Bunte, artenreiche Blumenwiesen. Früher selbstverständlich. Uzwil hat sich auf die Fahne geschrieben, in den nächsten Jahren die Grünräume in der Siedlung besser erlebbar zu machen. Und sie ökologisch aufzuwerten. Eine Testfläche macht Mut.Zwischen den Siedlungsräumen von Uzwil und Niederuzwil verläuft ein grossflächiger Grüngürtel. Darin eingebettet sind viele öffentliche Anlagen wie Schulen, Kirchen und Friedhöfe, Sport- und Freizeitanlagen und die Sonnmatt. Der Grüngürtel ist eine der Uzwiler Besonderheiten. Heute wird er bestenfalls als noch nicht überbaute Fläche wahrgenommen.

Vor Jahren wurde in der Richtplanung festgelegt, dass diese Grünflächen erhalten bleiben. Das ist inzwischen beispielsweise in der Schutzverordnung so verankert. Der Gemeinderat will einen Schritt weiter gehen und hat in seinen Zielen für die nächsten Jahre aufgenommen, den Grüngürtel erlebbar zu machen und aufzuwerten. Weil diese grüne Lunge mitten in der Siedlung grosses Potential verspricht. Kaum eine andere Gemeinde hat vergleichbare Grünflächen in der Siedlung.

Von kleinen zu grossen Flächen
Seit Jahren setzt die Gemeinde auf verschiedenen Kleinflächen – etwa an Strassenrändern – auf artenreiche Blumenwiesen. Wiesenblumen statt «nur» grün. Nun ist entlang des Fussweges vom Gemeindesaal an die Schöntalstrasse eine grosse Fläche dazu gekommen. Die Gemeinde hat zusammen mit ihrem Pächter eine Blumenwiese angelegt. Die Natur brauchte Zeit. Letztes Jahr war davon noch nicht viel zu sehen. Jetzt erfreuen Wiesenblumen das Auge. Und die Insekten. Fazit: Ein erfolgreicher Testlauf. Er macht Mut für mehr…

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Neue Amphibienteiche im Gill
In den vergangenen Wochen sind zwischen Gill und Felsegg drei neue Teiche entstanden. Sie sind speziell für die Förderung und Wiederansiedlung sehr seltener Amphibien angelegt.

Mit der Thurkorrektion vor bald 100 Jahren konnten grosse Flächen Land für die Landwirtschaft und den Siedlungsbau gewonnen werden. Auf der anderen Seite sind weitläufige artenreiche Lebensräume verloren gegangen. Stellvertretend für den Verlust der Artenvielfalt stehen Amphibien. Ihr Schutz ist gesetzlicher Auftrag und die Kenntnisse über ihre Vorkommen sind gut dokumentiert.

Kreuzkröten
Kreuzkröten gehören zu den seltensten Amphibien der Schweiz. Bis etwa 1940 sind Kreuzkröten entlang der Thur unterhalb von Schwarzenbach an zahlreichen Stellen vorgekommen. An der Thur haben Kreuzkröten letztmals 1970 gerufen. Heute existieren in der Region nur noch zwei Vorkommen in Kiesgruben. Kreuzkröten vermehren sich in flachen Auentümpeln, die bei Hochwasser entstehen und rasch wieder austrocknen oder verlanden. Daneben brauchen die Tiere, die wie Mäuse rennen können, offenen Boden mit zahlreichen Verstecken.

An der St. Galler Thur gibt es nur noch im Gill Kiesflächen, die sich für Kreuzkröten eignen. Um der Art noch eine letzte Chance zum Überleben zu bieten, wurde im Gill ein spezielles Laichgewässer angelegt, welches die Kreuzkröten besiedeln können. Es handelt sich um einen ablassbaren flachen Teich aus Beton. Dieser bietet ähnliche Bedingungen wie die ursprünglichen Auentümpel entlang der Thur. Ob die Wiederansiedlung erfolgreich ist, wird sich in acht bis zehn Jahren zeigen.

Frösche, Molche, Unken
Daneben wurden weitere künstlich abgedichtete Teiche angelegt. Einer davon befindet sich unter der Gillbrücke. In den Teichen können sich Laubfrösche, Kammmolche und Gelbbauchunken – ebenfalls stark gefährdete Amphibienarten – vermehren. Sie kommen noch im nahe gelegenen Naturschutzgebiet Gill vor. Das Gebiet hat wegen seiner grossen Bedeutung als Rückzugsort für seltene Amphibien nationale Bedeutung.

Nutzung?
In den Amphibienteichen dürfen keine Fische eingesetzt werden und es darf sich keine dichte Vegetation entwickeln. Die Kontrolle und Pflege erfolgt nach speziellen Auflagen. Die Kiesflächen an der Thur können weiterhin uneingeschränkt genutzt werden. Um die Tiere zu schonen, sollten Schwemmgut und Steine nicht unnötig aufgedeckt werden.

Gemeinsam
Die Teiche wurden angelegt im Rahmen des regionalen Amphibienförderprogramms Thur-Glatt. Das Projekt steht unter der Leitung von Pro Natura St. Gallen-Appenzell. Finanziert wurden die Massnahmen von Bund, Kanton und Gemeinden sowie dem Fonds Landschaft Schweiz, Pro Natura und mehreren Stiftungen. | Jonas Barandun

Wohnzimmer für Reptilien
Entlang der Uze entstand mit dem Gruebenweg eine neue Fusswegverbindung, weg vom intensiven Verkehr auf der Gruebenstrasse. Christoph Paly, Bereichsleiter Bau der Gemeinde Uzwil: «Wir haben uns erlaubt, gleichzeitig im Bereich des Gruebenweges einen Rückzugort für Reptilien zu erstellen. Damit sind die Arbeiten am Gruebenweg abgeschlossen.»

WEITERE THEMEN
MINT-Tag: N wie Natur

Nachdem der MINT-Tag (Mathematik Informatik Natur Technik) der Oberstufe Uzwil letztes Jahr mit dem SmartHomeMobile der Haustechnik der Zukunft gewidmet war, stand dieses Jahr ein Thema zu N wie Natur auf dem Programm.

Dany Zbinden betreibt am St. Lorenz-Strom eine Walforschungsstation (http://meriscope.com/). Er begleitete von Januar bis März 2018 mehrere Antarktis-Expeditionen. Vor seiner Rückkehr in die neue Wal-Saison in Kanada besuchte er die Oberstufe Uzwil.

Reiches Leben
Der Saal im Kirchgemeindehaus war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, als er den sehr disziplinierten Schülerinnen und Schülern vom erstaunlich reichen Leben und dem heutigen Zustand der Antarktis in Wort und Bild berichtete. Der Kontinent am Südpol ist immer noch von einer bis zu 5‘000 Meter dicken Eisschicht bedeckt und hat die 1.25-fache Fläche Europas. Auch der Alltag an Bord des Eisbrechers kam zur Sprache.

Bedrohter Lebensraum
Ergänzt wurde der lebendige Bericht aus dieser faszinierenden Welt am Südpol durch aufrüttelnde Forschungsergebnisse über negative menschliche Einflüsse, die sogar auf antarktische Lebensräume und Lebewesen Auswirkungen haben. Präsentiert wurde der zweite Teil durch die ETH-Umwelt-Naturwissenschaftlerin Gessica Gambaro. | Markus Eugster

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10-Dörfer-Weg einweihen
Im Rahmen von oberUZWIL bewegt wird am 26. Mai der 10-Dörfer-Weg eingeweiht. Sind Sie auch dabei?

Nach monatelanger Vorbereitung ist es soweit: Der 10-Dörfer-Weg rund um die Gemeinden Uzwil und Oberuzwil kann eröffnet und eingeweiht werden. Dazu lädt die Projektgruppe die Bevölkerung von Uzwil und Oberuzwil ein, ein Teilstück des Weges im Rahmen des Gemeindeduelles «oberUZWIL bewegt» zu begehen. Treffpunkt: 26. Mai, 10 Uhr beim Bahnhof Uzwil, neben der Infotafel 10-Dörfer-Weg. Je nach Witterung nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein kürzeres oder längeres Teilstück in Angriff. Maximale Dauer des Spaziergangs ist zwei Stunden.

Auch für Verpflegung ist gesorgt. Am Ziel des gemeinsamen Weges, im Vordergartenmoos bei der Forsthütte, können sich alle günstig mit Wurst, Brot und Getränken stärken. Die Uzegriller erwarten dort die Teilnehmenden mit ihrem Grill.

Der Weg ist Kinderwagentauglich. Mit dem Wetter angepasster Kleidung und passenden Schuhen kann nichts schief gehen. Und: Wer mitgeht, sammelt Bewegungsminuten fürs Gemeindeduell. | Renate Graf, Projektgruppe 10-Dörfer-Weg

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Vorgestellt
Die Jugi sucht dringend neue Leiter fürs Freitagstraining (Knaben)! Die Jugi, Kitu und Muki STV Uzwil bieten den Kindern von 4 bis 12 Jahren ein polysportives Programm. Egal, ob gespielt, Leichtathletik oder Geräteturnen betrieben wird, kommt der Spass nicht zu kurz. Am Jugitag können sich die Kinder unserer Riegen in verschiedenen Disziplinen miteinander messen. Eine Jugireise gehört jedes Jahr ins Programm. Im Muki-Turnen erleben die Kinder mit ihren Mamis viel Bewegung, Spiel und Spass. Haben wir dein Interesse geweckt? Schau doch einfach mal im Training vorbei oder melde dich bei unseren Kontaktpersonen. Weitere Auskünfte erhalten Sie auf der Homepage www.stvuzwil.ch oder direkt bei Susanne Traxler, 071 951 51 62.

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Uzwil für Wil
Da kommt Bundesrätin Doris Leuthard anfangs Mai nach St. Gallen und verspricht, was alle hören wollen: Der Bahnhof St. Gallen soll zu einem Vollknoten ausgebaut werden. Ein berechtigtes Anliegen, das bereits mit der Bahn 2000 hätte umgesetzt sein sollen. Rund 300 Millionen Franken sind dafür nötig. Die Strecke St. Gallen-Zürich muss ausgebaut werden, damit die Züge schneller und in kürzeren Abständen hintereinander fahren können. Auch der Bahnhof St. Gallen muss ausgebaut werden.

Der Vollknoten St. Gallen hat viele Vorteile, so kann der Taktfahrplan besser gewährleistet und auch ins Rheintal weiterentwickelt werden. Es gibt aber auch ein wichtiges Risiko: Wenn die Züge um jeden Preis beschleunigt werden wollen, müssen Halte gestrichen werden. Das kennen wir vom Bahnhof Henau-Algetshausen.

2030 / 35
Aktuell plant das Bundesamt für Verkehr das ÖV-Angebot in den Jahren 2030 / 35. Eine heilige Kuh in diesem Angebot ist beispielsweise der Euro-City, der aufgrund von Staatsverträgen mit Deutschland dereinst in 3 Stunden und 15 Minuten zwischen Zürich und München verkehren soll. Dieser Euro-City nützt dem regionalen und lokalen Verkehr logischerweise wenig. Und trotzdem kann er helfen: Wenn die vor Jahrzehnten abgemachten Fahrzeiten eingehalten werden wollen, muss auf der Strecke St. Gallen-Zürich etwas gehen. Es braucht beispielsweise den Brüttener-Tunnel, ein Milliardenprojekt, das schon seit 1980 in verschiedenen Varianten durchdekliniert und mehrfach aufgeschoben wurde. Ob das Parlament nun hält, was die Bundesrätin versprochen hat? Bis zum Jahr 2030 fließt noch viel Wasser die Thur hinab und trotzdem ist es in ÖV-Jahren eine sehr kurze Zeit.

Halt in Wil
Jede Planung, die bisher bekannt ist, sieht vor, dass ab dem Dezember 2018 zwei Intercity-Züge in Uzwil halten werden. Das ist eine Verdoppelung des Fernverkehrs-Angebots, das Uzwil aufgrund des Finanzierungschlüssels des öffentlichen Verkehrs noch einiges kosten wird. Ein solches Angebot ist für eine Gemeinde mit dem Einzugsgebiet des Bahnhofs Uzwil dennoch langfristig angemessen, vor allem in Kombination mit der S-Bahn. S-Bahn und Intercity fahren so versetzt, dass es in Uzwil einen Viertelstunden-Takt gibt. Aus regionaler Sicht ist jedoch wichtig, dass alle (!) Fernverkehrs-Züge nicht nur in St. Gallen, sondern auch in Wil halten. Diese Forderung wäre für Uzwil überzogen. Wil hat etwa drei Mal mehr Fahrgäste als Uzwil. Für Wil sind die Fernverkehrs-Halte elementar und brauchen die Unterstützung der kantonalen Politik. Denn in Wil werden auch wichtige Bahn-Anschlüsse ins Toggenburg und ins Thurgau hergestellt.

Unterstützen und fordern
Die St. Galler Kantonsräte aus dem Raum Wil haben Ende 2017 darauf verzichtet, im Parlament Druck auszuüben, dass alle Fernverkehrs-Züge auch in Wil halten müssen. Dies aufgrund der Einschätzung, dass St. Gallen gegenüber Bern eine geschlossene Haltung zeigen muss – offenbar hat das bei der Bundesrätin gewirkt. Innerhalb des Kantons ist die Region Wil ÖV-technisch nach der Hauptstadt die zweitwichtigste Region mit dem grössten Entwicklungspotenzial. Die Region Wil, die hiesigen Kantonsräte und der Uzwiler Gemeinderat erinnern die Regierung regelmässig daran.

Die jüngsten Vorzeichen deuten darauf hin, dass das Bundesamt für Verkehr die Signale aufgenommen hat und die Haltepolitik im Sinn der Region Wil und der Gemeinde Uzwil angeht. Der Gemeinderat Uzwil hat dieses Thema hoch priorisiert und engagiert sich deshalb auch regional. Ein gutes ÖV-Angebot ist die beste Entlastungsmassnahme im Strassenverkehr. Der Gemeinderat sorgt deshalb auch dafür, dass der Bahnhof Henau-Algetshausen in den Köpfen bleibt. | Lucas Keel Ausstellung