Zum Jahreswechsel hat hallowil.ch verschiedene Parlamentsmitglieder und Fraktionen um einen politischen Rückblick und eine Vorausschau gebeten. Heute FDP-glp:

Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten politischen Ereignisse oder Entscheide im abgelaufenen Jahr in Wil? 
Als wichtigstes Ereignis des Jahres 2021 sehen wir, dass der 3. Teil der Sanierung des Hofgebäudes bewilligt worden ist, und zwar mit satten Mehrheiten im Parlament, aber auch bei der Stimmbevölkerung und im Kantonsrat. Damit sollte der Sanierung des Wahrzeichens unserer Stadt nun nichts mehr im Weg stehen.

Als wegweisend für die Zukunft dürften sich auch die Genehmigung der verschiedenen Projektierungskredite rund um den Bahnhof Wil erweisen. Die Umsetzung der geplanten Massnahmen werden den Bahnhof spürbar aufwerten.

Ebenfalls wichtig ist die verabschiedete Neustrukturierung der Schulführung. Wir sind zuversichtlich, dass die Stimmbevölkerung im Jahr 2022 dieser Anpassung, die mit der Auflösung des Schulrates neue zeitgemässe Strukturen schafft, zustimmen wird.

Seit einem Jahr ist ein neuer Stadtrat im Amt, Ihre Bilanz? 
Der Start in die neue Legislatur ist aus unserer Sicht geglückt. Der neue Stadtrat tritt deutlich stärker als sein Vorgängergremium als Team auf. Viele wichtige Herausforderungen wurden erkannt, und es wurden Lösungen in Aussicht gestellt. Darauf darf man gespannt sein - der Härtetest steht erst noch bevor, denn die Geschäfte, die er bis anhin zu vertreten hatte, waren in der Regel politisch kaum bestritten.

Wo besteht aus Ihrer Sicht in Wil vorrangiger politischer Handlungsbedarf? 
Uns steht die schwierige Aufgabe bevor, sowohl die Infrastruktur zu erneuern und erweitern (Schulen, Strassen, Grünräume, Energie; Bahnhofplatz …) als dabei auch die Stabilität der Stadtfinanzen im Auge zu behalten. Dies wird ohne Zweifel eine grosse Herausforderung.

Weiter gilt es, die Raum-, Richt- und Nutzungsplanung, die Ortsplanung sowie das Baugesetz vorantreiben, so dass private Investoren aktiv sein können (Agrar, Kindlimann …).

Ganz generell gilt es dafür zu sorgen, dass die Stadt Wil auch künftig attraktiv bleibt - besonders auch für gute Steuerzahlende. Ihnen gilt es besondere Sorge zu tragen. Dabei müssen wir uns wieder vermehrt der Frage stellen, welche städtischen Leistungen wirklich notwendig sind und welche wir vielleicht auch in die Verantwortung privater Akteure legen wollen. Wenn die Stadt eine Leistung kürzt oder auslässt, muss das nämlich nicht zwangsläufig bedeuten, dass wir auf diese Leistung gänzlich verzichten müssen. Ein solcher Entscheid kann private Initiativen beflügeln und so mittelfristig gar zu noch besseren Lösungen führen.

Welche Themen stehen in Ihrer Fraktion weit oben in der Agenda? 
Es gilt, angesichts der aktuellen Situation und der erwarteten Entwicklung der Stadtkasse nun den Finanzen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Um die Attraktivität der Stadt zu erhalten, soll der Steuerfuss (solange wie möglich) nicht erhöht werden. Die Optimierung und Effizienzsteigerung von Verwaltungsprozessen ist uns weiterhin ein Anliegen. Hier könnte eine neue Personalaufwandsteuerung hilfreich sein.

Aus unserer Sicht steht ausserdem das Projekt Wil West mit seinen ergänzenden und flankierenden Massnahmen aus dem Agglomerationsprogramm (Verkehrsentlastung im Zentrum, Strassennetzergänzungen im Norden und im Osten) im Vordergrund, um das wirtschaftliche Potential zu nutzen und das Stadtzentrum attraktiver zu gestalten.

In der Bildungspolitik steht im Vordergrund, die neue Schulführungsstruktur unter Dach und Fach zu bringen, dann die Weiterentwicklung der Tagesstrukturen zu Tagesschulen zu diskutieren und ausreichend Schulraum bereit zu stellen.

Im Bereich der Energiepolitik werden wir uns weiterhin für nachhaltige und innovative Lösungen zur Substituierung von nicht-erneuerbaren Ressourcen einsetzen, die möglichst ohne Zwang und Verboten auskommen.

Fraktion FPD-glp

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