Zum Jahreswechsel hat hallowil.ch verschiedene Parlamentsmitglieder und Fraktionen um einen politischen Rückblick und eine Vorausschau gebeten. Heute Grüne prowil:

Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten politischen Ereignisse oder Entscheide im ablaufenden Jahr in Wil? 
Die Gutheissung des Kredits für das Renovations- und Innovationsprojekt Hof zu Wil war sicherlich derjenige Entscheid, welcher die Stadt am sichtbarsten prägen wird. Weitere für die Stadtentwicklung bedeutsame Parlamentsbeschlüsse betrafen die Veloparkierungsanlage auf dem Landhausareal sowie den Stadtfonds, welcher als breit abgestützter Gegenvorschlag zur Initiative «30 Minuten Gratisparkieren» konzipiert wurde.

Erfreulich war aus unserer Sicht auch die Zustimmung des Parlaments zur unbefristeten Weiterführung des Quartiertreffs Lindenhof. Schliesslich scheint uns erwähnenswert, dass die GPK bei der Prüfung der Jahresrechnung 2020 finanzrechtliche Probleme bezüglich der Biogassubventionierung durch die TBW aufgedeckt hat, welche eine Neuauflage der «ökologischen Gasreform» nötig machen.

Seit diesem Jahr ist ein neuer Stadtrat im Amt, Ihre Jahresbilanz? 
Die Neubesetzung von vier Stadtratssitzen hat einen «Reset» der Beziehungen zwischen Stadtrat und Parlament ermöglicht. Das politische Klima hat sich spürbar verbessert, was nicht zuletzt dem offenen und unaufgeregten Kommunikationsstil von Hans Mäder zu verdanken ist.

Das Parlament hat Verständnis dafür aufgebracht, dass die neuen Stadtratsmitglieder einige Zeit brauchten, um sich einzuarbeiten. Die meisten der im Parlament behandelten Geschäfte wurden noch unter dem alten Stadtrat vorbereitet, daher ist es zu früh, den Leistungsausweis des neuen Stadtrates zu beurteilen.

Wo besteht aus Ihrer Sicht in Wil vorrangiger politischer Handlungsbedarf? 
Die Stadt Wil hat grossen Nachholbedarf bei den Investitionen. Sie muss sich in vielen Bereichen entwickeln, um ihre Attraktivität als Wohn-, Freizeit- und Arbeitsort zu erhöhen und ihrer Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen gerecht zu werden. Dafür muss zunächst einmal der städtische Haushalt wieder ins Lot gebracht werden.

Es ist Aufgabe aller konstruktiven politischen Kräfte, der Bevölkerung aufzuzeigen, dass die Steuersenkungen der vergangenen Jahre teilweise rückgängig gemacht werden müssen, damit der Investitionsbedarf finanziert werden kann.

Welche Themen stehen in Ihrer Fraktion weit oben in der Agenda? 
Konkrete Projekte, für die wir uns an vorderster Front einsetzen, sind der Stadtpark Obere Weierwise, die Sanierung des «Gare de Lion» sowie der Umbau der leerstehenden Liegenschaft «Turm» zum Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum.

Des Weiteren stehen für uns zur Zeit folgende Anliegen im Vordergrund: Umsetzung der städtischen Klima- und Energieziele; Schaffung nachhaltiger Quartiere, insbesondere mit zahlbarem Wohnraum für Familien; Schaffung eines durchgängigen, sicheren Velowegnetzes; Verkehrsberuhigung an den Hauptstrassen; Weiterentwicklung des ÖV-Angebotes mit Fokus auf Bedarfsgerechtigkeit und Kundenfreundlichkeit; Aufwertung von Grünflächen und Schaffung neuer Naturobjekte zur Gewährleistung eines erträglichen Stadtklimas und zum Erhalt der Biodiversität; Behebung des Schulraummangels und Weiterentwicklung der Tagesstrukturen in Richtung eines Tagesschul-Angebotes.

Fraktion Grüne prowil

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Wir legen dabei grossen Wert auf eine sachliche Debatte, in der verschiedene Meinungen respektiert werden. Und wir glauben an das Motto: In der Kürze liegt die Würze. Kurze prägnante Texte werden eher gelesen.