An der Kirchbürgerversammlung der katholischen Kirchgemeinde Henau-Niederuzwil vom 9. April löste eine Frage zum Gemeinschaftsgrab Henau in der Folge eine Unterschriftensammlung aus.Niklaus De Boni hatte an der Kirchbürgerversammlung gefragt, wie es mit der Neugestaltung des Gemeinschaftsgrabes in Henau stehe, die Gemeinde führe diese Position doch schon lange im Investitionsplan auf. Effektiv war bereits in der Investitionsplanung 2014-2018 ein Betrag von 400 000 Franken für das Jahr 2016 vorgesehen. Für das Gemeinschaftsgrab auf dem katholischen Friedhof Niederuzwil war für das Jahr 2017 ein Betrag von 100 000 vorgesehen und für die Erweiterung der Urnenwand in Niederuzwil 75 000 Franken im Jahr 2016. Passiert ist noch nichts.

Unwürdige Gemeinschaftsgräber
Die Henauer wünschen seit Jahren etwas Schöneres als den Urnenhain, wie er im Friedhofreglement der Gemeinde genannt wird. Ein Hügel mit einem Einerlei von Bodenbedeckern, in jüngerer Zeit immerhin versehen mit einer Blumenrabatte oben auf dem Hügel, dient sowohl als Urnengemeinschaftsgrab mit beschrifteten Tafeln wie für anonyme Beisetzungen im hinteren Teil. Auf einem verwitterten Steinblock steht «Gemeinschaftsgrab». Dank einer privaten Initiative stehen dort ein Blumentopf mit einem Engel drin und eine Laterne. Erlaubt wäre dies laut Weisungen zum Friedhofreglement nicht.

Noch trostloser sieht das Gemeinschaftsgrab auf dem katholischen Friedhof Niederuzwil aus. Ein riesiges Holzkreuz steht in einer vertrockneten, ungepflegten, hart eingefassten Rabatte. Ein unwürdiger Ort. Auch hier stehen oder liegen Kerzen oder Engel und Laternen herum. Auch das wäre untersagt, doch die kleinen Zeichen weisen immerhin darauf hin, dass dies grundsätzlich ein Grab ist.

Bitte, bis 2020 zu verschönern
Im Voranschlag 2018 der Gemeinde Uzwil, die die Hoheit über die Friedhöfe hat, sind die Positionen verschoben worden. Das Gemeinschaftsgrab auf dem Henauer Friedhof ist im Jahr 2021vorgesehen, die Erweiterung der Urnenwand in Niederuzwil 2020. Das Gemeinschaftsgrab Niederuzwil wird nur noch pro memoria aufgeführt. Solange wollen eine Reihe von Henauer und Niederuzwiler Kirchbürgerinnen und Kirchbürger nicht mehr warten. Sie starteten eine Unterschriftensammlung. In erster Linie in Henau, doch auch in Niederuzwil fanden sich Unterschriftswillige.

Ende letzter Woche übergaben Klaus De Boni, Heidi De Boni, Kirchenverwaltungsratspräsident Paul Gähwiler-Wick, Hans-Ruedi Kappeler und Esther Wild Bislin über 200 Unterschriften an Gemeinderätin Renate Graf, die für das Friedhofwesen zuständig ist. Dafür war der Platz vor dem Urnenhain gewählt worden. «Wir sind mit der Verzögerung bei der Neugestaltung der Gemeinschaftsgräber auf den beiden katholischen Friedhöfen Henau und Niederuzwil unzufrieden und nicht einverstanden», steht im Begleitbrief zu den Unterschriftenbogen. Und: «Die Petitionsunterzeichner fordern den Gemeinderat deshalb auf, diese beiden Gemeinschaftsgräber bis 2020 zu verschönern.»

Künstlerisches Element unabdingbar
Gemeinderätin Renate Graf nahm in ihrem zweiten Amtsjahr zum ersten Mal eine Petition entgegen. Sie räumte ein, dass die beiden Gemeinschaftsgräber wenig einladend wirken, und dass sich angesichts der rückläufigen Erdbestattungen eine andere Friedhofgestaltung aufdränge. Sie versprach, dass das Anliegen in einer der nächsten der Gemeinderatssitzungen besprochen wird.

Vor Ort begannen bereits Diskussionen, wie und mit wem zusammengearbeitet werden könnte, damit die Gemeinschaftsgräber wie an vielen anderen Orten ein Ort der Einkehr und der Würde werden. Fotos von anderen Friedhöfen zirkulierten als Anschauungsmaterial. Ein künstlerisches Element sei dabei unabdingbar, meinten die Anwesenden. In diesem Sinne ist auch das Gemeinschaftsgrab auf dem evangelischen Friedhof Niederuzwil gestaltet worden.

Gemeinde setzt Prioritäten
Thomas Stricker, Verwaltungsleiter der Gemeinde Uzwil, begründet auf Anfrage die Verschiebungen: «Der Investitionsplan zeigt auf, was in den nächsten Jahren anfallen könnte. Diese Mehrjahresbetrachtung ist eine der Grundlagen des Finanzplanes. Gleichzeitig ist jeweils nur das Budgetjahr verbindlich. Im Rahmen der Finanzplanung überprüft der Rat laufend die Prioritätenordnung aller Vorhaben und versucht, sie in Einklang mit dem finanziellen Spielraum zu bringen. Regelmässig tauchen neue Aufgaben auf, die eine hohe Dringlichkeit aufweisen. Das verursacht natürlich immer wieder Verschiebungen in der Investitionsplanung. Das gilt auch für das Gemeinschaftsgrab Henau, die Erweiterung der Urnenwand auf dem katholischen Friedhof Niederuzwil sowie das dortige Gemeinschaftsgrab. Alle Vorhaben waren einmal früher vorgesehen. Der Rat hat sie im Rahmen dieser Gesamtbeurteilungen neu in die Prioritätenordnung eingereiht.»

Ausserdem begrüsst Thomas Stricker die Mitwirkung und das Engagement der Bürgerinnen und Bürger wie im vorliegenden Fall. «Sie zeigen, dass unsere Staatsform funktioniert. Die Mitwirkungsmöglichkeiten zu nutzen ist viel besser, als die Faust im Sack zu machen. Und meist auch erfolgreicher. So wird sich der Rat natürlich mit dem Anliegen befassen. Auch dann, wenn er die Prioritäten der nächsten Jahre festlegt», verspricht er.