die Situation ist labil, aber Vorstand und Ensemble sind gewappnet und gut vorbereitet. Alle sind 2G Darsteller, Orchester und Personal backstage und die Leute von der Gastronomie. Alle freuen sich auf die Premiere.» Es seien sich alle bewusst, dass da irgendwo das «Damokles-Schwert» hängt, aber Optimismus sei gross. Alle zeigen eine gewisse Risikobereitschaft und eben Optimismus. Das Publikum braucht wieder eine gewisse Normalität und eine gewisse «Lust zum Leben».

Post inside
Zwischen diesen Plakaten liegen 64 Jahre. 

Der Vorverkauf läuft im Vergleich zu den früheren Jahren in etwa gleich. Auch da sieht man, dass die Leute wieder Kultur geniessen wollen und es auch brauchen.

Weitere Hinweise zur Operette und Vorverkauf findet man auf www.operette-sirnach.ch