Konflikte, Krankheiten, Katastrophen: Für Belastungen und Stress gibt es viele Ursachen. Und es gibt viele Möglichkeiten, damit umzugehen. Dafür greifen wir auf gesündere und weniger gesunde Bewältigungsstrategien zurück, das zeigt auch die Auswertung der hallowil.ch-Leserumfrage zum «»World Mental Health Day» vom letzten Sonntag. So versuchen die meisten, achtsamer und bewusster zu leben. 

Viele treiben mehr Sport, um das Wohlbefinden zu steigern. Gleichauf liegen jene, die auf einen intensiveren Kontakt zur Familie respektive zu Freunden setzen sowie jene, die auf den Substanzkonsum zurückgreifen. Erfreulicherweise finden sich im hallowil.ch-Land auch Menschen, die sich so gesund fühlen, dass sie keinen Handlungsbedarf ausmachen.

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Auswertung der Leserumfrage, insgesamt wurden 15 Stimmen abgegeben. (Screenshot: Redaktion)


Übungsbuch der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ein «illustriertes Übungsbuch» publiziert, das in fünf Kapiteln fünf Strategien zur Stressbewältigung vorstellt, zum Beispiel «loslösen»: Machen Sie sich von schlechten Gedanken und Gefühlen frei. Was einfach klingt, kann ganz schön schwer sein, immerhin kann man Gedanken nicht einfach wegwerfen oder einsperren. Die WHO empfiehlt deshalb «einen neuen Weg», und zwar sei es wichtig, zuerst einmal wahrzunehmen und zu benennen, was einen belaste. Habe man wahrgenommen und benannt, was einen belaste – «an den Haken genommen», nennt das die WHO –, müsse man sich im nächsten Schritt wieder darauf fokussieren, was man getan habe, bevor man abgelenkt worden sei. Die fünf Strategien bauen aufeinander auf, die Übungen lassen sich täglich als kleine Häppchen wiederholen, das psychische Wohlbefinden kann so gesteigert werden. Die WHO weist eingangs der Publikation aber darauf hin, dass es je nach Verfassung dennoch nötig sein könne, Fachpersonen zur Unterstützung oder gar zur akuten Hilfe hinzuziehen.

Das Buch kann auf der WHO-Seite als PDF kostenlos und in verschiedenen Sprachen heruntergeladen werden.

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So hat hallowil.ch bisher berichtet (8.10.21)

Psychische Gesundheit: gerade in der Pandemie ein wichtiges Thema

Es ist kein Geheimnis: Die Pandemie setzt uns allen zu. Gerade in einer solchen Dauerbelastung ist es besonders wichtig, der psychischen Gesundheit Sorge zu tragen. Darauf will auch der «World Mental Health Day» vom kommenden Sonntag aufmerksam machen. Ein einfaches, kostengünstiges Rezept für die psychische Gesundheit ist wenig überraschend: Sport. Mit Leserumfrage am Ende des Artikels.

Mehr als 18 Monate wird uns die Corona-Pandemie am «World Mental Health Day 2021», dem internationalen Tag der psychischen Gesundheit, im Griff haben. Dieser Tag wird jedes Jahr zum 10. Oktober von der WHO ausgerufen und steht dieses Mal unter dem Motto «psychische Gesundheitsfürsorge für alle». Zweifellos: Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf praktisch alle Menschen praktisch überall auf der Welt. So auch in der Schweiz, wie Dr. phil. Urs Braun, leitender Psychologe an der Psychiatrie St. Gallen Nord in Wil, im ersten Montagsreferat dieses Jahr aufzeigt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sei er in der Notfallpsychologie tätig, deshalb verfüge er gerade darin auch über viel Erfahrung, erzählt er und führt aus: «Einmalige Ereignisse bedeuten für die Menschen teilweise eine grosse Belastung, die sich individuell stark unterscheiden kann.» Man wisse aus der Erfahrung, dass bei von solch einmaligen Ereignissen betroffenen Menschen «die Belastung in der Regel nach etwa vier bis sechs Wochen wieder abklingt, und zwar bei mindestens 70 Prozent der Personen». Das bedeutet denn auch: «Auf eine einmalige Belastung sind wir Menschen relativ gut vorbereitet.»

Markant veränderte Erwartungshaltung

Wie sieht das aber aus, wenn die Belastung länger anhält wie beispielsweise jetzt in der Pandemie? Dr. Braun: «Wenn eine Belastung länger andauert, gehen wir irgendwann alle auf dem Zahnfleisch – und das kann nicht gut gehen.» Dazu zitiert er aus den in den letzten Monaten regelmässig durchgeführten Umfragen der Forschungsstelle Sotomo. Unter anderem wurde dabei folgende Frage gestellt: «Was denken Sie, wann werden wir uns in der Schweiz wieder ohne Einschränkungen bewegen können?»

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Der vorgestellte Zeitpunkt, an dem wieder Normalität herrscht, ist in die Ferne gerückt. (Screenshots aus der Aufzeichnung des Referats)

So dachten viele der befragten Personen im März 2020 noch, dass wir schon im Sommer 2020 wieder zur Normalität zurückkehren würden; im März 2021 ging die Mehrheit der Befragten schon davon aus, dass so etwas wie Normalität frühestens im Sommer 2022 zu erwarten sei. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die Pandemie eben nicht als einzelnes Ereignis wahrgenommen werde, sondern vielmehr als Dauerbelastung. Und diese wiederum könne dazu führen, dass aus Symptomen Störungen würden, die behandelt werden sollten. Und dies wiederum könne negativen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft haben.

Zudem zeigt sich eine deutlich unterschiedliche Belastung je nach Region. Dabei zeige sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen den Fallzahlen sowie der psychischen Belastung: je höher die Fallzahlen desto grösser die Belastung. Das erkläre auch, warum der Kanton St. Gallen einen relativ hohen «Belastungsgrad» aufweist: Während der ersten Welle hat man nicht so viele Fälle verzeichnen müssen, in der zweiten Welle sind diese dann aber sprunghaft angestiegen.

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Je höher die Fallzahlen, desto belasteter fühlt sich die Bevölkerung.


Nicht nur negativ

Braun hält aber auch fest, dass gerade der erste Lockdown nicht nur negativ wahrgenommen worden sei. So sei etwa positiv aufgefallen, dass «sich die Menschen gegenseitig unterstützen» oder dass Ruhe einkehren konnte, «es war nicht mehr so viel los.» Diese Ambivalenz zeigt sich auch im «Atlas der Emotionen», der 2020 im Rahmen der «Wie gehts dir»-Kampagne erstellt wurde. Trägerschaft dieser Kampagne sind verschiedene Kantone sowie die Stiftung «Pro Mente Sana».


Stress reduzieren und geistig gesund bleiben

Er könne keine «Betty-Bossi-Rezepte» zur besseren Stressbewältigung liefern, kündigte Urs Braun eingangs des Montagsreferats an. Und doch präsentiert er ein bewährtes Rezept zur Stressreduktion, das ähnlich einfach und günstig umgesetzt werden kann wie eben ein Betty-Bossi-Rezept: «Bleiben Sie sportlich aktiv und tun Sie sich etwas Gutes.» Es sei denn auch schon länger unbestritten, dass körperliche Betätigung Stress abbauen und das Wohlbefinden fördern kann. Ob man sich draussen an der frischen Luft bewegt, sich in einer Halle austobt, im Schwimmbad Bahnen zieht … Gerade im hallowil.ch-Land gibt es für die sportliche Betätigung jede Menge Möglichkeiten.

Zur Aufzeichnung des Montagsreferats «Pandemie – was sie mit uns macht»