Die Katze ist aus dem Sack: Nachdem lange unklar war, ob Konrad Fünfstück Trainer des FC Wil bleibt, steht nun fest: Der im Sommer auslaufende Vertrag wird nicht verlängert. Die Zusammenarbeit endet somit nach zwei Jahren. Diese Meldung hat Sprengkraft. Fünfstück gilt als Erfolgstrainer. Als er vor gut eineinhalb Jahren kam, war der Verein sportlich abgestiegen und es herrschte nach dem Abgang der türkischen Investoren noch immer Chaos. Unter Fünfstücks Leitung haben sich die Wiler nach einem schwierigen ersten Halbjahr mehr als nur gefangen. Im vergangenen Herbst war der FC Wil gar während vier Runden Challenge-League-Leader und darf immer noch mit der Barrage liebäugeln. Im Kalenderjahr 2018 stellten die Wiler das zweitbeste Challenge-League-Team überhaupt, und das mit einer der jüngsten Mannschaften der Liga. «Fünfstück war im Jahr 2017 genau der richtige Trainer. Er hat Struktur und Ruhe in den Verein gebracht», sagt FC-Wil-Präsident Maurice Weber.

Zu den Gründen, warum nicht verlängert wird, will sich weder Fünfstück noch Weber konkret äussern. «Wir haben uns in die Augen geblickt und sind übereingekommen, dass es für beide Seiten das Beste ist, etwas Neues zu beginnen», sagt Fünfstück. Der Entscheid, ab Sommer getrennte Wege zu gehen, sei gemeinsam gefallen, heisst es auch vom FC Wil. Es kann über die Gründe also nur gerätselt werden. Möglich, dass man nicht die gleiche Grundauffassung betreffend Zukunft hatte. Wo soll der Weg des Vereins mit seinen bescheidenen Mitteln hinführen? Sorgt ein Sportchef dereinst für Entlastung des Trainerteams?

Gesucht: Ein guter Ausbildner

Das Ende nach zwei Jahren kommt einerseits überraschend, andererseits aber auch nicht. Überraschend ist es, weil zuletzt beide Parteien gesagt hatten, dass sie an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert seien. Nach dem letzten Spiel der Hinrunde hatte Weber gegenüber hallowil.ch verlauten lassen, dass man Fünfstück eine vorzeitige Vertragsverlängerung unterbreitet habe. Dieser sagte, dass er sich gut vorstellen können, in Wil zu bleiben. Nicht überraschend ist die Entwicklung, weil es seit Dezember keine Vertragsunterschrift gegeben hat und sich die Entscheidung in die Länge zog.

Ein Nachfolger von Fünfstück steht noch nicht fest. «Es ist derzeit ein weisses Blatt, wobei wir wieder einen guten Ausbildner suchen, der zum FC Wil passen muss», sagt Weber. Bis wann der Nachfolger bestimmt sein soll, lässt das Vereinsoberhaupt offen. Unter Zeitdruck ist der Klub nicht. Denn das bewährte Trainer-Duo Konrad Fünfstück und Marco Grimm wird die Saison mit dem FC Wil beenden. Birgt das nicht die Gefahr, dass nun der Schlendrian einkehrt? Immerhin wissen die Spieler, dass im Sommer die Karten unter einem neuen Trainer neu gemischt werden. «Jeder Spieler weiss nun, dass er sich ganz besonders zeigen muss, da ab sofort potenzielle Trainer auf der Tribüne sitzen», sagt Weber. «Dass die Spieler enttäuscht sind, ist verständlich. Aber sie sind Profis und können damit umgehen. Das ist im Fussball ein normaler Prozess», sagt Fünfstück. Über seine persönliche Zukunft mochte er am Dienstag noch nicht sprechen.

Weiterhin auf Sportchef-Suche

Der bevorstehende Trainerwechsel hat auch Einfluss auf die Sportkommission, welche sich um die Transfers kümmert. Dieser gehörte Fünfstück an und er hat auch manch einen Transfer eingefädelt. «Es ist richtig, dass wir Konrad Fünfstück nicht mehr einbeziehen können hinsichtlich der Transfers für die nächste Saison. Ich bin aber sicher, dass wir auch nächste Saison eine schlagkräftige Mannschaft beisammen haben werden. Andere Vereine kommen mittlerweile zu uns, wenn sie einen Spieler platzieren wollen», sagt Weber.

Der Sportkommission gehören neben Weber Geschäftsführer Benjamin Fust, Ralf Breitenmoser und Jan Breitenmoser für das Administrative an. Immer noch pendent ist, ob und wann ein Sportchef eingestellt wird. Es wird angestrebt, einen solchen zu installieren. Allerdings muss er zum Verein passen und dessen Rahmenbedingungen akzeptieren. Die Suche ist schon seit geraumer Zeit im Gang.