Ingrid Markart, Nationalratskandidatin und Kandidatin für den Oberuzwiler Gemeinderat, begrüsste im Brühlackersaal in Oberbüren zum Anlass unter dem Thema «Mein Arbeitsplatz in der Zukunft». Sie verglich den heutigen Einzug der Digitalisierung mit der Industrialisierung. Auch die damalige Entwicklung habe grosse Ängste um den Verlust von Arbeitsplätzen ausgelöst. Wie sie die Zukunft in ihren Branchen sehen, umrissen anschliessend fünf Fachvertreter in Inputreferaten.

Als erster Referent sprach der Maschinenbauingenieur Alejandro Aranda, Werksleiter bei der Firma Magnet Schultz in Oberrindal. In seinem Unternehmen, das Teil einer internationalen Firma mit 2700 Mitarbeitenden ist, sei die Digitalisierung seit 20 Jahren im Gang. Was früher Handwerker erledigt hätten, erfordere heute den Einsatz von Ingenieuren und Technikern. Um konkurrenzfähig zu bleiben, investiere die Firma jährlich fünf Prozent in die Entwicklung und der Investitionsetat betrage 15 Prozent. Wichtig und stark ausgebaut worden sei die Qualitätssicherung. In diesem Bereich seien auch neue Arbeitsstellen entstanden. Aranda stellte aber auch fest: «Die leistungsfähigen Maschinen muss auch jemand bauen. Deshalb werden die Standardberufe bleiben. Aber weil die EDV immer wichtiger wird, werden sie mit neuen Inhalten ergänzt. Es wird mehr Berufsbilder geben. Aber wir werden das schaffen.»

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Das Moderationsduo: Nationalrats- und Oberuzwiler Gemeinderatskandidatin Ingrid Markart und Kantonsrat Erich Baumann, Flawil.


Automobilbranche: Elektrifizierung veränderte

Für die Automobilbranche sprach Roger Nagel, Betriebsleiter bei der Larag St. Gallen. Ein leistungsfähiger Personen- und Güterverkehr sei eine Grundlage unseres Wohlstandes, führte er einleitend aus. Für die Zukunft der Automobilbranche erachtet er es als wichtig, dass es ihr gelinge, ihre Arbeitsplätze für Jugendliche attraktiv zu machen und so fähige Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Im Zug der fortschreitenden Digitalisierung steigt seiner Ansicht nach die Bedeutung des zwischenmenschlichen Kontakts. In der Autoindustrie würden in den nächsten zehn Jahren mehr Veränderungen erfolgen als in den vergangenen 50 Jahren. Grosse Auswirkungen erwartet er vor allem vom autonomen Fahren. In Teilbereichen der Autobahn sei dies schon in fünf Jahren realisierbar, allgemein in zehn bis 15 Jahren. Die Berufsbilder in der Branche hätten sich bereits mit der Elektrifizierung grundlegend verändert. Den Automechaniker als Mechaniker gebe es nicht mehr. Es sei schwierig, genügend Schulabgänger als Lernende zu bekommen, welche über die nötigen Voraussetzungen in Mathematik und Physik verfügten.

Gesundheitswesen: Auslaufmodell Allgemeinmediziner

Auf humorvolle, aber dramatische Weise zeichnete Markus Preuss, medizinischer Leiter der Med-Base-Gesundheitszentren Uzwil und St. Gallen, die Zukunft im Gesundheitswesen. Im Speziellen die Zukunft des Facharztes für Allgemeinmedizin. Dabei schaute er in eine Zukunft, die in Anfängen schon heute Realität ist. Es ging vor allem darum, dass viele Menschen für die Beurteilung ihrer gesundheitlichen Probleme schon heute vor einem Arztbesuch verschiedene Apps, das Internet, Google und vielleicht einen Apotheker konsultierten. Wenn künftig noch eine Anlage mit künstlicher Intelligenz das Problem unmittelbar lösen wird, braucht es den Arzt nicht mehr. Markus Preuss folgerte daher: «Meinen Beruf wird es in 15 Jahren nicht mehr geben».


Baugewerbe: Papierlose Baustellen

Jürg Affentranger, Leiter Hochbau bei der Brühwiler Bauunternehmung in Oberbüren, ist überzeugt, dass mittelfristig auch im Baugewerbe alles digitalisiert wird, was digitalisiert werden kann. Die Computer würden primär die lästige Fleissarbeit übernehmen, die menschliche Erfahrung könnten sie nicht ersetzen. Das Handwerk werde weiter benötigt, und es werde noch wertvoller. Auf Baustellen könnten Drohnen und Tablets eingesetzt werden. Es setze sich der Trend auf Vorfertigung durch. Die papierlose Baustelle sei in absehbarer Zeit zu verwirklichen. Affentranger zeigte auch ein Video, in welchem ein Roboter Eisen verlegte und betonierte. Das aber sei Zukunftsmusik, weil erst sechs Prozent der Bauunternehmer auf vollständige Digitalisierung setzten.

Berufsbildung neu denken

Marco Frauchiger, Rektor des Berufs- und Weiterbildungszentrums Wil-Uzwil (BZWU), stieg mit der provokativen Feststellung ein: «Das Schweizer Bildungssystem ist das Beste unter den Schlechten». Seine Schule ist am schweizerischen Pilotprojekt «Berufsbildung 2030» beteiligt. Frauchiger, der nach wie vor hinter dem dualen Bildungssystem steht, bemängelte, dass zwar immer wieder Reformen durchgeführt worden seien, dass aber der Schritt ins Digitalzeitalter noch nicht erfolgt sei. Heute müssten als Ziele die Gesellschaftsfähigkeit und die Arbeitsmarktfähigkeit angestrebt werden. Dazu müssten Strukturen wie Klassen, Fächer und Lektionen aufgegeben werden. Der Unterricht dürfe sich nicht an Defiziten orientieren, sondern müsse auf Begabungen und das Leistungspotenzial ausgerichtet werden. Lernen müsse auf eine sinnhafte Handlungskompetenz abzielen. Schule solle Freude machen.

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Auf dem Diskussionspodium: Marc Flückiger, Yvonne Keller, Daniel Gerber, Erich Baumann, Ingrid Markart, Caroline Bartholet und Marc Mächler.


Der Mensch im Mittelpunkt

In einem Podium diskutierten anschliessend Regierungsrat Marc Mächler, Kantonsrätin Caroline Bartholet, neue Gemeindepräsidentin von Niederbüren, Nationalratskandidatin Yvonne Keller, Unternehmensberater Daniel Gerber, und Marc Flückiger, Nationalratskandidat und Parlamentspräsident von Wil, unter der Leitung von Kantonsrat Erich Baumann über die aktuelle Situation in der Arbeitswelt. Der Tenor der Diskussion: Offen sein für die neuen Technologien, aber den Menschen in diesem Gefüge nicht vergessen: «Soziale Kompetenz ist matchentscheidend.»

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Interessierte Zuhörer bei aufschlussreichen Referaten.