Es war ein richtiges Volksfest und erfrischend anzusehen, als sich am Samstag Gross und Klein auf einem, zwei oder vier Rädern in Henau zum Befahren des vor rund drei Wochen fertig erstellten zwei Kilometer langen Radweges nach Niederstetten bereitmachten.Sicherer Schulweg
«Endlich!», sagte Armin Benz, der dem CVP-Initiativkomitee angehört, das vor 14 Jahren das Anliegen Radweg Niederuzwil-Niederstetten eingereicht hatte. «Auf diesen Moment haben wir lange warten müssen.» Einen eigentlichen Radweg von Niederuzwil nach Henau gibt es nicht. Auf der Strasse sind zwar seit etlichen Jahren Radstreifen markiert und teilweise darf auf dem Trottoir gefahren werden, doch nun gibt es von Henau nach Niederstetten einen veritablen Radweg, getrennt von der Strasse, die durch den Radwegbau sogar zehn Zentimeter breiter geworden ist und Ausweichstellen für die Lastwagen bekommen hat, damit sich der Verkehr auf der ganzen Strecke beruhigt.
Beruhigt sind nun auch die Eltern der Niederstetter Kinder, die nach Henau oder Niederuzwil mit dem Velo in die Schule fahren müssen. Über 5000 Tage habe es gedauert, bis dieses Stück Radweg realisiert worden ist, hatte Armin Benz ausgerechnet und diese Tatsache in den eigens getexteten Radweg-Song gepackt, den er zusammen mit Peter Jenni am Ziel vor der «Traube» in Niederstetten sang, wo es einen gesponserten Apéro gab.

Mindestens 300 Räder
Kinder auf dem Einrad, der VMC Algetshausen in den Vereinstrikots, Väter mit dem Kinderanhänger, Erwin Eisenring auf dem Hochrad, Elisabeth Benz, Doris Keel und Trudi Kunz mit blumengeschmückten Strohhüten und Velokörbchen, Frauen und Männer mit jeder Art von Fahrrad und drei Mitglieder des Initiativkomitee in einer Rikscha hatten sich versammelt, um bei der offiziellen Eröffnung des Radweges mitzufahren. Es gab ein Countdown und dann durften mehrere Niederstetter Kinder das rote Band durchschneiden und als erste losfahren.

Levin traf als erster bei der «Traube» ein; mit erhobenen Armen. Ihm folgten eine lange Kolonne von Velofahrern und dazwischen ein kleines gelbes Fahrzeug, auf dessen Ladefläche sich die Dreimann-Kapelle um Thuri Montibeller eingerichtet hatte. «Mir sind mit dem Velo do», musste natürlich als Auftakt gespielt und später wiederholt worden. Die Eröffnung entwickelte sich zu einem kleinen Volksfest, an der auffallend viele Senioren teilnahmen. Wie auf dem Rückweg festgestellt werden konnte, wird der neue Radweg auch von vielen älteren Menschen benützt. Nicht nur die Kinder, auch E-Biker haben eine zusätzliche Strecke zur Verfügung, die sie in ihren Ausflug einbauen können.

Noch fehlt ein Kilometer
René Wirth, ebenfalls Mitglied des Initiativkomitees, nahm die lange Zeit bis zur Realisierung zum Anlass, Vergleiche mit anderen Bauprojekten anzustellen. Zehn Jahre Bauzeit habe es für den 162 Kilometer langen Suezkanal gebraucht, zehn Jahre für den 16 Kilometer langen Gotthard-Strassentunnel ; 17 Jahre für den 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel - «und ebenfalls 17 Jahre dauerte es, bis zwei Kilometer Radweg Henau-Niederstetten erstellt worden sind.» Rund 4 Millimeter pro Tag. Diese Vergleiche und auch die heiteren Strophen des Radweg-Songs bewiesen, dass der Humor nach der langen Frist obsiegte. Im Verlauf der Jahre hatte es durchaus auch andere Momente gegeben; zum Beispiel 2009, als die Vorlage, die sowohl den Bau des Radweges wie die Sanierung der Stetterstrasse an der Budgetversammlung abgelehnt wurde. Zwei Jahre später wurde der Kredit dann genehmigt.

Im April 2016 war dann Baubeginn. Die Strassenbaufirma Zani hat das Werk zügig erstellt. Auf den restlichen Kilometer von Niederstetten bis zu Gemeindegrenze muss weiterhin gewartet werden. Die Kiesgrube wird nach und nach aufgefüllt, was noch Jahre dauern dürfte. Eine Lücke bleibt also bestehen. «Das Initiativ-Komitee setzt sich weiterhin für den Rest ein», versprach Armin Benz. Am Schatten neben der «Traube», seit Mai geführt von Daniela Dietiker, kümmerte dieser Abschnitt an diesem Tag wenig. Alle Gäste fuhren auf dem gleichen Weg zurück nach Henau und Niederuzwil oder weiter oder blieben in Niederstetten. Dank des Vereins Junge Niederstetter fanden alle auch einen Sitzplatz. Als absehbar war, dass viel mehr Leute zur Eröffnung gekommen waren als gedacht, stellte dieser seine Bänke und Tische spontan zur Verfügung, die in der Nähe einsatzbereit standen.