Die Situation auf dem Bahnhofplatz ist ein Dauerbrenner. Auch wenn diesen Sommer der Avec-Shop frühmorgens überfallen worden ist, so stellt nicht einmal die Sicherheit per se das Hauptproblem dar. Denn Vorfälle sind selten. Und trotzdem fühlen sich viele Menschen unsicher. Dies vor allem in Sommernächten, da dann reger Betrieb herrscht. Randgruppierungen treffen sich und trinken Alkohol. Das subjektive Sicherheitsempfinden anderer Personen, die den Bahnhofplatz benutzen, ist tief.

Ein besonders beliebter Treffpunkt für diesen Szenentreff waren bis vor Kurzem zwei Sitzbänke östlich des Avec. Diesem Treiben hat die SBB nun einen Riegel geschoben, indem sie vergangenen Woche kurzerhand die Bänke entfernen liess. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Wil wenn …» wurde bereits gemutmasst, ob auf diese Art gesellschaftliche Probleme gelöst werden sollen. SBB-Sprecher Daniele Pallecchi sagt: «Die SBB kann gesellschaftliche Probleme nicht lösen, muss aber Rückmeldungen ihrer Kunden ernst nehmen.»

Gleichwertiger Ersatz geschaffen
Die SBB gibt auf Anfrage von Hallowil noch einen zweiten Grund an, warum sich vor den Plakatwänden nun keine Sitzgelegenheiten mehr befinden. «Die Platzverhältnisse bei der Unterführung am Wiler Bahnhof wurden von unseren Kunden oft bemängelt. Durch das Verschieben der Bänke hat die SBB mehr Platz geschaffen», sagt Pallecchi. Womit auch geklärt ist, dass die Bänke nicht ersatzlos gestrichen wurden, sondern gleichwertig ersetzt sind.

«Problem-Bänkli» hin oder her: Das Sicherheitsempfinden am Bahnhof Wil bleibt ein Thema. Um die Situation zu verbessern, trifft sich ein so genannter «Sicherheitszirkel Bahnhof» regelmässig und überprüft, ob Massnahmen getroffen werden müssen. Diesen Zirkel gehören Vertreter der SBB und der Departemente der Stadt Wil an. Die Leitung obliegt Marc Schwendener, Wiler Sicherheitschef. Er sagt: «Momentan wird die Situation generell als ruhig eingeschätzt. Das subjektive Sicherheitsempfinden ist schwer zu messen. Zur Verbesserung der Situation tragen unter anderem die installierte Videoüberwachung und die Präsenz von Polizei sowie Sicherheitsdienst bei. Langfristig werden auch die Neugestaltung des Bahnhofplatzes und die Bahnhofpatenschaft das subjektive Sicherheitsempfinden erhöhen.»

Neuer Platz für den Szenetreff gesucht
Apropos Bahnhofpaten: Bei ihnen handelt es sich um Personen, die sich freiwillig in den Dienst der Sache stellen, Ansprechpartner sind und auch Reisenden für diverse Hilfeleistungen zur Verfügung stehen. Ende des vergangenen Jahres hat der Wiler Stadtrat verlauten lassen, dass er solchen Bahnhofpaten positiv gegenübersteht. «Aktuell ist man noch in der Projektphase. Ziel wäre es, dass die Bahnhofpaten etwa Mitte 2019 den Betrieb aufnehmen», sagt Schwendener.

Auch die SBB ist aktiv geworden und hat Wil als einen von drei Schweizer Bahnhöfen für eine Pilotstudie ausgesucht. Dabei wurde eine kriminalpräventive Beurteilung vorgenommen. Es resultierten konkrete Zielsetzungen. Demnach soll mehr Platz geschaffen und ein alternativer Platz für die Szenentreffen gefunden werden.