«Diese Steine sollen für weitere 800 Jahre halten», scherzte Dr. Patrick Cotting an der Medienkonferenz am Dienstagvormittag im Baronenhaus. Der selbstständige Strategieberater und Universitätsdozent wirkt als Projektleiter der finalen Renovationsetappe des Hof zu Wil. Der Experte hat bisher in der ganzen Schweiz bei der Neupräsentation von Baudenkmälern mitgewirkt.

Zwei Varianten erhältlich

Die von Cotting erwähnte Zahl 800 hat bezüglich Hof eine besondere Bedeutung: Vor dieser Zeitspanne sind die Ursprünge des Gebäudekomplexes als Wohn- und Wehrturm geschaffen worden. In Bezugnahme darauf werden nun dem Publikum 800 Pflastersteine zum Kauf angeboten. Sie werden innerhalb der Renovation wahlweise auf der Hofterrasse, vor der Dienerschaftskapelle oder auf der Hofhaldenterrasse verbaut werden. Die Erwerber können sie mit einer Gravur zu Fr. 1000.- oder ungraviert zu Fr. 250.- kaufen. Laut Cotting gingen gestern bereits wenige Stunden nach der Lancierung der Aktion die ersten zehn Steinbestellungen online ein.

Beziehung fördern

Der Publikumsverkauf der Steine soll einerseits Geld in die Kasse der Hofstiftung spülen, die ein Darlehen der Stadt für die Renovation möglichst bald zurückzahlen will. Jährlich sollen es mindestens Fr. 304 000.- sein. Andererseits sollen sie auch die angestrebte intensive Verbindung der Bevölkerung mit dem Hof unterstreichen.

Langer Vorbereitungsprozess

An der Medienorientierung referierte im Weiteren auch Erwin Böhi (SVP). Der Wiler Politiker war Mitglied der kantonsrätlichen Kommission zur dritten Renovationsetappe sowie Präsident der vorberatenden Kommission des Stadtparlaments.

Böhi blickte auf einen sechsjährigen politischen Prozess zur Vorbereitung der Hofrenovation zurück und verdeutlichte, dass das Projekt kein überhasteter Schnellschuss, sondern umfassend konzipiert und politisch breit abgestützt ist. In der Folge wird an den beiden Lesungen in Stadtparlament kaum grundlegende Kritik erwartet. Am kommenden Donnerstag soll das Thema an der Parlamentssitzung debattiert werden; die zweite Lesung ist auf den 30. September vorgesehen. Das Stimmvolk wird sich voraussichtlich am 28. November, eventuell am 13. Februar 2022 zur Vorlage äussern können.

Hohes Niveau der Vermittlung

Das Projekt zur abschliessenden Renovation ist komplex und erfordert einige Beschäftigung, um die Absichten richtig einordnen zu können. Im zweiten Obergeschoss sind etwa verschiedene Business-Einrichtungen geplant, die Einkünfte generieren sollen.

Im dritten Obergeschoss wird die Hofbezirk-Erlebniswelt entstehen. Mit modernsten digitalen Möglichkeiten soll die bewegte Geschichte des Hofs und der damit verbundenen Geschichte des Klosterstaates vermittelt werden. Das Konzept dazu hat die Direktorin des Schweizer Nationalmuseums, Denise Tonella, entwickelt. Gemäss Patrick Cotting ist damit ein hohes Niveau der Präsentation gewährleitet. An der der Medienorientierung wurde betont, dass es hierbei nicht um ein Museum gehe, sondern um eine museale Inszenierung. Es sind zusätzlich temporäre thematische Ausstellungen geplant.

Laut Ruedi Schär wird das derzeitige Stadtmuseum im Hof zur Wiler Geschichte künftig an einem neuen Standort eingerichtet. «Dieser derzeit nicht noch festgelegt.»


Projekt für die Zukunft

Im Annexbau Roter Gatter an der Hofbergstrasse entstehen zwei Atelierstudios und zwei 4,5 Zimmer-Wohnungen. Im rückwärtigen Teil des Hofs, Richtung Stadtweier, ist eine gastronomische Einrichtung geplant. Sie wird als Hofhaldenterrasse bezeichnet.

Mit der finalen Renovationsetappe sollen gemäss Patrick Cotting der Hofbezirk und die Altstadt eine wirtschaftliche und touristische Aufwertung erfahren. Konsequenterweise ist daher von einem «Renovations- und Innovationsprojekt» die Rede, das den Hofkomplex in die nächste Phase seiner Geschichte überführen soll.

Innerhalb des Tags des Denkmals wird Dr. Patrick Cotting am Sonntag, 12. September von 13 bis 17 Uhr stündlich im Gewölbekeller über die Hofbezirks-Pläne informieren. Anschliessend besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

In der Hofgasse wurde zudem eine frei zugängliche Informationsschau über das geplante Renovationsprojekt eingerichtet. Im Weiteren sind auch auf der neuen Website www.hofbezirk.ch detaillierte Informationen zur Geschichte des Hofs und zu den Zukunftsvisionen einsehbar.

Gut zu wissen:

Der Hof zu Wil ist das älteste noch genutzte Gebäude der ehemaligen Fürstabtei St.Gallen. Es steht seit 1978 unter Bundesschutz. Historisch gesehen war der Hof mit dem dazugehörenden Hofbezirk während mehreren Jahrhunderten das eigentliche Verwaltungs- und Finanzzentrum der Fürstabtei St.Gallen, des damals grössten Klosterstaates auf heutigem Schweizer Boden. Die 1988 gegründete Stiftung Hof zu Wil kümmert sich um den Erhalt und etappenweisen Ausbau des Gebäudekomplexes. In den ersten beiden Bauetappen von 1994 bis 1998 und 2008 bis 2010 wurden bereits umfassende bauliche Anpassungen realisiert. Mit der anstehenden dritten und finalen Etappe sollen auch die noch ungenutzten Bereiche mit einem Volumen von rund 17'500 m3 saniert und einer konstanten Nutzung zugeführt werden. Dazu wurde ein Nutzungskonzept erstellt, das den Hofbezirk wirtschaftlich und touristisch aufwerten soll. Im ehemaligen Verwaltungssitz der Fürstäbte der Fürstabtei St.Gallen soll gutes Leben reflektiert und erlebt werden können, mit einer musealen Inszenierung auf dem Niveau des Landesmuseums, mit einem erweiterten Gastronomieangebot, mit Co-Working-Arbeitsplätzen für Start-Ups und Einzel-Unternehmende, mit Veranstaltungen und Aktivitäten, die Erwachsene, Familien und Schulen aus der ganzen Schweiz anziehen sollen. Nebst der Renovation wurden dazu weitere strategische Zielsetzungen formuliert. Dazu gehört, dass die Wiler Altstadt zum "Gruyère" der Ostschweiz wird, dass eine Anbindung an den Stiftsbezirk St.Gallen umgesetzt wird oder auch, dass der Hofbezirk selber bis ins Jahr 2030 unter den Schutz der UNESCO gestellt und damit die UNESCO Urkunde der "Abtei St.Gallen" mit dem ehemaligen Verwaltungs- und Residenzsitz der Fürstäbte in Wil präzisiert wird. (Stiftung Hof zu Wil)