Die Taliban haben in Afghanistan die Herrschaft übernommen. Für die Menschenrechtslage im Land lässt diese Entwicklung nichts Gutes erahnen. Dies drängt die Wiler Stadtparlamentarierin Brigitte Gübeli (die Mitte) dazu, sich in der Schweiz für die Beachtung der Menschenrechte einzusetzen. Dazu zählt für sie die Möglichkeit für die Ehe für alle.

Post inside
Die Missachtung der Menschenrechte in Afghanistan bringt das Wiler Parlamentsmitglied  Brigitte Gübeli dazu, sich für die Ehe für alle auszusprechen.  

Brigitte Gübeli sagt: Vor ein paar Tagen habe ich einen erschütternden Beitrag in der Rundschau des Schweizer Fernsehens gesehen. Es ging um die Herrschaft der Taliban. Frauen werden öffentlich ausgepeitscht – wenn sie verheiratet sind, gar gesteinigt – weil sie mit einem Mann telefonieren bzw. sprechen. Sie werden systematisch von der Gesellschaft ausgeschlossen und versinken hinter ihren «Gefängnissen aus Tuch» in der Einsamkeit. Die Bilder sind schockierend, die Tränen schiessen mir in die Augen und ich bin sprachlos über die Tatsache, dass die Würde von Menschen derart mit Füssen getreten wird. Im wahrsten Sinn des Wortes. Schrecklich. Unwirklich. Inakzeptabel.

Was tun? Die Ohnmacht macht mich noch trauriger und fassungsloser. Was kann ich für diese Frauen tun ausser …vielleicht beten …? Ich fühle mich verbunden und wünsche mir nichts sehnlicher als dass solche krassen Ungleichheiten endlich aufhören. Wieso ist die Weltgemeinschaft derart machtlos? Wo sind die politischen Mächte, die die Welt im Lot halten sollen? Ich bin enttäuscht, dass die Politik, die Diplomatie oder wer auch immer hier eingreifen könnte, derart hilflos ist.

Auch wenn mir völlig bewusst ist, wie weit jene und meine Lebensrealitäten auseinander liegen, frage ich mich, was ich als Mensch und Lokalpolitikerin bewirken kann? Rasche Antwort: Rein gar nichts. Das ist die bittere Tatsache. Und doch werde ich immer und immer wieder versuchen, mich für das Zusammenleben der Menschen einzusetzen. Das schwöre ich mir in solchen Momenten noch mehr. Ich engagiere mich für das Zusammenleben – wenn auch im lokalen Rahmen. Aber immerhin. Das tröstet mich. Ein wenig. Und ich sage Ja zu Menschlichkeit und Liebe. Auch am 26. September an der Urne. Wenn die Schweiz über die Ehe für alle abstimmt.

Brigitte Gübeli, Stadtparlamentarierin Die Mitte

«Politikforum»: Was soll das?

Mit dem Politikforum will hallowil.ch besonders bei Themen, die sich auf unsere Region auswirken, die Meinungsbildung fördern. In loser Folge werden sich vor allem politisch aktive Personen zu aktuellen Themen äussern. Das letzte Mal war Salome Zeintl mit Contra-Argumenten gegen die 99-Prozent-Initiative der Reihe.

Auch Leserinnen und Leser sind eingeladen, ihre Meinungen und Gegenmeinungen einzubringen, melden Sie sich bei uns, am besten per Mail an redaktion@hallowil.ch

Wir legen dabei grossen Wert auf eine sachliche Debatte, in der verschiedene Meinungen respektiert werden. Und wir glauben an das Motto: In der Kürze liegt die Würze. Kurze prägnante Texte werden eher gelesen.