Am 28. November stimmen die Schweizer Stimmberechtigten unter anderem über die Pflegeinitiative ab. Die Wiler Nationalrätin Barbara Gysi (SP) engagiert sich für die Belange des Pflegepersonals. hallowil.ch hat ihr zur aktuellen Situation der Pflegenden sowie zur Abstimmung schriftliche Fragen vorgelegt.

Frau Gysi, geht es gemäss Ihren Erfahrungen dem Pflegepersonal, speziell auch während der Pandemie?
Die Pflegefachfrauen und -männer leiden stark unter dem grossen Druck. Es gab wegen des permanenten Spardrucks schon vor der Pandemie zu wenig Pflegepersonal. Sie müssen zu viele Patient:innen, resp. Bewohnende pflegen und betreuen. Der Beruf ist physisch und psychisch sehr anstrengend und viele Pflegefachfrauen und -männer verlassen wegen diesen Belastungen und den ungenügenden Arbeitsbedingungen frühzeitig den Beruf. Ein Teufelskreis, der dazu führt, dass die Ausbildungsbemühungen ins Leere zielen.

In der Pandemie haben sich die ganzen Probleme noch drastisch verschärft. Die Pflege von Covid-Patient:innen ist äusserst komplex, aufwändig und belastend. Die zusätzlichen Schutzmassnahmen benötigen zusätzliche Zeit, auch in anderen Bereichen, z.B. in den Pflegeheimen.

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Für die Wiler Nationalrätin Barbara Gysi schafft die Pflegeinitiative Verbesserung für die Pflegenden und für die Patienten. (Foto: zVg)

Was wird die Pflegeinitative aus Ihrer Sicht verbessern?
Die Pflegeinitiative bietet konkrete Lösungen gegen den Pflegenotstand. Dazu gehört die Förderung der Ausbildung. Zudem werden die Arbeitsbedingungen verbessert, damit die Ausgebildeten auch im Beruf bleiben. Das stellt sicher, dass wir auch in Zukunft gepflegt werden und nicht ganze Abteilungen aus Personalmangel geschlossen werden müssen.

Wenn es gelingt diese Bedingungen zu erfüllen, werden zukünftig genügend Personen ausgebildet. Institutionen, die ausbilden, werden von der öffentlichen Hand unterstützt und die Ausbildungslöhne werden verbessert, damit FaGe (Fachfrau/mann Gesundheit EFZ; Anmerkung der Redaktion) es sich auch leisten können, die Ausbildung zur diplomierten Pflegefachperson in Angriff zu nehmen. Bei ihnen ist der Mangel besonders gravierend.

Ein Ja zur Pflegeinitiative wird zudem dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden. Es braucht zwingende gesetzliche Vorgaben, dass genügend Personal mit den notwendigen Qualifikationen eingesetzt wird. Das sorgt dafür, dass die Pflegequalität erhalten werden kann, was uns allen zu Gute kommt.

Was bringt die Initiative dem Pflegepersonal?
Die dringend notwendigen Verbesserungen der Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Sie verlangt, dass mehr Personal auf allen Schichten vorhanden ist und die Belastung und der Stress abnehmen. Zudem müssen sie nicht mehr nach jeder Schicht mit dem Gefühl nach Hause gehen, niemandem gerecht geworden zu sein.

Ein JA ist aber auch echte Wertschätzung gegenüber diesem so wichtigen Beruf und wertet ihn faktisch auf.

Was bringt die Initiative den Patienten?
Die Pflegeinitiative nützt uns allen. Für die Patient:innen ist es zentral, dass genügend und kompetentes Personal im Einsatz ist. Nur so kann die Pflegequalität sichergestellt und den Patien:innen auch genügend Zeit gewidmet werden. Das ist leider im Moment alles andere als gesichert. Damit steigt auch das Risiko, dass Fehler passieren.

Was bringt sie dem Gesundheitswesen insgesamt?
Verschiedene Studien beweisen, dass eine qualitativ hochstehende Pflege hilft, Kosten einzusparen. Die Investition in diplomiertes Pflegefachpersonal lohnt sich. Denn zu wenig und nicht ausreichend qualifiziertes Personal führt zu vermeidbaren Spitaleintritten, Komplikationen und damit hohen unnötigen Kosten. Ganz abgesehen von vermeidbarem Leiden der Menschen.

Die Pflegeinitiative ist ein Gesamtpaket an Lösungen gegen den Pflegepersonalnotstand. Wir alle und das Gesundheitswesen als Ganzes sind auf die Pflegefachpersonen angewiesen. Das ist schon jetzt so und wird auch in Zukunft so sein.

Barbara Gysi, Nationalrätin SP

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