Erst 45 Jahre jung und doch könnte diese Frau schon mehrere Bücher über ihr Leben schreiben. Viel hat sie schon erlebt und noch viel mehr hat sie sich aus- und weitergebildet. Soeben abgeschlossen haben sie und ihr Team den «Tag der Bäuerin» an der diesjährigen OLMA. «Ich weiss gar nicht mehr genau, wie lange ich schon in diesem OK mithelfe, ich glaube es ist seit 2004, nachdem ich den Abschluss meiner höheren Fachprüfung bestanden habe», sagt sie lachend. Die Frage stellt sich zuweilen, warum man sich für ein solches Amt zu Verfügung stellt. «Ganz einfach, weil ich den Tag der Bäuerin sehr interessant finde. Die Vorbereitungsgruppe trifft sich in etwa fünf Sitzungen über das Jahr verteilt und bespricht das Thema dieses Tages. Jede Teilnehmende kann ihre Erfahrungen und Meinungen hineinbringen. Es ist immer wieder spannend, neue Themen und Schwerpunkte zu überlegen. Es gibt mir aber auch die Möglichkeit, verschiedene Bäuerinnen und verschiedene andere Umfelder kennenzulernen. Ich bin beeindruckt, was meine Berufskolleginnen leisten, staune immer wieder über deren Engagement, aber auch über die Vielfalt des Berufsfeldes der Bäuerin. Seit vielen Jahren spielen meine Kinder in der musikalischen Umrahmung mit, dieses Jahr war es Simon mit seinem Schwyzerörgeli und dem Trio Churfirstengruess.»


«Tag der Bäuerin»?

Was dieser spezielle Tag an der OLMA beinhaltet erklärt Petra Länzlinger in einem Guss. «Der Tag beginnt mit Kaffee, Zopf und einem Austausch unter Bäuerinnen und einigen wenigen Landwirten. Es ist für mich immer wieder «ein Ankommen» nach einem Jahr. Nach der Einleitung eines OK-Mitglieds, führt unser Moderator durch den informativen Teil des Tages der Bäuerin. Ich freue mich immer sehr auf die Beiträge der verschiedenen Bäuerinnen im Hauptteil, die zum Thema passend sind. Im Anschluss findet eine Diskussion zum Thema statt, durch die auch wieder unser langjähriger Moderator führt. Abgerundet wird das Ganze durch einen Apero, wo der Austausch wieder gepflegt werden kann.» Das OK freut sich selbstredend, wenn die Themenschwerpunkte beim Publikum gut ankommen. «Wir sind immer wieder gespannt auf die Rückmeldungen. Dieses Mal hatten wir zum ersten Mal eine Umfrage «auf dem Stuhl» und wollten so die Bäuerinnen ermuntern, diese auszufüllen. Es ist uns natürlich ein sehr grosses Anliegen, dass die Bäuerinnen ihre Anliegen deponieren können. Dieses Jahr war ich wieder äusserst gespannt auf den Tag und welche persönlichen Situationen uns die Bäuerinnen beschreiben.

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Petra Länzlinger


Und dann der Schicksalsschlag

Vor 4 Jahren erlebte Familie Länzlinger eine kritische Situation. «Unsere Tochter hatte einen akuten Hirnschlag, wir wussten zu Beginn nicht, ob und wie sie das überleben würde. Es folgte eine Zeit des Bangens mit einem neunmonatigen Spital- und Rehaaufenthalt», sagt Petra Länzlinger. Doch die Tochter war stark, hat sich zurückgekämpft. «Wir hatten extrem viel Glück. Ich habe in vielen Momenten weder ein noch aus gewusst. Es hat mir aber gezeigt, dass das Leben ein Geschenk ist, man im Leben das realisieren muss, was einem wichtig ist und nicht nur ein perfekter Haushalt das A und O ist», sagt die Mutter.

Zur Familie gehören auch Simon (21, Zimmermann und Landwirt), Livia (20, Fachfrau Gesundheit), Fabian (17, Zimmermanns-Lehre), Tobias (12, Schüler) und Jan (6, Kindergarten). Im Jahr 2000 heiratete Petra ihren Sepp, nachdem sie bis im Jahr vorher in Libingen aufgewachsen ist. Ihre Erstausbildung absolvierte sie als Kinderkrankenschwester, es folgten Ausbildungen zur Bäuerin mit Betriebsleiterinnenschule und der Abschluss der höheren Fachprüfung als Bäuerin.


Langeweile? Ein Fremdwort

Bis heute arbeitet Petra Länzlinger Teilzeit in einer Institution für Altenpflege. Bleibt da noch Zeit für Hobbys? Sie lacht und erklärt, «Natur, Tiere (meine Lieblingstiere auf unserem Hof sind ganz klar meine Toggenburger Ziegen. Entschleunigung finde ich nebenher beim Wandern, unterwegs sein mit der Eisenbahn und alle möglichen Ecken der Schweiz kennenlernen.» Doch es geht noch weiter. «Handarbeiten, schnitzen, Garten, oder als Kassierin in der örtlichen, katholischen Kirchgemeinde und Zeit mit meinen Kindern und dem Enkelkind zu verbringen, was gibt es Schöneres.» Für Freude und Unterhaltung auf dem Hof sorgen unter anderem Wilma, der Sheltie-Hund, die Katzen, Enten, Kaninchen, Ziegen, Esel und rund 70 Mutterkühe.

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Tobias (12) mit seinen eigens gepressten Ballen


Im Einsatz für betagte Mitmenschen

Petra Länzlinger arbeitet als Pflegefachfrau HF in der Nachtwache. Alle ihre Engagements übt sie mit viel Herzblut und Flexibilität aus. «Ich möchte keines meiner Engagements missen. Ich merke, dass ich neben meiner Arbeit als Bäuerin und Mutter ganz einfach noch einen anderen Austausch brauche. Bewusst wird mir das zunehmend, je mehr die Kinder «flügge» sind, aber auch durch die erfahrenen Schicksalsschläge. Unterstützung erhält sie immer wieder durch ihre Mutter und ihre Schwägerin. Mein Arbeitgeber vom Alters- und Pflegeheim zeigt sich sehr flexibel, ohne das würde es nicht gehen. Ich freue mich stets, die Bewohner jeweils wiederzusehen. Es entstehen immer wieder sehr schöne, berührende Begegnungen. Und genauso ergeht es mir auch mit meinen Engagements in der katholischen Kirchgemeinde, bei der OLMA, oder beim Ziegenverein. Ich mache diese Engagements alle sehr gerne und mit viel Herzblut.»

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Mehrere selbstgebastelte Bienenhotels zieren das Haus von Petra Länzlinger.