72 der 316 Mitglieder des Vereins Textilmuseum Sorntal Niederbüren fanden sich zur Generalversammlung im Gemeindesaal in Niederbüren ein. Präsident Richard Holenstein rapportierte über die beiden Jahre 2018 und 2019. In seinem Bericht reihte er ein erfreuliches Ereignis ans andere. Nach Rückschlägen – die Bürger lehnten den Kauf des Museums ab – habe man die Zukunftssicherung des kulturellen Erbes mit Entschlossenheit und vereinten Kräften an die Hand genommen. Dabei habe man auf die tatkräftige finanzielle Unterstützung von vielen Gönnern und Spendern zählen dürfen.

Der Verein ist schuldenfrei

Am 2. September 2019 ist das Museum zum Kaufpreis von 430'000 Franken ins Eigentum des Vereins übergegangen. Und nicht nur das: Das Objekt konnte auf einen Franken abgeschrieben werden. Der Verein ist schuldenfrei. Die Exponate haben Museumsgründer Gottlieb Lutz und die frühere Eigentümerfamilie Georgii dem Verein geschenkt. Zur guten finanziellen Lage des Vereins hat auch Margrith Flammer aus Zuzwil beigetragen. Ihre Vorfahren hatten in Niederbüren eine Schifflistickerei betrieben. Aus Anlass ihres 100. Geburtstages hat sie dem Verein für jeden Tag ihres langen Lebens, die Schalttage inklusive, einen Franken zukommen lassen. Auch ein respektabler – immerhin 88'000 Franken – stammt vom kantonalen Amt für Kultur.


Drei verdienstvolle Ehrenmitglieder

Mit einer Statutenänderung hatte es die Versammlung möglich gemacht. Um das Museum verdiente Persönlichkeiten soll die Ehrenmitgliedschaft verliehen werden können. Im nächsten Traktandum wurde davon Gebrauch gemacht. Allen voran wurde diese Ehre Gottlob Lutz zuteil. Er hat das Textilmuseum vor einem Vierteljahrhundert gegründet und stetig ausgebaut. Noch heute steht er dem Museum als Kurator vor und betätigt sich als Museumsführer. Auch zwei Personen, welche ihn langjährig und tatkräftig unterstützt haben, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt: seine Frau Bärbel und in Abwesenheit Franz Kettel.


Niklaus Hollenstein neu im Vorstand

Im Vorstand galt es den zurücktretenden Alfred Torgler zu ersetzen. Neu gewählt wurde Niklaus Hollenstein, der ehemalige Niederbürer Gemeindepräsident. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden im Amt bestätigt: Richard Holenstein (Präsident), Daniela Bieri, Gottlob Lutz, Werner Koller, Michael Huber und Felix Düring.

Im Textilmuseum Sorntal sind praktisch alle Ausprägungen textilen Schaffens der Vergangenheit dokumentiert, auch was mit dem Beruf des Posamenters zusammenhängt. Zur Präsentation des beinahe ausgestorbenen Textilberufs war Anschauungsmaterial vom Museum in den Gemeindesaal gebracht worden. Ausserdem ist die Herstellung kunstvoller Besatzartikel in einem Film gezeigt worden. Der Film führte allerdings in die Vergangenheit zurück. In der Schweiz hat letztmals ein Posamenter 1968 seine Lehre abgeschlossen. 


Eine Art Webstuhl und viel Handarbeit

Die Posamenter verwendeten Seide, Wolle, Baumwolle Leinengarn und Zwirn. Teilweise arbeiteten sie in die Besatzartikel (Borten, Troddeln, Tressen, Bänder, Litzen und Fransen) auch Gold- oder Silberdraht ein. Man nannte sie auch Bortenmacher, Bortenwirker, Bandmacher, Bandweber oder Schnürmacher. Zur Herstellung der Besatzartikel brauchten sie den Posamentierstuhl, ähnlich einem Trittwebstuhl. Trotz des Widerstandes durch die Posamenter setzte sich später die Bandmühle durch, eine Vorläuferin der Spinn- und Webmaschine.

Der Begriff Posament kommt aus dem französischen passement. Er ist eine Sammelbezeichnung für schmückende Geflechte, wie Zierbänder, gewebte Borten, Kordeln, Quasten, Spitzen aller Art und Ähnliches. Posamente wurden zum Ausschmücken von Kleidungsstücken, Polstermöbeln, Lampenschirmen, Vorhängen und anderen Heimtextilien verwendet.