Der zehnte Passant ist gefühlt der erste, der nicht grüsst. «Ein Wiler für Wil» ist Andreas Breitenmosers Motto für den Stadtrats-Wahlkampf. Und tatsächlich hat man während den Vorbereitungen zum Videodreh vor dem ehemaligen Finnshop den Eindruck, dass ihn – zumindest hier oben in der in der Altstadt – alle kennen. Da ein Daumen hoch, dort ein «meine Stimme hast du»: Sie scheinen ihm wohlgesinnt im alten Kern von Wil. Doch die Kandidatur des parteilosen Breitenmoser wird auch von Unkenrufen begleitet. 

14 Jahre leitete er den «Finnshop» am Fuss der Altstadt, bis das Wiler Traditionsgeschäft im Juni seine Tore schliessen musste – zur rechten Zeit und ohne Schulden, das ist ihm wichtig, zu betonen. Sucht der «politische Rookie», als der sich Breitenmoser selbst bezeichnet, einfach eine neue Beschäftigung? So lautet die wenig wohlwollende Lesart seiner Kandidatur. Breitenmoser nimmt es locker. «Von aussen kann man das sicher so sehen», sagt er, fügt dann aber hinzu: «Es gäbe für mich weit einfachere Wege als eine Stadtrats-Kandidatur.» 

Trotz fehlender Unterstützung einer Partei ist er zuversichtlich für ersten Wahlgang am 27. September: «Als Parteiloser kann ich alle Themen unbelastet und sachlich angehen und muss keinem Parteibuch folgen.» Gefragt, welche Themen das seien und für welches Departement er sich besonders prädestiniert sieht, will sich Breitenmoser nicht auf Äste hinauslassen, er nennt die üblichen Verdächtigen: «Verkehr, Schulraumplanung, unbewirtschaftete Liegenschaften.» Aus seiner Zeit als internationaler Manager habe er gelernt, sich schnell in neuen Themen zurechtzufinden und in Teams «mit verschiedenen Mentalitäten» zu arbeiten.

 
(Video: Mykhailo Zinchenko)

Dem Herzen nach Hong Kong gefolgt 

Der «Finnshop» stand geradezu sinnbildlich für das Wiler Gewerbe. Dieses zu fördern, ist denn auch ein Thema, das dem studierten Betriebsökonomen besonders am Herzen liegt. Bevor er vor 14 Jahren nach Wil zurückkehrte, gab es aber eine Zeit lang auch Andreas Breitenmoser, den internationalen Manager. Nach einer Lehre bei der Bettwiesener Hugo Leutenegger AG arbeitete er beim Migros Genossenschaftsbund in Zürich im internationalen Einkauf. Als er sich in seine heutige Frau Carly verliebte, kündigte er den guten Job und zog zu ihr nach Hong Kong, wo er später als Divison Manager für Coop tätig war. «Ein reiner Bauch- und Herzensentscheid», sagt Breitenmoser heute. Solche fälle er immer mal wieder, auch wenn er sich in seinem Wahlkampf als unternehmerisch denkender Pragmatiker präsentiert.

Szenenwechsel. In Breitenmosers Auto geht es das Nieselberg-Quartier hoch. Ziel ist der Aussichtspunkt Känzeli, sein «Kraftort», wie er sagt und der letzte Drehort, den Breitenmoser für das Video-Porträt ausgesucht hat. Bescheidene und weniger bescheidene Einfamilienhäuser ziehen vorbei, dazwischen tauchen immer wieder Wohnblocks auf. Breitenmoser kennt sich aus, zeigt aus dem Fenster, winkt einer Passantin zu. «Ich mag dieses Quartier mit seiner Durchmischung, es bildet die Schweiz gut ab.»

_______________________________________________________________________________

Folgende Porträts sind bereits publiziert worden:

Stadtpräsidium:

Hans Mäder (CVP):

 

Daniel Meili (FDP):

 

Dario Sulzer (SP):

 

Stadtrat:

Ursula Egli (SVP):

 

Beat Gisler (CVP):

 

Jutta Röösli (parteilos):

 

Jigme Shitsetsang (FDP):