Eine für einen Gottesdienst vor der Sommerferienzeit ungewöhnlich grosse Zahl an Besuchern hat an der Abschiedsfeier von Pfarrer Marc Ditthardt und seiner Familie teilgenommen. Damit wurde zweifellos das grosse Engagement während des neunjährigen Wirkens in Uzwil gewürdigt. Valentin Arnold, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, sprach es in seinen Dankesworten aus: «Marc Ditthardt hat neue Blickwinkel aufgezeigt. Er wusste zu begeistern. Kleine und grosse Schritte waren nötig und wurden gemacht.» Die Veränderungen sind nicht nur mit Beifall beklatscht worden.

Alles umsonst?

Marc Ditthardt zog in seiner Abschiedspredigt in gewissem Sinn Bilanz über die Uzwiler-Dekade. Beim Rückblick befalle einen fast immer ein ungutes Gefühl. So stelle er sich die Frage, ob sein Einsatz in der Kirchgemeinde nicht vergeblich, ohne die erhofften Resultate, gewesen sei. In solchen Situationen sei es nötig, ehrlich zu sein. In der Bibel sei ja auch nicht von Superhelden die Rede, welchen alles gelinge. Bei Jesus finde man Verständnis und werde so akzeptiert, wie man sei.


Alles umsonst!

Die Lösung liege in einem Veränderungsprozess. Die Bibel fordere dazu auf, das Leben zu geniessen und dankbar für das zu sein, was einem gegeben sei. Dann erkenne man, dass nichts umsonst sei. Mehr noch, dass einem das Wichtige im Leben umsonst, ohne eigene Verdienste, geschenkt werde. Mit der Bitte um Heilung von Wunden und Verletzungen und um Segen und Frieden schloss Marc Ditthardt seine Predigt. 


Feier auf dem Kirchenhügel

Bei schönem Wetter eignet sich der Park zwischen der Kirche, dem Kirchgemeindehaus und dem Pfarrhaus vorzüglich für eine Feier im Freien. Davon wurde im Anschluss an den Gottesdienst Gebrauch gemacht. Auf dem Kirchenhügel sassen die Besucher zur gemeinsamen Mittagsverpflegung beisammen. 

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Nachgefragt: "Die Schoggi ist in der Schweiz besser"

Pfarrer sind nicht mehr «dicht gesät». In beiden Landeskirchen ist man auf ausländische Seelsorger angewiesen. Pfarrer Marc Ditthardt verlässt Uzwil nach neun Jahren. hallowil.ch hat ihn nach seinen Erfahrungen gefragt.

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Marc Ditthardt betont im Rückblick auf die neun Uzwiler Jahre das Positive: wertvolle Erfahrungen, eindrückliche Begegnungen und bleibende Erinnerungen.

hallowil.ch: Herr Ditthardt, Sie sind von Deutschland in die Schweiz gekommen. War dies mit einem Kulturschock verbunden? 
Nein, überhaupt nicht. Wir waren bereits zuvor viele Male in der Schweiz und verfügten über Auslandserfahrungen in Österreich, Schottland und Frankreich. Ich schätze es, eine neue Kultur und ein neues Land kennenzulernen.

hallowil.ch: Was war für Sie der frappanteste Unterschied?
Die Bahn kommt pünktlich und die Schoggi ist definitiv besser. Darüber hinaus habe ich am Anfang in der Kantonalkirche und in der Gemeinde das Unbürokratische sowie Begegnungen per Du und auf Augenhöhe geschätzt.

hallowil.ch: Sie haben neun Jahre in Uzwil gewirkt. Was nehmen Sie als schönste Erinnerungen mit? 
Es gibt sehr viele schöne Erinnerungen, angefangen von einem überaus herzlichen Empfang, vielen interessanten und tollen Begegnungen, wundervollen Menschen und schönen Geschichten. Zusammen sind wir mit der Kirchenvorsteherschaft einmal bei Sonnenaufgang zu Gipfelgesprächen auf dem Säntis gewesen. Dies war einmalig, so dass ich eine Woche später mit meiner Familie nochmal hingegangen bin. Weiter möchte ich die Alpha-Life-Kurse, das Bartimäus-Hilfsprojekt für Indien, die Lobpreis-Gottesdienste am Freitagabend, die Geburt unseres dritten Kindes und den Studienurlaub in Kanada und den USA erwähnen.

hallowil.ch: Welche schmerzlichsten Erfahrungen haben Sie gemacht und wie gingen Sie damit um? 
Eine Fehlgeburt und auch der Verlust oder Weggang von lieben Menschen, mit denen wir sehr – auch im Glauben – verbunden waren. Es sind Tabuthemen. Doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass Offenheit Türen öffnet, sodass auch andere ihre Tabuthemen zur Sprache bringen.

hallowil.ch: Sie ziehen in den Kanton Bern. Welche neue Aufgabe wartet auf Sie?
Wir werden künftig auf der Grenze zwischen dem Kanton Bern und Kanton Fribourg leben. Unsere Aufgabe besteht darin, den Röstigraben zu überwinden! Wir werden als Gemeindeleiterehepaar in einem Gemeindegründungsprojekt schaffen. Zum «Neuen-Land-Netzwerk» zählen verschiedene Gemeinden innerhalb der evangelischen Kantonalkirche Bern und auch freikirchliche Gemeinden. Daran wollen wir teilhaben und uns mit unseren Fähigkeiten einbringen.