«Wenn ein Mensch überzeugt ist, dass ein sanfter Schmetterlingsschlag auf der anderen Seite des Erdballs ein Erdbeben auslöst, kann er an einer Psychose erkrankt sein», sagte Nico Ruzzo am Montagabend in der Psychiatrie St.Gallen Nord in Wil. Die 80 bereitgestellten Stühle reichten bei weitem nicht. Es waren weit über 100 Interessierte, die mehr über die nicht seltene Krankheit wissen wollten. Ruzzo, Stationsleiter Pflege, hätte auch im Anschluss an sein Referat noch stundenlang Fragen beantworten können. Speziell betroffene Angehörige waren interessiert, möglichst viel über die Psychose zu erfahren.

An Leib und Leben bedroht

Eine Psychose sei ein Zustand, der verschiedene Ursachen haben könne. Sie betrifft immer den ganzen Menschen, weil Fühlen, Denken und Handeln völlig durcheinandergeraten. «Nichts passt mehr zusammen», sagte Nico Ruzzo. Beim erkrankten Menschen verändert sich die Wahrnehmung der Realität und so könne eine normale weisse Wand für den Patienten knallrot sein. Wahnvorstellungen und Halluzinationen gehören dazu. Betroffene können Dinge hören, sehen, riechen, spüren und schmecken, die für andere Personen nicht erkennbar seien. Logische Argumente von anderen Menschen kommen beim Patienten nicht an. Der Betroffene fühle sich alleingelassen, weil ihn niemand versteht. Seine Gefühle seien in den allermeisten Fällen negativ und mit Angst behaftet.

Viele psychotisch Erkrankte fühlen sich an Leib und Leben bedroht. Der Wunsch nach Suizid sei erhöht. «Das ist schwierig für die Angehörigen», sagt der Pflegefachmann. Auch für Fachpersonen sei es oft nicht einfach, mit den Patienten in Beziehung zu bleiben. Symptome können im Akutfall mit Medikamenten behandelt werden. Manchmal reiche es, wenn die Ursache beseitigt werde.

LSD, Kokain und Cannabis als Auslöser

Weshalb erkranken Menschen an einer Psychose? Man wisse, dass eine Psychose durch eine Kombination von biologischen und Umweltfaktoren verursacht werde. Diese führen bei den Betroffenen zu einer besonderen Verletzlichkeit und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine Psychose zu erleiden. Die Symptome treten häufig im frühen Erwachsenenleben als Reaktion auf Stress, Drogenkonsum oder starke Veränderungen im sozialen Umfeld auf. Viele Betroffene werden mit der richtigen Unterstützung wieder völlig gesund, andere erleben Rückfälle. Wichtig zu wissen sei, dass jeder Mensch eine Psychose erkranken könne, erklärte der Fachmann.

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Edith Scherrer stellte den Anwesenden die Angehörigenberatung vor.