Beat Bollinger, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Wil, stellte seinen Kunden einen guten Jahresabschluss 2018 in Aussicht. In den ersten beiden Quartalen habe man ein gutes Ergebnis erzielt, und man sei auch im dritten Quartal gut unterwegs. Raffael Eigenmann, dem Leiter der Firmenkundenberatung, war die Aufgabe übertragen, die Referenten vorzustellen und den Anlass zu moderieren.

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Beat Bollinger, Vorsitzender der Bankleitung, stellte ein gutes Jahresergebnis 2018 der Raiffeisenbank Will in Aussicht.

Zwei turbulente Jahrzehnte
Jens Korte ist für seine prägnanten Kommentare über das Geschehen an der New Yorker Börse bekannt. Die meisten kennen ihn vom Schweizer Fernsehen, seine Kommentare erscheinen auch in weiteren Medien. Vor genau 20 Jahren ist er von Deutschland nach New York umgezogen. Seine Ausführungen hat er mit einem Blick zurück in die Anfangsjahre begonnen. Nach drei Jahren, am 11. September 2001, hat er den Anschlag auf die Türme des World Trade Centers miterlebt. Diese Katastrophe habe zu einem gewissen Mitgefühl mit den USA geführt, was allerdings nicht von Dauer gewesen sei.

Vor globaler Pleite bewahrt
Wirtschaftlich einem gewaltigen Erdbeben vergleichbar sei der Konkurs von Lehman-Brothers, einem der ältesten Finanzinstitute der Vereinigten Staaten, im September 2008 gewesen. Dieses Ereignis stand am Beginn der nunmehr zehnjährigen Finanzkrise. Weil die Notenbank im Gefolge Hunderte von Milliarden Dollar ins Finanzsystem eingespeist habe, sei ein globaler Wirtschaftszusammenbruch verhindert worden. Im Nachhinein müsse man sich aber die Frage stellen, was aus den Fehlern gelernt worden sei.

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Jens Korte ist seit genau 20 Jahren in New York und in dieser Zeit zu einem Wall Street-Spezialisten geworden.

Gewaltige Kreditblase aufgebaut
Paradoxerweise ist die Finanzkrise von einer ebenso langen wirtschaftlichen Blütezeit begleitet. Das habe allerdings seinen Preis. Die Unternehmen hätten sich in einem nie gekannten Ausmass verschuldet. Das Geld sei aber weniger zum Investieren, als zum Zurückzahlen von Aktien gebraucht worden. Probleme entstünden dann, wenn die zu niedrigen Zinsen aufgenommenen Kredite zurückbezahlt, beziehungsweise durch höher verzinsliche Kredite abgelöst werden müssten.

Wall Street setze heute nicht mehr auf Hypotheken, sondern auf Unternehmensanleihen. Diese enthielten aber wie seinerzeit die Hypotheken Ramschanteile. Damit bestehe die Gefahr, dass es zu einer ähnlichen Vertrauenskrise komme.

«Trump first»
Natürlich kam auch das Thema Trump aufs Tapet. Als Journalist finde man mit Artikeln über den amerikanischen Präsidenten zwar die grösste Beachtung, gestand Korte. Aber bei allen seinen Mängeln müsse man Trump eine ichbezogene Intelligenz attestieren. So verstehe er es, Wahlversprechen «einzulösen», indem er Verträge kündige und in gleichlautende umforme. Das Ergebnis stelle er dann als seinen Erfolg dar, etwa das nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta).  

Was Donald Trump gemäss Korte sein unkonventionelles Handeln erleichtere, sei die Tatsache, dass die USA weniger vom Welthandel abhingen als der Rest der Welt. Apple als weltgrösstes Unternehmen sei so gross wie alle 30 Unternehmen im deutschen Aktienindex DAX. Mittels Fracking würden die USA bald der grösste Erdölproduzent der Welt sein.

Aktienhandel als Risikofaktor
Als grösstes Risiko für einen Crash bezeichnete Jens Korte den Aktienhandel, beziehungsweise die Tatsache, dass über 50 Prozent des Aktienhandels computergesteuert abläuft. Wenn der Befehl «verkaufen» an der Wall Street und weiteren führenden Börsen gleichzeitig erfolgen würde, wäre die Gefahr eines Zusammenbruchs gross.

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Donato Scognamiglio hat durch humorvolle Formulierungen und Bemerkungen die Zuhörer in seinen Bann gezogen und das Thema Immobilienmarkt trotzdem gründlich ausgelotet.

Ostschweiz ist privilegiert
«Immobilienpreise – quo vadis» war das Thema, über das Donato Scognamiglio sprach. Er ist CEO eines Unternehmens, das 40 Mitarbeitende beschäftigt und auf Analysen im Immobilienbereich spezialisiert ist. Seine humorvoll gewürzten Ausführungen hörten sich sehr vergnüglich an. Im Kern aber zeichnete er ein eher düsteres Bild des Immobilienmarktes, auf dem er die Risiken grösser als die Chancen einschätzt. Ein kleiner Lichtblick: Die Ostschweiz ist in manchen Belangen besser dran.

Ansprüche steigen laufend
Donato Scognamiglio wies auf die Tatsache hin, dass wir immer älter, aber auch immer anspruchsvoller werden. Beanspruchte 1970 eine Person noch 27 Quadratmeter Wohnfläche, so ist es heute mit 50 Quadratmetern fast das Doppelte. Der Referent zeigte aber auch auf, dass alles zu erreichen kein Segen sein muss. Wer sein ganzes Streben nach Reichtum und Anerkennung ausrichtet, läuft Gefahr, am Leben vorbei zu leben. «Wir kommen nackt auf die Welt, und wir gehen nackt», mahnte Donato Scognamiglio.

Krise im Luxussegment 
Wenn sich die wirtschaftliche Situation verschlechtere, dann bröckle die Pyramide zuerst zuoberst. Im Luxussegment sei die Krise schon längst angekommen. Schlösser und Villen würden zu fantasiehohen Millionenbeträgen zum Verkauf angeboten. Erreichen würden sie diese jedoch bei weitem nicht.

Auch für den Bereich der Eigenheime sieht der Referent nicht rosig. Die Löhne seien in den beiden letzten Jahrzehnten um 14 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum seien die Eigenheimpreise um das Fünffache explodiert. Bei jungen Familien, wo der Wunsch nach einem Eigenheim aktuell und berechtigt wäre, fehle oft das Geld.

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Donato Scognamiglio und Jens Korte stellten sich abschliessend den Fragen von Raffael Eigenmann.

Überteuerte Mehrfamilienhäuser
Sehr gefragt seien Mehrfamilienhäuser. Pensionskassen suchten sie als Geldanlagen. Dabei würden oft überteuerte Preise bezahlt. Mit fremdem Geld zu spielen sei gefährlich. Zu den zu hohen Kaufpreisen komme das Risiko leerstehender Wohnungen und sinkender Mietpreise. Der steigende Leerwohnungsbestand und die Abnahme der Zuwanderung wirkten sich negativ auf Altwohnungen aus. Wenn neue Wohnungen zu günstigeren Mietpreisen zu haben seien, leerten sich bestehende, weniger komfortable Wohnungen.

«Insel der Seligen»
Zu Beginn des Vortrags hatte Donato Scognamiglio ein düsteres Bild der Weltlage mit einigen «Verrückten» an der Spitze von Staaten gemalt. Die Verhältnisse in der Schweiz aber bezeichnete er als diametral entgegengesetzt. Unser Land sei eine «Insel der Seligen». Aber auch wenn wir uns glücklich schätzen dürfen, in diesem Land und in der in manchen Belangen bevorzugten Ostschweiz zu leben, sei die Zukunft nicht voraussehbar. 

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450 Raiffeisen-Kunden folgten im Stadtsaal Wil den Ausführungen der beiden Experten.