Rund 7500 psychisch belastete Menschen wurden im Jahr 2020 bei der Psychiatrie St.Gallen Nord (PSGN) in Wil, St.Gallen, Rorschach und Wattwil ambulant, tagesklinisch, stationär oder mobil (zuhause) behandelt. Die Nachfrage nach psychiatrischen Behandlungen ist unverändert hoch beziehungsweise leicht gestiegen. «Dank des grossen Einsatzes unserer Mitarbeitenden erfüllten wir erneut unseren Auftrag, die psychische Gesundheit der Patienten und Bewohnerinnen, und damit deren Lebensqualität, zu verbessern», hält CEO Niklaus Baumgartner fest.

Krisenmanagement Coronavirus effizient und erfolgreich

Die Leistungen der PSGN konnten während der gesamten Pandemie fast vollumfänglich angeboten werden. Einzig die tagesklinischen Behandlungen mussten während des ersten Lockdowns geschlossen werden. Zudem durften die ambulanten Behandlungen in dieser Zeit nicht mehr vor Ort stattfinden, sondern wurden telefonisch oder virtuell (Telemedizin) fortgeführt. Trotz vereinzelter Ansteckungen von Mitarbeitenden, Patientinnen und Bewohnern konnte eine weitere Ausbreitung des Coronavirus innerhalb des Unternehmens verhindert werden. Dies vor allem aufgrund des umsichtigen und schnellen Handelns des Krisenstabs und der Mitarbeitenden.

Mehr ambulante Angebote, hohe Bettenbelegung

Die stationäre Bettenbelegung war im Jahr 2020 mit 97,8 Prozent auf einem sehr hohen Wert, die durchschnittliche stationäre Aufenthaltsdauer ist von 37,6 auf erfreuliche 36,3 Tage gesunken. In den Tageskliniken beliefen sich die Behandlungstage aufgrund der Schliessung während des ersten Lockdowns unter dem Wert des Vorjahrs. Die Bewohnertage im Spezialwohnheim Eggfeld stiegen im Vergleich zum Vorjahr und führten zu einer maximalen Bettenbelegung. Die ambulanten Angebote erfuhren einen Anstieg. CEO Baumgartner erklärt: «Dem Trend ambulant-vor-stationär wurden wir im Jahr 2020 erneut gerecht. Wir konnten unsere ambulanten Leistungen deutlich steigern, was zum einen auf die gut etablierten Spezialangebote zurückzuführen ist und zum anderen auf die coronabedingt zunehmend grösseren psychischen Belastungen der Bevölkerung.»

Sehr erfreuliches Finanzergebnis

Mit einem ausserordentlichen Ergebnis schloss die PSGN das Jahr 2020 ab. Dies aus verschiedenen Gründen: Eine finanzielle Entlastung ergab sich durch die Übergabe der Gärtnerei und des Ladens an die Stiftung Heimstätten Wil per 1. Januar 2020. Zum gleichen Zeitpunkt erteilte das Amt für Soziales dem Spezialwohnheim Eggfeld die provisorische Betriebsbewilligung als Einrichtung für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung. Damit verbunden sind höhere Entschädigungen. Weiter konnten längere Belastungserprobungen – aufgrund von COVID-19 – nur sehr zurückhaltend gewährt werden. Daraus resultierten zwar Zusatzbelastungen für das Personal, jedoch konnten auch wesentliche Mehrerträge generiert werden.

Zusammenarbeit beider St.Galler Psychiatrien

Verwaltungsratspräsident Fritz Forrer streicht auch dieses Jahr die Kooperation der beiden Psychiatrieverbunde heraus. Die Idee hinter der aufeinander abgestimmten Angebotsstrategie ist, dass einerseits einheitliche Behandlungsstandards dafür sorgen, dass die Patienten an allen neun Standorten im Kanton nach den gleichen Kriterien versorgt werden und andererseits das Knowhow der Mitarbeitenden in beiden Unternehmen kantonsweit genutzt wird. «Das Zusammenrücken der beiden Psychiatrien im Kanton St.Gallen war in der Krise spürbar und hat die Psychiatrieverbunde gestärkt», meint Forrer.

Fortschrittliche Psychiatrie

Bedeutungsvoll und zukunftsweisend waren im Jahr 2020 zudem die erfolgreichen Tarifverhandlungen, die neuen Angebote «Sport- und Bewegungstherapie» in Wil, die komplementärmedizinische Sprechstunde sowie die beiden psychotherapeutischen Gruppenangebote «Depression» und «Angstbewältigung» in St.Gallen, die Betriebsbewilligung des Spezialwohnheims Eggfeld als Einrichtung für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung und das neue Geschäftsleitungsmitglied, Esther Linka, Leiterin «Pflege, Therapien und soziale Arbeit».

Erster Schritt: Darüber reden

Mit Tabus brechen und die Psychiatrie weiter entstigmatisieren – das hat sich die PSGN auf die Fahne geschrieben. Sie ist stets bestrebt, ganz bewusst den Dialog zu fördern. Fachpersonen der PSGN waren auch im Jahr 2020 gefragte Interviewpartner der unterschiedlichsten Medien. CEO Baumgartner ist überzeugt: «Gerade in Krisenzeiten ist es sehr wichtig, dass die Leute uns kennen und uns vertrauen. Menschen, die an psychischen Problemen leiden, dürfen sich an uns wenden – analog und digital. Denn der erste Schritt zur Besserung ist jener, darüber zu reden.»