Es war ein regelrechter Paukenschlag zum Schluss des Wahlpodiums, als der Stimmbürger Hans Graf einen vierten Kandidaten für das zu besetzende Gemeindepräsidium von Niederbüren ins Spiel brachte. Und zwar nicht irgendwen, sondern den amtierenden Vize-Gemeindepräsidenten Pascal Frommenwiler. Der SVP-Ortsparteipräsident ist 45-jährig, dreifacher Familienvater, arbeitet seit 20 Jahren bei der Kantonspolizei – und ist Mitglied der Findungskommission für einen neuen Gemeindepräsidenten. «Wenn Niederbüren mich wirklich will, dann stehe ich zur Verfügung», sagte Frommenwiler als Reaktion auf Grafs Vorschlag. Er habe sich eine Kandidatur schon im vergangenen Herbst überlegt und die Unterlegen bereits vorbereitet gehabt. Da die Idee innerfamiliär auf wenig Gegenliebe gestossen ist, schickte er das Dossier nicht ab – und trat in die Findungskommission ein.

Nun also die Kehrtwende. Im ersten Wahlgang, der am 19. Mai stattfindet, ist Frommenwiler kein offizieller Kandidat, da die Meldefrist für Kandidaturen längst verstrichen ist. Wählbar ist er trotzdem. Ob der seit 17 Jahren im Dorf wohnhafte Familienvater im zweiten Wahlgang, der so gut wie sicher ist, antritt, machte er vom Ergebnis im ersten Umgang abhängig.

 
"Die Niederbürer Bevölkerung ist nicht ganz zufrieden mit den Kandidaten", sagt Pascal Frommenwiler im hallowil.ch-Interview. Wir nun er Gemeindepräsident?

Caluori erhebt Vorwürfe aus der Ferne

Dieses Vorgehen ist als direkter Angriff auf die drei offiziellen Kandidaten zu sehen. Manch einer im Dorf scheint alle drei für nicht wählbar zu halten. Da wäre zum Beispiel Jörg Caluori, der zwar bereits das Pensionsalter erreicht hat, es aber nochmals wissen will. Der ehemalige Chef der Buchhandlung Rösslitor in St. Gallen wohnt seit März in der Gemeinde und war beim zweiten Wahlpodium nicht zugegen. Er ging davon aus, nicht dafür eingeladen zu werden, da sich die Findungskommission gegen ihn ausgesprochen hatte. Als dann doch noch eine Einladung kam, hatte Caluori bereits ein Geburtstagsfest für seine Frau organisiert, die just am Dienstag einen runden Geburtstag feierte.

Post inside
Peter Forster hatte die Stellungnahme von Jörg Caluori verlesen.

Caluori liess durch Peter Forster eine Stellungnahme verlesen, in welche er der Findungskommission und deren Präsident Bruno Eschmann Unprofessionalität vorwarf. Ihn stört, dass sich die Findungskommission gegen ihn ausgesprochen hat, ohne je ein Wort mit ihm gesprochen zu haben. Zudem hätte er gerne gewusst, wieso – abgesehen seines Alters – er nicht wählbar ist. Eschmann entgegnete, die Daten für die Podien seien jederzeit klar gewesen. Bei den Gründen der Nicht-Unterstützung verwies Jean-Claude Kleiner von der Findungskommission auf den Persönlichkeitsschutz. An seiner Kandidatur hält Caluori fest und verschickte diese Woche einen Flyer in alle Haushalte, in welchem er auf seine Vorzüge aufmerksam macht.

In Kolumbien überfallen

Aber auch für die beiden von der Findungskommission aufgestellten Kandidaten – Caroline Bartholet-Schwarzmann aus Oberuzwil und Christoph Koenig aus Aarau – sind die Entwicklungen dieses Dienstagabends ein Schlag ins Gesicht. Bevor das Interesse von Pascal Frommenwiler bekannt geworden war, hatten die beiden Fragen von Kleiner und den Stimmbürgern beantwortet. Dabei wurde vor allem bei Koenig sein Lebenslauf ganz genau unter die Lupe genommen. Aus diesem geht hervor, dass er beruflich zuletzt jeweils nur kurze Engagements hatte. So zum Beispiel an einer Schule in Kolumbien, die er unter dem Jahr verlassen hat. «Ich wurde mit Waffengewalt überfallen. Mit meinem Vorgesetzten war es zudem eine äusserst anspruchsvolle Situation», sagte Koenig. Bis Ende März dieses Jahres war er Gemeindeschreiber im aargauischen Staffelbach. Dort ist er jedoch entlassen worden, wie er gegenüber hallowil.ch erläuterte. Nicht fristlos, sondern mittels der ordentlichen einmonatigen Kündigungsfrist. Die Gründe kenne er nicht, sagte Koenig. Die berufliche Zukunft sei im Falle einer Nicht-Wahl in Niederbüren offen.

Schwierige Begegnungen

Und die frisch gebackene FDP-Kantonsrätin Caroline Bartholet? Sie sprach noch vor dem Auftauchen von Pascal Frommenwiler von «schwierigen Momenten» und «schwierigen Begegnungen», die sie in den vergangenen Wochen in Niederbüren erlebt habe. Aus persönlichen Gründen habe sie einen Wahlkampf auf Sparflamme geführt. Sie wurde am Podium unter anderem auf die Wohnsitz-Situation angesprochen, da sie in Oberuzwil ein Haus besitzt. Dabei gab sie an, im Falle einer Wahl den Lebensmittelpunkt nach Niederbüren zu verlegen. Allerdings wird das Haus in Oberuzwil nicht vor Spätherbst des kommenden Jahres verkauft. Hintergrund: Im Herbst 2020 finden Gesamterneuerungswahlen der Gemeindebehörden statt. So ist also nicht auszuschliessen, dass Bartholet dieses Jahr gewählt und nächstes Jahr wieder abgewählt wird.

Lesen Sie hier den Kommentar von hallowil.ch-Chefredaktor Simon Dudle.