Alex Lyner sagt: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Das Recht auf Ehe und Familie ist gewährleistet. So steht es in der Bundesverfassung und damit ist schon fast alles gesagt. Als moderner, aufgeklärter Mensch darf man schon fast keine andere Meinung mehr haben.

Die Ehe ist für mich im Normalfall die Basis der Familie und die Familie wiederum die Urzelle unserer Gemeinschaft. Aber was heisst denn schon Normalfall? Wir sehen heute gleichermassen geschiedene und zerstrittene Heteropaare, alleinerziehende Mütter und glückliche, harmonische Homopaare. Aus der sexuellen Orientierung der Eltern kann man keine Schlussfolgerung über die Zufriedenheit oder der Harmonie in der Familie schliessen. Viel mehr spielt hier der Faktor Mensch eine Rolle und die Vielfältigkeit der Lebensqualität in der Familie ist genauso vielfältig wie unsere Präferenzen. Von daher bin ich selbstverständlich für eine Ehe für alle.

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Stadtparlamentarier Alex Lyner EVP   (Foto: Adrian Zeller) 

Aber wir stimmen ja nicht nur über die Ehe für alle ab, sondern auch über eine Änderung des Gesetzes über die Fortpflanzungsmedizin. In der Verfassung steht, dass nur bei einer Unfruchtbarkeit die Samenspende angewendet werden darf, diese Bedingung wird bei einem lesbischen Paar nicht zwingend erfüllt. Viel mehr wird aus einem Ausnahmefall ein Regelfall. Es ist zu befürchten, dass weitere Forderungen kommen werden, sollen schwule Paare Leihmütter anstellen dürfen? Auch wenn diese Möglichkeiten statistisch gesehen eher irrelevant sind, so lösen diese Vorstellungen bei mir trotz aller Toleranz ein grosses Unbehagen aus. Mit der Vermischung der beiden Themen haben uns die Initianten sicher keinen Gefallen getan.

Ich werde am 26. September entgegen der Parole meiner Partei die Vorlage annehmen, weil ich glaube, dass man als fortschrittlicher Schweizer nicht nein sagen kann. Man darf wegen diesem unglücklichen Zusatz das Kind nicht mit dem Bad ausschütten.

Alex Lyner, Stadtparlamentarier EVP

«Politikforum»: Was soll das?

Mit dem Politikforum will hallowil.ch besonders bei Themen, die sich auf unsere Region auswirken, die Meinungsbildung fördern. In loser Folge äussern sich vor allem politisch aktive Personen zu aktuellen Themen. Das letzte Mal bezog Brigitte Gübeli zur Abstimmungsvorlage Ehe für alle Stellung.

Auch Leserinnen und Leser sind eingeladen, ihre Meinungen und Gegenmeinungen einzubringen, melden Sie sich bei uns, am besten per Mail an: redaktion@hallowil.ch 

Wir legen dabei grossen Wert auf eine sachliche Debatte, in der verschiedene Meinungen respektiert werden. Und wir glauben an das Motto: In der Kürze liegt die Würze. Kurze prägnante Texte werden eher gelesen.