Letzten Sonntag schloss die Sonderausstellung im Ortsmuseum Matzingen seine Tore. Das Interesse der Bevölkerung an der informativen und eindrücklichen Geschichte im eigenen Dorf war überwältigend.Elmar Bissegger, Präsident der Stiftung Ortsmuseum Matzingen, lässt sich jedes Jahr ein neues Thema für die Sonderausstellung im Ortsmuseum einfallen. Die Bevölkerung soll nebst der Dauerausstellung stets neue Geschichten vorfinden.

Für die zehnte Veranstaltung schwebte ihm etwas über die internierten Polen im 2. Weltkrieg vor. Dieser Inhalt bot sich geradezu an, denn im Februar 1941 trafen auch in der Gemeinde Matzingen 245 Angehörige der Zweiten polnischen Schützendivision ein. Bissegger fragte Roman Polachowski, selber ein Nachfahre eines Internierten, ob er mithelfen würde. Polachowski musste nicht lange überlegen. Begeistert machte er sich mit dem ganzen Museumsteam an die Umsetzung.

Überwältigendes Interesse
Elmar Bissegger und Roman Polachowski waren beide äusserst überrascht, wie riesig das Interesse war. Jeder Ausstellungstag wurde mit einem grossen Publikumsaufmarsch belohnt. Und das blieb so bis und mit der Finissage. Nicht nur die Bevölkerung auch polnische Nachkommen und sogar eine polnische Delegation der Partnergemeinde Wil, Dobrzen Wielki, fanden den Weg nach Matzingen. Die Begegnungen waren spontan, authentisch und eindrücklich.

Elmar Bissegger betonte, dass auch er von der Geschichte fasziniert sei, insbesondere von der «Barackengeschichte». Wenn man sich vorstelle, dass die Gemeinde damals gerademal gut 900 Einwohner zählte und von einem Tag auf den anderen fast 250 Internierte in vier Baracken untergebracht werden mussten, sei das schon eine starke Leistung gewesen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei gross gewesen; denn die polnischen Armeeangehörigen hätten ihren Teil zum Wohlergehen aller beigetragen, in der Landwirtschaft, beim sonntäglichen Aufbau des Altars oder einfach wo Not am Mann gewesen war.

Einige Exponate bleiben
Aber auch Roman Polachowski war mir Leib und Seele dabei. Er erläuterte nicht nur dem interessierten Publikum sämtliche Exponate. Viele dieser geschichtsträchtigen Schriftstücke, Alben und Andenken stellte er selber zur Verfügung. Sie bedeuten ihm sehr viel, insbesondere die Münzen seines Vaters, die Offiziersmütze oder die Gold- und Silbermedaillen, die er und sein Vater für die ausführliche Recherche von der kommunistischen Regierung von Polen einst erhielten.

Nun wandern die Gegenstände zum Teil ins Archiv oder einen Stock höher in die permanente Ausstellung über die Polen, die somit bereichert wird. Gegenstände, die vom Polenmuseum in Rapperswil ausgeliehen waren, werden ihren Weg wieder dorthin zurück finden.

Aber bald geht es weiter, im Juni wird bereits die nächste Sonderausstellung eröffnet. Wie gewohnt lässt sich Elmar Bissegger noch nicht hinter die Karten gucken, erst zwei Tage vor der Eröffnung wird er das neue Thema lüften – lassen wir uns überraschen!