Satire darf (fast) alles – Poetry Slam sowieso. Renato Kaiser trat mit seiner Solo-Show im brechend vollen Chällertheater auf. Wie gut es dem Publikum gefallen hat, bemerkte man schon nach wenigen Minuten, Applauswellen und unzählige Lacher zeugten davon.«Der Mensch machte Feuer, lernte Lesen und Schreiben, flog zum Mond, kam zurück, entdeckte die Internetkommentarfunktion und wurde zum Affen.» Der Einstieg in den rund zweistündigen Satire-, Komik- und tiefsinnigen Poetry Slam Höhenflug hat gesessen. Die Zuschauer – 100 an der Zahl im brechend vollen Chällertheater im Baronenhaus – haben sofort bemerkt, dass sie hierbei Zeugen vom Auftritt eines grossen Wortkünstlers werden.

Kein Blatt vor dem Mund und trotzdem sympathisch
Renato Kaiser kümmert sich weder um grosse Namen noch um Lehrer, Kinder, oder Erwachsene, die sich noch wie Kinder benehmen. Er nimmt alles und jeden auf die Schippe, am meisten aber sich selbst. «Wisst ihr, das Wichtigste ist doch einfach, dass man über sich selber lachen kann. Zudem soll man sich lieben, oder heisst es nicht „Liebe deinen nächsten...Ehemann“. Und übrigens, ich habe noch nie einen begeisterten Bankkunden gesehen, das geht wohl nicht nur mir so». In rasanter Abfolge balancierte der wortgewandte, gebürtige Goldacher, zwischen Vernunft und Wahnsinn. Zwischen Vordergrund und Hintersinn, zwischen Ernst und Witz, aber jederzeit auf der Stufe des Vertretbaren. Da darf dann auch mal die Rede von Flüchtlingen sein, die wohl furchtbare Floristen sind.

Das Internet ist schuld
Und so ganz nebenbei, «der altertümliche Stammtisch aus unseren Landbeizen ist schon lange abgelöst worden. Von wem fragt man sich? Ist doch klar, vom lieben Internet mit seinen Kommentarspalten.»

Feminismus und ein dummes Kind
Im ausverkauften Chällertheater nahm auch Judith Preisig aus Wilen Platz. So quasi mittendrin statt nur dabei sagte sie, dass sie Renato Kaiser schon einmal gesehen hat. «Für mich verblüffend, wie fliessend er aktuelle Themen ineinander verschmelzen lässt. Und seine Sprache wie auch seine Mimik, schlicht unglaublich». Genauso zufrieden zeigte sich Peter Hof. Der Wiler hatte den Poetry Slam Schweizermeister aus dem Jahr 2012 bis anhin noch nicht gekannt.

Jetzt kennt man ihn
Das hat sich jetzt schlagartig geändert. «Ich besitze ein Jahresabonnement des Chällertheaters darum lasse ich mir solche Aufführungen natürlich nicht entgehen. Renato Kaisers Wortschatz, seine Anekdoten mit dem Gespür für das Wesentliche gefielen mir sehr gut. Da spielt für mich eigentlich seine Mimik nur eine untergeordnete Rolle; die Worte zählen». Und da sich Kaisers Reime in seiner Thematik immer wieder um 180 Grad wenden, wird es schlicht und einfach hervorragend lustig, wenn er von einem dummen Kind oder dem Feminismus, der anscheinend die Männerwelt überfordere, „slamt“.