Für seinen Neffen bestellte D. R.*, der an der St. Gallerstrasse in Wil wohnt, ein Super-Mario-Spiel für eine Konsole. Zur Bestellung gehörte noch grosses Super-Mario-Lego-Paket. Etwas mehr als eine Woche verging – und damit rückte auch der Geburtstag immer näher. Schliesslich kam das Paket nicht rechtzeitig an. Das obwohl bei den Lieferinformationen des Online-Shops steht, das die Bestellungen innerhalb von drei bis vier Werktagen bei den Kunden eintreffen. Als D. R. beim Verkäufer – einem bekannten Schweizer Online-Warenhaus – nachfragte, versicherte dieser, dass das Paket verschickt wurde. D. R. bekam noch einmal die Sendungsnummer. Er gab die Nummer auf der Webseite der Post ein. Dort hiess es: Das Paket wurde zugestellt. Er hakte noch einmal nach, wollte herausfinden, wo die Bestellung feststecke. Wie sich herausstellte, war das Päckli vor der Tür des Mehrfamilienhauses deponiert und dann wohl geklaut worden. Aktuell ist D. R. mit dem Verkäufer im Austausch. «Von den Nachbarn war es bestimmt niemand», ist D. R. überzeugt, «jeder von uns stellt die Pakete, die er draussen vor der Haustüre von Nachbaren liegen sieht in den Flur.» Menschen, die nicht in der Überbauung wohnen, könnten die Pakete aber beim Vorbeigehen vor der Haustüre entdecken. «Vielleicht ist gerade jetzt während Vorweihnachtszeit ein Paketdieb unterwegs?», meint der Leserrepoter.

Genau diese Frage hat hallowil.ch auch der Kantonspolizei gestellt. «Wir haben jedes Jahr vereinzelte Fälle von Paketdiebstählen im Kanton St. Gallen», antwortet Pascal Häberli, Polizeisprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Die Erfahrung der Kapo zeigt auch, dass es keine Anhäufung von Paket-Diebstählen in der Zeit vor Weihnachten gibt. «Die einzelnen Fälle, die wir haben, verteilen sich über das ganze Jahr», führt Häderli weiter aus. Überhaupt rät die Kapo, die Päckli nicht einfach draussen abstellen zu lassen. «Man sollte eher mit der Post sichere Deponierungsorte vereinbaren oder die Pakete jeweils abholen», sagt Häderli. Aber was, wenn der Post- oder Paketbote die Päckli einfach draussen liegen lässt, weil der Empfänger eben nicht zu Hause war?

«Diebstahl bei der Polizei anzeigen»

Nach Angaben der Post komme es gelegentlich zu solchen Vorkommnissen, diese seien jedoch sehr selten. «Auch aktuell stellen wir keine Häufung von Paketdiebstählen fest», sagt Thomas Schifferle, Spezialist Politik und Kommunikation Ostschweiz der Post AG. Die Zahlen der letzten Jahren zeigen, dass die Verlustquote bei Paketsendungen im tiefen Promillebereich liege und stabil sei. Laut Schifferle stellt ein Postbote Pakete grundsätzlich im Ablagefach oder in einer Paketbox zu. «Erst wenn das nicht möglich ist, klingelt er an der Tür», versichert Schifferle. Werde ein Paket im Ablagefach des Briefkastens gelegt, gelte es als zugestellt. «Oder falls der Empfänger wünscht, die Sendung vom Pöschtler an einem vom Kunden definierten Ort wie beispielsweise vor der Haustüre, unter dem Balkon oder bei der Nachbarin deponiert wird», nennt der Kommunikationsverantwortliche ein weiteres Beispiel. Auch dann gelte das Paket als von der Post zugestellt. Und ab diesem Zeitpunkt gehe die Haftung von der Post auf den Kunden über. Daher hafte die Post für aus dem Ablagekasten gestohlene Pakete nicht. «Der Empfänger kann einen Diebstahl aus dem Ablagekasten bei der Polizei anzeigen», rät Schifferle. Laut der St. Galler Kapo wird durch eine Anzeige der Prozess der Strafverfolgung in Gang gesetzt. Auch Kapo-Sprecher Häderli bestätigt Schifferles Statement: «Um den finanziellen Schaden muss sich der Empfänger selbst kümmern.» Allerdings gibt es auch Unternehmen und Online-Shops, die bei Fällen von Diebstahl kulant sind und den Preis der Bestellung erlassen.

Sichere Alternativen

Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich mit den verschiedenen Alternativen zur Zustellung nach Hause auseinandersetzen. Nach Angaben von Post-Mediensprecher Schifferle ist der Service «Pick Post» eine gute Alternative: Mit diesem Angebot können sich Empfänger ihre Pakete und eingeschriebenen Briefe kostenlos an andere Abholorte liefern lassen. «Viele dieser Pick-Post-Stellen haben längere Öffnungszeiten als Postfilialen», nennt Schifferle einen weiteren Vorteil. Ein Paket könne somit auch am Abend oder am Wochenende abgeholt werden. Eine weitere mögliche Alternive bietet «My Post 24»: An den Automaten können Pakete flexibel, meistens rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche abgeholt aber auch aufgegeben werden. «Mit dem Onlinedienst ‘Meine Sendungen’ haben Kunden die Möglichkeit selber zu bestimmen, wann und wo sie ihre Pakete empfangen wollen», zählt Schifferle weiter auf. Dabei könnten Wunschtag und ein Zeitraum bestimmt werden. Mit der sogenannten Zustellermächtigung kann ein Empfänger die Post beispielsweise auch beauftragen, Pakete, die nicht ins Ablagefach passen, an einem anderen Ort zu deponieren. «Beispielsweise in einer Garage oder Werkstatt», so Schifferle. Die Zustellung in solche Räume gehe nur, wenn diese nicht verschlossen seien.

*Name der Redaktion bekannt