«Mit dem neuen Betriebskonzept 2020 soll das Alterszentrum vom Umfang, Grösse und Kapazität fertig gebaut werden», sagte Peter Büchi, Präsident der Baukommission des Regionalen Alterszentrum Tannzapfenland (RAT) in Münchwilen, als eben dieses Konzept im Jahr 2011 in Auftrag gegeben wurde. Nun sind das Betriebskonzept und dessen Ideen vollendet. Denn seit Anfang Juli wird nun die letzte Etappe mit den neuen Alterswohnungen bezogen. «Das ist ein weiterer bedeutender Meilenstein für die Zukunft», erzählt Büchi während des Medienanlasses am Dienstagnachmittag. Denn in den letzten Jahren wurden in drei Etappen ein Neubau für geschützte Wohngruppen sowie der Neubau für zusätzliche 17 Alterswohnungen realisiert und die Infrastruktur saniert. So wurden beispielsweise die Garderoben und der Personalaufenthaltsraum erweitert oder die Cafeteria komplett umgebaut. Für diese mehrjährige Bauzeit und den Zusatzprojekten wurden 19,6 Millionen Franken investiert, wie Büchi bekannt gibt. «Wir hatten die Kosten sehr gut im Griff», so Büchi. Schliesslich wurde für das ganze Bauvorhaben im Jahr 2014 ein Rahmenkredit von 18,7 Millionen Franken bewilligt. 

Auch Othmar Häne, Verwaltungsratspräsident des RAT, freut sich über die Entwicklung der 40-jährigen Institution. «Heute haben wir ein Alterswohnheim mit 32 Einzelzimmer, ein Pflegeheim mit 55 Zimmern, eine geschützt Wohngruppe mit 25 Betten für demente Bewohner, Einzelzimmer für Kuraufenthaltes mit elf Betten und 30 Zwei-Zimmer-Alterwohnungen und fünf Drei-Zimmer-Alterswohnungen», zählt Häne auf. In den vergangenen Jahrzehnten hat das Alterszentrum also eine breite Palette an Wohnformen für ältere Menschen geschaffen. Das sei wichtig, denn so könne individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner und Pflegebedürftigen eingegangen werden. Das RAT sei stolz auf das umgesetzte Betriebskonzept 2020 und das nun moderne sowie vielfältige Wohnangebot. «Geplant war, dass wir den Abschluss des Konzepts zusammen mit dem 40-Jahr-Jubiläum mit einem grossen Fest jetzt im August feiern», so Häne. Nun hat das Coronavirus dem RAT einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb wurde das Fest auf Ende Mai 2021 verschoben. 

Drei Bewohner sind an Covid-19 gestorben

Auch das Thema Coronavirus und deren Folgen sprechen die Verantwortlichen des Münchwiler Alterszentrums offen an. Denn die Corona-Krise hat das RAT nicht nur wegen des wochenlangen Lockdowns und der Verschiebung des Jubiläumsfestes gespürt. «Ja, bei uns gab es zehn Corona-Fälle», sagt Verwaltungsratspräsident Häne. Betroffen sei eine Abteilung gewesen, in der sich sowohl Bewohner als auch Bewohner mit dem Virus infiziert hätten. «Leider sind in dieser Zeit auch drei Bewohner gestorben», informiert Häne weiter. Es seien alles über 90-Jährige, die bereits vor der Infizierung geschwächt waren.  Dabei betont Häne, dass die Corona-Krise für das RAT eine besondere Herausforderung war.  Um die betroffenen Bewohner pflegen zu können, sei innerhalb des Zentrums unter anderem eine Isolationsabteilung eingerichtet worden. «Dass unser Personal dies alles gestemmt hat, zeigt, dass wir eine gute und gesunde Unternehmenskultur haben», sagt er. Ein Grund, warum das Alterszentrum seinen Mitarbeitern nun eine Corona-Sonderprämie auszahlt

Wie sieht das Betriebskonzept 2030 aus? 

Um konkurrenzfähig bleiben zu können, hat das RAT in den letzten Jahrzehnten alle zehn Jahre Betriebskonzepte auf die Beine gestellt, die zukunftsorientierte Angebote und eine zeitgemässe Entwicklung beinhaltet hatten. «Stillstand ist Rücktritt – vor allem im Gesundheitswesen und in der Altersbetreuung», meint Büchi, Präsident der Baukommission. Dabei sei in der Geschichte des RAT nicht nur das Betriebskonzept 2020 ein bedeutender Meilenstein gewesen. So beispielsweise auch das Betriebskonzept 2000: Damals wurden sämtliche 4er-Zimmer aufgehoben und 2er-Zimmer realisiert. Verwaltungsratspräsident Häne lässt am Medienanlass durchblicken, dass man bereits am Betriebskonzept sitzt. «Wie dieses Konzept aussehen wird, kann ich aktuell nicht sagen», führt er weiter aus. Vieles sei von der Entwicklung der Altersbetreuung und -pflege abhängig. In den nächsten zwei Jahren werde sich zeigen, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln werde. «Vielleicht werden in Zukunft sogar die aktuell bestehenden 2er-Zimmer aufgehoben?», so Häne. 

Weil in den vergangenen Betriebskonzepten das Alterszentrum in Münchwilen stetig gewachsen ist, stellt sich nun die Frage, ob bis zum Jahr 2030 mit einem weiteren Wachstum gerechnet werden darf? Bei dieser Frage verweist Verwaltungsratspräsident Häne auf die Pflegeheim-Planung, die der Kanton Thurgau aufgestellt hat. «Heute sind über 20 Prozent der über 80-Jährigen in einem Heim. Der Kanton strebt aber an, auf 15 Prozent runter zu gehen», so Häne. In Zukunft werde also vermehrt auf die ambulante Betreuung gesetzt. Kurz zusammengefasst: Der Kanton will, dass die älteren Menschen in Zukunft möglichst lange zu Hause leben können. «Deshalb wird es bei uns wahrscheinlich keinen Wachstum im grossen Stil mehr geben», meint Häne.