Gegenwärtig laufen in fast allen Gemeinden der Region die Vorbereitungen für die Ortsplanungsrevisionen als Folge der neuen kantonalen Raumplanung RMP (Rahmenmassnahmenplanung) sowie des neuen Planungs- und Baugesetzes (PBG) des Kantons. Gemeindepräsident Simon Thalmann bestätigte bei der Begrüssung, dass der Gemeinderat die angestrebte offene Informationsstrategie zur Ortsplanung weiterführe. Die Bevölkerung werde laufend über die einzelnen Schritte in Kenntnis gesetzt. Dazu sei auch diese öffentliche Informationsveranstaltung gedacht, zu der der Gemeindepräsident den kompetenten Referent Armin Meier begrüsste. Das für die Zukunft der Dörfer und der Gemeinde sehr wichtige Thema hätteallerdings etwas mehr interessierte Bürgerinnen und Bürger erwarten lassen.

Innenentwicklung der Dörfer

Der Referent Armin Meier sprach einleitend die historische Entwicklung der Dörfer an. Die Gemeinde Niederhelfenschwil gehöre ursprünglich eigentlich zur Ackerbauregion und habe erst später durch die Umstellung der Bauernbetriebe auf die Milchwirtschaft und den Obstbau die heutige Form bekommen. Die Entwicklung der Ansiedelung in den Dörfern und Weilern sei abhängig von Verkehrs- und Infrastrukturbedingungen. Die heutige Mobilität vereinfache die Situation, seien doch längere Arbeitswege in kürzerer Zeit möglich. In der Raumplanung 2.0 (RP) sei die Gemeinde weiterhin zuständig für die Innenentwicklung der Dörfer. Der Kanton setze die Leitplanken und entscheide abschliessend. „Eine hinreichende Anbindung an den öffentlichen Verkehr bildet eine Steuerungsgrösse. Erschliessungen ausserhalb des ÖV-Bereichs sind nicht mehr möglich. Ziel ist eine bessere Nutzung der inneren Baulandreserven“, informierte der erfahrene Planer. Neu bestehe keine neue Reservemöglichkeit mehr.

Ortsplanung, eine neue Chance

Die RP 2.0 habe eine neue Berechnungsmethode bezüglich der Grenzabstände, der nutzbaren Gebäudehöhe und der Gesamthöhe. Im Kanton St.Gallen könne das gesetzliche Kaufrecht der Gemeinde im Grundbuch eingetragen werden. Allerdings müsse nach dem Kauf innerhalb von zwei Jahren gebaut werden. Ein Vertrag sei sinnvoll. Bei einer Auszonung sei eine Entschädigung fällig. „Die Vorgabe für die Raumplanung ist ein haushälterischer Umgang mit Bauland. Bei einer differenzierten Betrachtung der Innenentwicklung ist der Fokus nicht auf mehr Einwohner ausgerichtet“, erklärte Armin Meier. Er empfahl, mit den Grundeigentümern die zukünftige bessere Nutzung zu besprechen. Damit könne die Ausnützungsziffer und das Verhältnis von Wohnraum zur Grundstückgrösse optimiert werden. Die Baubehörde müsse bei der Prüfung einer Bewilligung auch die Quartierentwicklung beachten. Ein Neubau müsse in die bestehende Struktur passen, vor allem in Kernzonen.

Ortsplanung bis 2020 abschliessen

Der Referent sprach die Gemeindestruktur der drei Dörfer Niederhelfenschwil, Zuckenriet und Lenggenwil sowie der Weiler an. Zu beachten sei eine sinnvolle Vernetzung von Naturlandschaften und Siedlungen. Neben den emotionalen Trittsteinen Kirchen, Kobesenmühle oder Schloss hätten auch die Weiler ein grosses Gewicht. In gewissen Zonen sei noch Potenzial vorhanden. Arbeitsplatzzonen seien nur noch auf bestehenden Zonen möglich und nutzbar. Beim Strassennetz müssten die Strukturen der Kernstrassen, der Landstrassen und der Verbindungsstrassen zum öffentlichen Raum berücksichtigt werden. Bezüglich der Weilerzonen kritisierte Simon Thalmann die kantonale Regelung. Der Gemeinderat zielt auf eine Ausarbeitung des kommunalen Richtplans bis Ende 2018, in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Strittmatter. Im ersten Quartal 2019 werde der Entwurf der Bevölkerung vorgestellt. Anschliessend bestehe noch die Möglichkeit zur Vernehmlassung, bevor die Feinplanung mit der Nutzungsplanung und der Bewilligungsphase beginne. Wünschbar wäre nach den Worten von Simon Thalmann ein Abschluss bis zum Ende der Legislatur per 31. Dezember 2020.