Die Kirchenmusik hat es Gertrud Mäder seit ihrer Jugendzeit angetan. Bis zu ihrer Pensionierung wirkte sie lange Jahre als Primarlehrerin im Schulhaus Kirchstrasse in Niederuzwil. Musik hatte immer auch in ihrem Unterricht einen grossen Stellenwert. Als Organistin der katholischen Kirchgemeinde Aadorf-Tänikon kann sie sich ihrer Passion seit der Pensionierung noch intensiver widmen. Anlässlich einer Veranstaltung des Vereins der Freunde der Klosterkirche Tänikon hat sie über die Bedeutung der Musik gesprochen und auf der historischen Orgel die Technik des Orgelspiels erklärt und demonstriert.Der Veranstaltungsort Tänikon ist historisch. Der zur politischen Gemeinde Aadorf gehörende Ort ist 789 erstmals urkundlich erwähnt worden. Das Zisterzienserinnenkloster ist um 1250 gegründet worden. Bauzeugen sind die Kirche, deren Dachstuhl bis 1363 zurückreicht, und das Refektorium (1508). Die Klosterkirche ist damit eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude im Thurgau. 1848 ist das Kloster aufgelöst worden. Es ist heute Sitz der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon.

Frühromantische Orgel
Die Kirche erhielt das klassizistische Aussehen beim grundlegenden Umbau 1829-1831. Bemerkenswert ist die frühromantische Orgel, welche 1835 in Auftrag gegeben wurde. Experte war Pater Alberich Zwyssig, der Verfasser des Schweizerpsalmes. Nach mehreren Umgestaltungen ist sie 1975 wieder auf die ursprüngliche Form zurückgebaut worden.

Die Sprache unserer Seele
Für sie persönlich habe Musik schon in ihrer Jugend eine grosse Rolle gespielt, betonte Gertrud Mäder. Mit dem Orgelspiel habe sie mit 16 Jahren im Konservatorium begonnen. Musik als universale Sprache übersteige Sprachbarrieren und könne Ausdruck von Gefühlen wie Freude, Trauer oder Sehnsucht sein. Aber auch wer nicht selber musiziere, lasse sich in seinen Gefühlen durch Musik berühren. Schon ein Kind im Mutterleib nehme ab dem 4. Monat akustische Reize wahr. Gesang und Musikunterricht fördere den schulischen Erfolg in Leistungsfächern. Sehr häufig komme Musik auch in der Therapie zum Einsatz.

Herr über ein ganzes Orchester
Über die Entwicklung der Notenschrift kam die Referentin zur Königin der Instrumente und zum Orgelspiel. Drei Systeme müsse die Organistin gleichzeitig lesen: eines für das Spiel der rechten Hand, ein zweites für die linke Hand und eines für die Füsse. Durch das Zusammenspiel von linker und rechter Hand entstehe die besondere Klangcharakteristik. Mit den 56 Tasten des Manuals, den 30 Tasten des Pedals und den Registern stehe der Organistin ein ganzes Orchester zur Verfügung.

Kirchendienst oder Konzertpianist
Organisten gibt es in zwei Ausprägungen. Weil sich Orgeln meist in Kirchen befinden, stehen Organisten traditionell im Dienste von Kirchgemeinden. Früher war es der Dorfschulmeister, der den Gesang im Gottesdienst begleitete und den Kirchenchor leitete. Diese Funktion sei noch heute wichtig, betonte Gertrud Mäder, werde aber nur noch selten von einem Lehrer, wohl aber von professionellen oder halbprofessionellen Musikliebhabern ausgeübt. Und verändert habe sich auch, was gespielt werde. Zu den klassischen Werken der grossen Meister kämen heute auch moderne Stücke bis zu volkstümlichen Tänzen dazu.

Konzertorganisten spielen, wie es die Bezeichnung sagt, kaum in Gottesdiensten, sondern glänzen mit der Interpretation klassischer Werke.