Die Challenge League wird gerne als Pleite-Liga bezeichnet. Mehrere Vereine haben kaum Zuschauereinnahmen, es gibt deutlich weniger TV-Beiträge als im Oberhaus – und wiederholt fehlt die sportliche Brisanz. Das zählt vor allem für den Abstiegskampf. Um das sportliche Niveau anzuheben, wurde die zweithöchste Spielklasse im Sommer 2012 von 16 auf 10 Teams reduziert. Und was ist geschehen? Nur in zwei von acht Fällen gab es seither einen sportlichen Absteiger. Einzig der FC Locarno 2014 und der FC Rapperswil-Jona 2019 brachten das Kunststück fertig, sportlich relegiert zu werden. Ansonsten wurde die Entscheidung am grünen Tisch oder sonst irgendwo abseits des Spielfeldes gefällt.

- Saison 2012/2013: Unter Präsident Gabriele Giulini schlittert die AC Bellinzona in den Konkurs. 8,5 Millionen Franken hoch soll der Schuldenberg gewesen sein. Zwar wird der Konkurs später widerrufen, so dass die Tessiner immerhin in der 2. Liga regional weitermachen können. Mittlerweile ist Bellinzona in der Promotion League. Profiteur damals: FC Locarno.

- Saison 2013/2014: Der FC Locarno steigt sportlich ab. Er hat am Ende sechs Punkte Rückstand auf das vorletzte Wohlen. Anfangs 2018 muss auch der FC Locarno Konkurs anmelden. Er beginnt in der 5. Liga neu und ist aktuell in der 4. Liga.

- Saison 2014/2015: Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren muss sich Servette zwangsrelegieren lassen. Die Genfer bekommen keine Lizenz, da sich Schulden von fünf Millionen Franken angehäuft haben dürften. Der Abstieg in die Promotion League ist die Folge. Heute sind die Genfer in der Super League. Profiteur damals: FC Biel.

- 2015/2016: Der Zürcher Anwalt Carlo Häfeli führt den FC Biel in den Abgrund. Im Verlauf der Rückrunde wird dem Verein die Lizenz entzogen, nachdem die Löhne nicht mehr bezahlt werden konnten. Alle Bieler Spiele der Rückrunde werden nicht gewertet. Die Seeländer müssen in der 2. Liga regional weitermachen. Heute ist der FC Biel in der 1. Liga engagiert. Profiteur damals: FC Le Mont Lausanne.

- 2016/2017: Der FC Le Mont Lausanne hat genug vom Profi-Fussball. Nachdem er erstinstanzlich keine Lizenz für die nächste Spielzeit erhalten hat, legt er keinen Rekurs gegen diesen Entscheid ein, was gleichbedeutend ist mit dem freiwilligen Abstieg in die 4. Liga. Aktuell sind die Waadtländer in der 3. Liga aktiv. Profiteur damals: FC Wil. Ihm werden nach den türkischen Wirren zwar im Verlauf der Rückrunde drei Punkte abgezogen. Die Äbtestädter erhalten aber die Lizenz und dürfen in der Challenge League bleiben.

- 2017/2018: Auch der FC Wohlen hat genug vom Profi-Fussball. Er beantragt im Winter keine Lizenz für die nächste Saison – und spielt dann eine Rückrunde ohne einen einzigen Sieg. Die Freiämter machen in der Promotion League weiter, steigen aber grad nochmals ab – sportlich. Darum ist der FC Wohlen derzeit in der 1. Liga engagiert. Profiteur damals: FC Winterthur.

- 2018/2019: Der FC Rapperswil-Jona schafft die Rarität und steigt sportlich ab. Und dies in einem Wahnsinns-Fernduell in der letzten Runde. Der FC Chiasso dreht in Wil das Spiel und überholt die Rosenstädter noch. «Rappi» verliert in Aarau mit 0:1. Ein Remis hätte Rapperswil-Jona gereicht.

- 2019/2020: Das Coronavirus lässt das ganze Land stillstehen. Auch die Sportwelt. Alle Meisterschaften unterhalt der Profiligen werden abgebrochen. Es gibt keinen Absteiger aus der Challenge League. Profiteur: Gemäss aktuellem Stand der FC Chiasso. Die Tessiner haben nach 23 von 36 Runden sieben Punkte Rückstand auf das vorletzte Schaffhausen.

Der revolutionäre Vorschlag der hallowil.ch-Redaktion: Wieso nicht über eine Barrage zwischen der Challenge League und der Promotion League nachdenken? In Deutschland ist diese zwischen zweiter Bundesliga und 3. Liga eine Selbstverständlichkeit.