In drei Wochen gilt es ernst. Laufen die Vorbereitungen nach Plan?

Ja. Alles in allem sind jetzt nur noch ganz wenige organisatorische Fragen offen. Wir sind zuversichtlich, dass wir am Sonntag, den 4. September, bereit sein werden, wenn das Wiler Japanfest um 10 Uhr in der Lokremise seine Tore öffnet.

Allerdings haben die Planungen auch gut drei Jahre in Anspruch genommen. Denn ursprünglich hätte das dritte Wiler Japanfest ja im September 2020 stattfinden sollen, aber Corona verunmöglichte uns dies. Dass sich schon damals über 80 Prozent der Ausstellenden dazu bereiterklärten, für die nächste Austragung, also die jetzige, angemeldet zu bleiben, vereinfachte die Sache natürlich für uns. Da das Wiler Japanfest schon zweimal erfolgreich durchgeführt wurde, werden von immer mehr Ausstellenden gefragt, ob noch ein Standplatz frei wäre – was leider dieses Mal für einige nicht mehr der Fall war.

Sie sind also komplett ausgebucht?

Ja, denn 30 Marktstände sind in der Lokremise das Maximum – schliesslich wollen die Leute auch noch ungezwungen zirkulieren, falls das Wetter draussen schlecht sein sollte. Natürlich hätten wir draussen noch Platz für einige Stände gehabt. Aber es zeigte sich, dass praktisch niemand von den Ausstellenden draussen sein wollte, da es ja regnen könnte und sich ja in der Lokremise das Wiler Japanfest abspielt.

Wie planten Sie während der Coronapandemie?

Die Pandemie hemmte schon vieles in der Planung - vor allem bis zur Aufhebung der Massnahmen in diesem Frühjahr. Wir wussten lange nicht, wie sich die Pandemie entwickeln würde und mussten immer im Hinterkopf behalten, dass wir anfangs September eventuell wieder Mindestabstände einhalten müssten, was die Planung verkomplizierte.

Ein konkretes Beispiel ist die Verpflichtung unseres Stargastes aus Japan, der Weltklasse-Latte Art 3D Künstlerin Runa Kato. Wir haben drei Jahre lang intensive Verhandlungen geführt, um ihren erstmaligen Europa-Auftritt zu ermöglichen. Sie wollte, wir wollten – aber lange war unsicher, ob sie wegen den Corona-Vorschriften in Japan überhaupt wieder problemlos nach Japan einreisen könnte. Jetzt scheint alles in Ordnung zu sein. Flugticket und Hotel sind gebucht – und wir hoffen einfach, dass alles klappt.

Das Wiler Japanfest findet zum dritten Mal statt. Auf welche Erfahrungswerte können Sie heute zurückgreifen?

Die ersten beiden Wiler Japanfeste waren sehr gut besucht. Da wir jedoch keinen Eintritt verlangen und auch am Eingang keine Zählung vornehmen, ist es für uns schwer abzuschätzen, wie viele Leute tatsächlich kamen. Aber gefühlt haben wir praktisch rund um die Uhr eine «volle Hütte». Auch das Feedback, das wir im Anschluss bekamen, war von den Besucherinnen und Besuchern immer sehr positiv. Die Ausstellenden haben sich bis jetzt mit grossem Mehr immer sehr zufrieden mit dem Fest gezeigt.

Wir hatten bei der zweiten Durchführung um die Mittagszeit Probleme mit dem Strom, da viele Essens-Anbieter einfach sehr viele Induktionskochplatten mitbrachten – was nicht vorgesehen war und zu Stromausfällen führte. Wir brachten diese zwar unter Kontrolle, zogen aus dem Vorfall aber auch unsere Lehren. So verlangten wir dieses Mal von allen Ausstellenden, dass sie vorgängig wirklich alle elektrischen Geräte bei uns anmeldeten. Aufgrund dessen haben wir eine Liste und einen Standplan erstellt. Dieser wurde mit den Technischen Betrieben Wil besprochen. Sie werden dafür sorgen, dass alle Ausstellenden, die Strom bestellt haben, genug Strom haben werden. Damit nicht doch mehr Geräte als angemeldet angehängt werden, werden wir vor der Eröffnung alle Stände noch einmal kontrollieren.

Auf welche Highlights freuen Sie sich besonders?

Der Auftritt unseres Stargasts, Runa Kato, ist wirklich ein einmaliges Erlebnis. Wer hier nicht vorbeikommt, der wird zukünftig wieder nach Tokio reisen müssen, um zu sehen, wie sie ihre Kunstwerke live anfertigt. Wer mal im Internet nachschauen möchte, was sie macht, der kann unter Runa Kato oder ihren Künstlernamen Runa Pocket googeln – da gibt es massenweise Bilder und Videofilme zum Beispiel auf Instagram.

Auch treten eine Taiko-Trommelgruppe, eine japanische Volkstanzgruppe und ein japanischer Frauenchor auf, und japanische Kampfsportarten werden gezeigt. Es gibt einen Vortrag über Japan. Wer selbst kreativ sein möchte, kann in diversen Workshops gratis mitmachen.

Was uns sehr gefreut hat, ist die Tatsache, dass der Botschafter Japans in Bern, Kojiro Sharaishi, das Wiler Japanfest besucht und um 11 Uhr, bei der offiziellen Eröffnung, eine Rede hält. Auch Wils Stadtpräsident Hans Mäder wird eine Grussadresse überbringen. Dies zeigt uns, dass die Arbeit des Schweizerisch-Japanischen Kulturverein Yamato auch von offizieller Seite anerkannt wird, was uns, als kleiner Wiler Verein, sehr freut.

Kultur und Politik ist aber nur eine Seite des Festes, oder?

Natürlich. Die meisten werden wohl weniger wegen der offiziellen Ansprachen um 11 Uhr kommen, sondern weil sie tolle Dinge erleben, sehen oder kaufen wollen, die es woanders nicht gibt. Vielleicht auch, weil sie die grosse Anwahl an japanischen Gerichten geniessen wollen, die zu sehr moderaten Preisen angeboten werden. Das ist uns wichtig. Denn wir wollen ein niederschwelliges Kulturfest für die ganze Familie anbieten. Umso stolzer macht uns die Tatsache, dass wir bis jetzt keinen Franken Eintritt verlangen müssen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, gibt es doch in der Schweiz ähnliche Events, bei der Einzelpersonen an die 30 Franken für einen Tageseintritt berappen müssen.

Weshalb ist es Ihnen ein Anliegen, die japanische Kultur auch hierzulande zu verankern?

Wollen wir die japanische Kultur hier verankern? Ich denke eher, dass (Ost-)Schweizer und Japaner viel mehr gemeinsam haben, als viele Menschen auf den ersten Blick denken. Die Menschen in beiden Ländern sind höflich, strebsam, pünktlich, Fremden gegenüber vielleicht zuerst etwas reserviert, im Grunde aber neugierig und für Impulse von aussen offen.

Kulturell und kulinarisch hat Japan heute doch schon in vielen Schweizer Stuben Fuss gefasst. Bei der jüngeren Generation ist ein grosses Interesse an Anime, Manga und Cosplay vorhanden. Sportliche widmen sich japanischen Kampfkünsten wie Judo oder Karate. Andere praktizieren Freizeitbeschäftigungen wie Ikebana, Kalligrafie oder Origami.

Auch die Supermärkte sind voll mit japanischen Esswaren. Es gibt viele Koch- und Kulinarik-Kurse, wo man einiges über Gerichte wie Sushi oder Okonomiyaki erfahren kann. Dass sind gute Voraussetzungen, um zueinanderzufinden. Irgendetwas von Japan kennt heute jeder und jede. Wer noch gerne mehr von Japan kennenlernen würde, der ist am 3. Wiler Japanfest garantiert an der richtigen Adresse.

Warum veranstalten Sie so ein Fest eigentlich in Wil und nicht zum Beispiel in Winterthur?

Die Frage ist berechtigt. Denn bereits nach der ersten Durchführung im Jahr 2016 bekamen wir Anfragen, ob wir es uns vorstellen könnten, so etwas auch anderswo zu organisieren. Die Antwort ist ganz einfach: Nein. Denn wir, der Schweizerisch-Japanische Kulturverein Yamato, sind ein Wiler Verein und wollten deshalb das Japanfest einfach in der Äbtestadt machen, und so zeigen, dass man so etwas auch hier mit Erfolg durchführen kann. Um schön zu feiern, muss man nicht immer auswärts in die ganz grossen Städte gehen. Man muss sich nur etwas zutrauen und versuchen, etwas auf die Beine zu stellen.»

Schweizerisch-Japanischer Kulturverein Yamato

Der Schweizerisch-Japanische Kulturverein Yamato wurde im Jahr 2014 im Restaurant Lindenhof in Wil von 16 Mitgliedern gegründet und zählt heute 85 Mitglieder im Alter von 16 bis 94 Jahren. Gemeinsam kulturelle Brücken bauen, Faszinierendes erleben und zu «Grosser Harmonie» unter allen Menschen beitragen - dies ist das Ziel und der Kern des Vereins, dessen Schriftzeichen Yamato «Grosse Harmonie» bedeuten. Der Schweizerisch-Japanische Kulturverein Yamato bietet eine ideale Plattform für den interkulturellen Dialog und Zusammenarbeit. Bis anhin hat Yamato über 80 Veranstaltungen organsiert oder daran aktiv teilgenommen. Infos unter: www.yamato-kultur.ch (red)