Christof Kälin, es ist Halbzeit in Ihrem Präsidialjahr, wie geht es Ihnen insgesamt?

Danke für die Nachfrage. Im Amt des Parlamentspräsidenten fühle ich mich sehr wohl. Ich spüre eine grosse Akzeptanz und komme in Kontakt und den Austausch mit vielen Personen und Chargen. Das Amt empfinde ich als Herausforderung und vor allem als Bereicherung, da es mir Einblicke hinter die Kulissen ermöglicht.

Was waren bisher Ihre erfreulichen Erfahrungen, welche waren schwierig und herausfordernd?

Ich freue mich besonders darüber, dass die Stimmung in den Parlamentssitzungen positiv ist und die Diskussionen trotz unterschiedlicher Interessen und Meinungen konstruktiv verlaufen. Das erleichtert mir die Leitung der Sitzungen enorm. Als Herausforderung nehme ich am ehesten den Zeitaufwand wahr, den ich zur Vorbereitung der Sitzungen aufwende.

Wie sehr erschweren die Covid-Massnahmen den Ratsbetrieb?

Am meisten vermisse ich die Anlässe mit den ParlamentarierInnen. Sowohl die Parlamentsfeier als auch der Parlamentsausflug konnten nicht stattfinden und wurden auf die zweite Jahreshälfte verschoben. Leider mussten wir bisher zudem auf die ZuschauerInnen im Saal verzichten. Darunter leidet auch der direkte Austausch mit der Bevölkerung in den Sitzungspausen. Mit den neuen Öffnungsschritten werden wir wohl schon vor den Sommerferien wieder vor Publikum tagen. Der Ratsbetrieb selber konnte ungestört weitergeführt werden, indem die verschiedenen Kommissionen und das Parlament ihre Beratungen einfach unter Einhaltung von grösseren Abständen abhielten. Dem Austausch unter den Fraktionen und Parteien und der Qualität der Arbeit taten diese Massnahmen keinen Abbruch.

Welche neuen Erfahrungen konnten Sie ausserhalb des Parlamentsbetriebs sammeln?

Da die Corona-Situation die meisten Anlässe verunmöglichte, erstreckt sich meine bisherige Arbeit vor allem auf das Vorbereiten und Durchführen der Präsidiums- und Parlamentssitzungen. Die Absprachen mit dem Stadtschreiber und der Stadtkanzlei, den Kommissionspräsidien und dem Stadtrat finde ich spannend. Besonders war für mich die Beteiligung an der Auswahl der neuen Stadtschreiberin.

Als Präsident müssen Sie bei den Debatten selber bei den Meinungsäusserungen Enthaltsamkeit üben, wie schwer oder wie leicht fällt Ihnen dies?

Bis anhin hat mich das Amt als Präsident während den Sitzungen ausgefüllt, will ich doch die verschiedenen Voten aufmerksam begleiten. Meine FraktionskollegInnen haben unsere Anliegen zudem ausgezeichnet und mit Schwung und Fachkenntnis vertreten. Ich merke andererseits, dass ich die Mitarbeit und die Diskussionen in der Werk- und Energiekommission vermisse. Umso wichtiger ist mir die Teilnahme an den Debatten in unserer Fraktion, in der wir uns intensiv über unsere Schwerpunkte und Vorstösse austauschen.

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Alle Parteien wollen das Beste für Wil und seine Bevölkerung. Welcher Weg dafür der richtige ist, darüber gehen die Meinungen im Stadtparlament bisweilen auseinander. 

Sie sind gewissermassen oberster Wiler und Repräsentant des Stadtparlaments, wie gehen Sie diese Aufgabe an?

Wie erwähnt muss ich mich im Moment auf die Repräsentation während des Parlaments konzentrieren. Da ist es mir wichtig, mein Amt mit Würde und Ruhe auszuüben und den reibungslosen Ablauf der Sitzungen zu gewährleisten. Ich finde es wichtig, mit einem guten Beispiel voranzugehen und eine positive Grundstimmung beizubehalten.

Sie haben in Ihrer Antrittsrede davon gesprochen, dass das Stadtparlament von aussen als zerstritten wahrgenommen wird und dass Sie dies ändern möchten. Wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?

Ich empfinde die Arbeitsweise im Parlament als produktiv und die Stimmung als positiv und entspannt. Bisweilen blitzt auch Humor auf. Wir sind auf gutem Weg.

Wie beurteilen Sie insgesamt als langjährig aktiver Politiker das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Stadtparlament, gelingt der Brückenschlag auf beiden Seiten oder besteht Handlungsbedarf? Versteht die Bevölkerung die Arbeitsweise des Stadtparlaments ausreichend?

Wegen Corona haben wir ein Livestream-Angebot einrichten können, das mehr Menschen das Verfolgen der Sitzungen ermöglicht. Bisher habe ich nur positive Rückmeldungen dazu erhalten.

Haben Sie sich für Ihre Amtszeit einen Vorsatz gefasst oder ein Motto festgelegt?

Ein demokratisches System wie in der Schweiz lebt vom Interesse der Menschen und vom persönlichen Engagement einzelner Persönlichkeiten. Ich möchte mich für bestmögliche Lebensbedingungen in unserer Stadt einsetzen und mithelfen, die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen.

Welches ist Ihre Motivation, sich politisch zu engagieren?

Das Amt als Parlamentspräsident gibt mir sehr viel. Zwar sitze ich an vielen zusätzlichen Abenden am Computer oder beim Aktenstudium. Aber meine Familie nimmt die Energie wahr, die mir diese Aufgabe gibt. Bisweilen fehlt mir dann aber die Zeit für das persönliche Fitnesstraining.