«Wir hatten durchs Band nur positive Rückmeldungen und ich bin sehr zufrieden», sagt Florence Leonetti, die erstmals das Präsidium des Classic Openair innehatte. Bei ihrer Premiere schien sie einen guten Draht zu Petrus zu haben: Alle sechs Vorstellungen – fünf davon öffentlich – konnten auf dem Hofplatz stattfinden. Der Stadtsaal, wo bei Schlechtwetter gespielt und musiziert worden wäre, blieb unbevölkert. Zum ersten Mal überhaupt kamen alle Zuschauer in den Genuss der «Kulisse» mit dem mächtigen Hof zu Wil. Und diese Veranstaltungsreihe – früher auch unter Verdi-Openair bekannt – gibt es immerhin schon seit dem Jahr 2001 im Dreijahres-Rhythmus.

Einmal jedoch musste ein «schwieriger Entscheid» getroffen werden, wie Leonetti es formuliert. Bei der zweiten Aufführung war die Witterung unsicher. Die Organisatoren entschieden sich für den Hofplatz. Doch dann fielen einige Tropfen Regen vom Himmel. Bei den teilweise sensiblen Instrumenten ist das genug, um im zweiten Teil einen Unterbruch herbeizuführen. Zwar gab es trotz angesagtem Regen eine Fortsetzung, jedoch in verkürzter Form.

Auslastung von rund 86 Prozent

Und wie viele Leute haben sich Puccinis Werke zu Gemüte geführt? Zwar lag am Sonntagmittag die genaue Besucherzahl der Dernière von Samstagabend noch nicht vor. Florence Leonetti rechnet aber damit, dass die Auslastung an den fünf öffentlichen Vorführungen bei rund 86 Prozent liegen dürfte, womit man sich im Bereich der Darbietungen im Jahr 2016 bewegt. Knapp 2800 der 3200 Plätze waren somit belegt. «Das ist ein guter Wert, wenn man hört, wie andere kulturelle Veranstaltungen zu kämpfen haben», sagt Leonetti.

Wie es nun weiter geht, ist noch offen. Die Zukunft hängt auch davon ob, wie und wann die letzte Sanierungsetappe des Hof zu Wil realisiert wird. «Wir schliessen nun zuerst die diesjährige Produktion ab und schauen dann weiter», sagt Leonetti.

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Die Premiere (16.8.):

Seit 2001 gibt es die alle drei Jahre stattfindende Veranstaltung – und sie war bisher von Giuseppe Verdi geprägt. Mit einem Präsidentinnen-Wechsel von Susanne Kasper zu Tonhallen-Chefin Florence Leonetti ging auch ein Wechsel der Hauptfigur einher. Ein «logischer» Schritt, wie Leonetti im Video-Interview mit hallowil.ch sagt (siehe unten). Denn Puccini gilt es Nachfolger von Verdi. Um nicht mehr an einen Künstler gebunden zu sein, nennt sich die Veranstaltung nun schlicht und einfach Openair Classic.

Die Premiere ist geglückt – und konnte dank Wetterglück vor der prächtigen Kulisse des Hof zu Wil stattfinden. Puccini ist gut dort aufgekommen. Geprägt war die Premiere von Giuseppe Spina, der als Giacomo Puccini so quasi die Geschichte über sich selbst erzählte, aber auch gleich selber Regie führte. Die Solisten – Sopran Nicole Bosshard, Tenor Enrique Ambrosio, die beiden Bässe Sorin Coliban und Daniel Sollberger, Mezzosopran Annemarie Zimmermann und Schauspielerin Lena Kiepenheuer – gaben Puccinis Werken und Wirken Kraft. Auch der Männerchor Concordia und der Chor zu St. Niklaus wussten zu gefallen.

Das sind die beiden 13-Jähirgen

In bleibender Erinnerung bleiben ferner die Auftritte von Yannis Keller und Emanuele Grande, ihres Zeichen Knabensoprane. Besonders beeindruckend ist das Solo in der Zugabe, welches einzeln vorgetragen wird. Bei der Premiere gehörte Yannis Keller die Bühne, am Samstag wird sie Emanuele Grande gehören. Beide haben Jahrgang 2006 und sind somit 13-jährig. Yannis Keller kommt aus Lenggenwil, besucht die Oberstufe Sproochbrugg und nimmt seit fünf Jahren Gesangsunterricht. Vergangenes Jahr gewann er den Talentwettbewerb der Region Wil, weshalb Kurt Pius Koller – künstlerischer Leiter des Openair Classic – auf ihn aufmerksam wurde.

An dieser Veranstaltung war auch der Wiler Emanuele Grande im Final. Seit 2016 besucht er den Sologesangsunterricht an der Musikschule Wil. Seit dem Alter von sieben Jahren nimmt er zudem Kontrabassstunden. Die beiden Jugendlichen erhielten einen Sonderapplaus.

KKS liess sich kurzfristig entschuldigen

Wie so üblich war die Premiere auch ein Stelldichein der lokalen und regionalen Prominenz. Die drei Regierungsräte Bruno Dammann, Marc Mächler und Benedikt Würth waren da, die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann und Marc Flückiger sowieso. Es fehlte eigentlich nur die Wiler Bundesrätin Karin Keller-Sutter. Sie hatte sich schon angemeldet, musste sich aber am Freitagmorgen wegen eines «dringenden Termins» kurzfristig abmelden.

Dank Wetterglück konnte nicht nur die Premiere am Freitagabend auf dem Hofplatz über die Bühne gehen, sondern auch die beiden Vorstellungen am Samstagabend und Sonntagvorabend. Es finden nun noch zwei weitere öffentliche Aufführungen statt: am Freitag, 23. August und die Dernière am Samstag, 24. August. Die Wetteraussichten sind, Stand Sonntagabend, auch für jene beiden Abende gut.

Der 13-jährige Yannis Keller bei der Zugabe:

 
Was für eine Stimme. Er möge nie in den Stimmbruch kommen.

So farbig geht es zu und her:

 
Einzigartiges Farbenspiel vor dem Hof zu Wil.

Präsidentin Florence Leonetti im Interview:

 
Sie hofft, dass Petrus weiterhin ein Puccini-Fan ist.

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Vorschau auf die Premiere (16.8.):

«Es war eine schöne Generalprobe. Und die wenigen Sachen, die noch nicht geklappt hatten, haben wir im Griff», sagt Florence Leonetti, die erstmals die Gesamtverantwortung für den in Classic Openair umbenannten Anlass innehat. Zur finalen Probe von Mittwochabend, welcher die Altstadt-Bewohner auf Einladung der Organisatoren gratis beiwohnen konnten, gehörten das stimmungsvolle Lichterspiel in der Altstadt ab dem Eindunkeln, aber auch kühle Temperaturen gegen Ende. «Kein Problem. Wir vermieten Wolldecken», sagt Leonetti. Auch wenn Giuseppe Spina, der als Giacomo Puccini auftritt und zudem auch noch Regie führt, bei der Hauptprobe eine Szene nicht spielte, ist alles bereit für Freitagabend.

Polit-Prominenz hat sich angesagt

Die Premiere ist nahezu ausverkauft. Jedoch gelangen jedes Mal, wenn im Hof gespielt wird, am Tag der Vorführung einige Tickets in den Verkauf. Denn die 648-plätzige Tribüne auf dem Hofplatz ist um rund 30 Plätze grösser als das Fassungsvermögen des Stadtsaals, wo bei schlechtem Wetter gespielt würde. Die letzten Premierentickets können ab sofort über die Homepage des Classic Openairs gebucht werden. Angesagt haben sich für heute Abend übrigens vier St. Galler Regierungsräte, die Wiler Stadtpräsidenten Susanne Hartmann, der «höchste Wiler» Marc Flückiger und viele Prominente mehr.

 
Im Video: So stimmgewaltig wird das Finale des diesjährigen Classic Openairs.

Und für alle anderen: «Am meisten Tickets mit guten Plätzen hat es noch für die Dernière am 24. August», sagt Leonetti. Schon weit über 70 Prozent aller Karten sind abgesetzt. Bereits steht fest, dass bei der Premiere und auch morgen Samstag im Hof gespielt wird. Für Sonntag bleibt abzuwarten, wann das angekündigte Gewitter durchzieht. «Wir hoffen, dass es sich bis 20 Uhr gedulden mag», sagt Leonetti.