Kaum jemand geht nachts gerne durch eine schwach beleuchtete Unterführung. Dagegen verweilen viele Menschen am Stadtweier. An einigen Orten fühlen sich Menschen besonders wohl, an anderen eher unbehaglich. 

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass in bestimmten architektonischen Situationen Stresshormone abgebaut und vermehrt stimmungssteigernde Botenstoffe ausgeschüttet werden. Andere steigern dagegen den Stresslevel.

Vielfalt wirkt wohltuend 

In welchen Bereichen sich Menschen im öffentlichen Raum gerne aufhalten, hängt auch von psychologischen Faktoren ab. Der Fachbereich Urban Psychologie erforscht sie. Gemäss ihren Erkenntnissen sind Bebauungen wie die Wiler Altstadt psychologisch nahezu ideal konstruiert: Stadtteile werden als angenehm wahrgenommen, wenn sie in ihrer Beschaffenheit vielfältig und detailreiche sind und dem Auge Überraschungen bieten. 

Im Gegensatz dazu fühlen sich Menschen in monotonen Anordnungen nicht sehr wohl. Sie fördern die Anonymität und wirken dem Sozialleben entgegen. Kaum jemand verweilt dort länger als nötig.

Fehlerhafte Strategie

Gelegentlich wird versucht, wenig belebte Orte im Stadtbereich etwa mit Shops, Bars oder Cafés attraktiver zu gestalten. Diese Strategie sei kaum erfolgversprechend, sagte Alice Hollenstein in einem Interview, sie ist Expertin für die psychologische Wirkung von Siedlungsräumen. 

Gastronomielokale sowie Läden haben vor allem dort langfristigen Erfolg, wo viele Passanten unterwegs sind. Diese mit Gastronomie oder mit Shops in wenig frequentierte Quartiere zu locken, ist kaum zielführend. Die Folge sind Leerstände, die die Wirkung eines verödeten Quartiers verstärken.

Die erfolgversprechende Alternative zu Lokalen mit zu geringer Kundenfrequenz in peripheren Stadtgebieten, sind bepflanzte Vorgärten, Verkehrsinseln, Pflanzenkübel, Biotope, offene Bachläufe, Schrebergärten sowie Urban Gardening-Flächen. Sie drücken Individualität aus, die vielen Menschen wichtig ist. Zudem bieten sie unverwechselbare Identifikationsorte.

Gesundheitsfördernd 

Naturnahe Gestaltungen wirken sich auf das mentale Wohlbefinden aus. Forschende in Grossbritannien haben Studienteilnehmer während 18 Jahren immer wieder nach ihrer aktuellen Befindlichkeit befragt. Dabei zeigt sich, dass sich Menschen, die in der Nähe von Grünzonen wohnen zufriedener und psychisch gesünder fühlen als Personen, in stark bebauten Gebieten leben.