Mit den Worten „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“ des Schriftstellers Max Frisch eröffnete Verwaltungsratspräsident Christoph Brunner die Generalversammlung der Raiffeisenbank Flawil-Degersheim-Mogelsberg-Oberuzwil. Alle verstanden sofort, was er damit meinte, wird doch in den Medien immer mal wieder über den Stand der Untersuchungen gegen verschiedene ehemalige Bankgrössen von Raiffeisen berichtet.

Jede Bank ihre eigene Unternehmerin

Die örtlichen Raiffeisenbanken sind selbständige Unternehmungen - und deshalb von den Turbulenzen auf der obersten Etage des Dachverbandes nur punktuell betroffen. Sie haben eine grosse Selbstständigkeit. Die Raiffeisenbanken sind in 21 Regionalverbänden zusammengeschlossen, die als Vereine organisiert sind. Die Verbände nehmen eine Bindegliedfunktion zwischen Raiffeisen Schweiz und den einzelnen Raiffeisenbanken wahr. Das bezeugte auch Brunner, der an der diesjährigen Generalversammlung seinem Bedauern über diese Vorgänge Ausdruck verlieh, dennoch aber grosse Freude über den guten Geschäftsgang der eigenen Bank zeigte. 

Erfreulicher Geschäftsgang

So ganz ist die Milliarde noch nicht geknackt, aber das Ziel ist in Griffnähe. Es wird auf qualitatives Wachstum geachtet. Die Sicherheit der Gelder steht an erster Stelle. 2018 erwirtschaftete die Bank eine Bilanzsumme von 994,1 Millionen Franken. Davon wurden 854,8 Millionen wieder ausgeliehen. Bei den Kundeneinlagen verzeichnet die Raiffeisenbank einen Zufluss von 1,6 Prozent auf 693,0 Millionen Franken. Der Geschäftsertrag steht mit 12‘403‘000 zu Buche. In der Bilanz ist der Gewinn mit 915‘000 Franken angegeben. Die Anteilscheine werden weiterhin zu 2,25 Prozent verzinst. Alle Anträge wurden angenommen, fast alle sogar einstimmig. 

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Michael Turi, stellvertretender Vorsitzender der Bankleitung, freute sich über die guten Geschäftszahlen. 


Sorgfältiger Umgang mit dem Mitarbeiterteam

2018 arbeiteten, genau wie ein Jahr vorher, in den vier Ortschaften insgesamt 42 Personen für die hiesige Raiffeisenbank. Die Bank bietet familienfreundliche Arbeitsmodelle an. So arbeiten vergangenes Jahr 45 Prozent der Angestellten teilzeitlich, was einer Steigerung um 15,4 Prozent seit dem letzten Geschäftsjahr entspricht. Es ist teilweise auch Arbeit von zuhause aus möglich.

Für die Bank hat sich an der Zinsenfront kaum etwas geändert. Die Nationalbank behält bis auf Weiteres ihre Negativzinspolitik bei. Und doch gehört das Zinsengeschäft weiterhin zu den Hauptpfeilern der Einnahmen einer Bank. Betrug dieser Anteil vor zehn Jahren noch rund 87 Prozent, schrumpfte dieser im Geschäftsjahr 2018 auf 74,6 Prozent, was eine markante Verringerung der Abhängigkeit von diesem Geschäftsfeld bedeutet. Andere Geschäftsfelder werden dagegen gestärkt. Die Finanzberatung wurde ausgebaut, der Devisenhandel stieg, die Handelsbeziehungen mit KMUs wurden intensiviert. Dank des Bankneubaus in Flawil stiegen auch die Mieteinnahmen. Weitere Szenarien wie Beratungen im Immobilienbereich oder neue Versicherungsdienstleistungen werden im Augenblick geprüft.

Herausforderung „neue Internet-Plattform“

Verwaltungsratspräsident Brunner wie auch der stellvertretende Bankvorsitzende Michael Turi betonten, wie sehr die Umstellung auf die Internet-Plattform „neue Bankenplattform ACS“ die Angestellten herausgefordert habe. Die Bank nahm als erste im ganzen Raiffeisenverbund dieses Projekt „Rainbow“ in Angriff. Es brauchte viel Zeit und noch mehr Nerven, doch nun ist die Plattform in Betrieb, die Raiffeisenbank Flawil-Degersheim-Mogelsberg-Oberuzwil hat hier grosse Entwicklungsarbeit geleistet, welche unterdessen auch allen andern 245 Raiffeisenbanken zur Verfügung steht. Als Dank und Wertschätzung für diesen Einsatz will die Bank alle Angestellten samt deren Familien zu einem besonderen Familientag einladen.

Angebote für junge Kunden

Die Raiffeisenbank hat auch die junge Generation im Auge. Als Mitglieder beim Sumsi-Club können schon die Kleinsten ihr Scherflein auf die Bank tragen. Unter dem Hashtag „raiffeisenyoungmember“ wird von jungen Bankangestellten für die Instagram-Generation gerade ein spezieller Social-Media-Auftritt entwickelt. Nach der GV wurden auch dieses Jahr alle jungen und Junggebliebenen wie schon die vergangenen Jahre zu einem Ausklang in Lindensaal Flawil eingeladen. Junge Angestellte haben auch einen humorvollen Film zum Bankgeschäft unter dem Titel „Früher und heute“ gedreht, welcher vor der Abhandlung der Traktandenliste gezeigt wurde.

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In der Allgemeinen Umfrage fragte Irmgard Thommen aus Flawil nach Informationen zur Sicherheit des E-Bankings. 


Geld herbeigezaubert

Als die Traktanden abgehandelt waren, unterhielt Michel Gammenthaler das Publikum. Nicht allein, dass er aus der Luft einfach so Fünfliber pflücken kann, nein, es kann durchaus auch einmal ein Hunderternötli sein, dass ihm da einer aus dem Verwaltungsrat in den kleinen Chromstahleimer wirft. Dabei redet er ununterbrochen, springt von einem Thema zum andern, lädt aber immer auch mal das Publikum zum Mitmachen ein. 45 Minuten unterhielt er so sein Publikum und verblüffte ein ums andere Mal.