Das Ziel der Kurzarbeits-Entschädigung, die der Bund vor Kurzem wegen den Auswirkungen der Corona-Krise massiv aufgestockt hat, ist klar: Unternehmen sollen ihre Arbeitnehmer im Betrieb behalten und sie vorübergehend weniger lange arbeiten lassen. Und diese Möglichkeit der Entschädigung ist sehr gefragt: Bisher wurde die Kurzarbeit für 757 000 Personen in der Schweiz beantragt. Trotz der Finanzspritze des Bundesrates gibt es laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) seit Mitte März 12 000 zusätzliche Arbeitslose und 17 000 Stellensuchende in der ganzen Schweiz. «Im Moment gibt es schweizweit 132 660 Arbeitslose», sagt Erik Jacob von Seco während der Pressekonferenz des Bundes am Montagnachmittag. Das sei eine Quote von 2,9 Prozent.

Doch wie sieht es in Wil aus? Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Wiler Arbeitsmarkt? Beim RAV Wil heisst es schliesslich auf Anfrage, man könne noch keine Angaben, weil die Anmeldungen der Stellensuchenden zuerst analysiert werden müssten. «Eine tagesaktuelle Auswertung der Zahlen zu den Stellensuchenden für die Region Wil ist aktuell nicht möglich beziehungsweise nicht aussagekräftig», sagt Karin Jung, Leiterin des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen, gegenüber hallowil.ch. Zum einen fallen jeweils zum Monatsende zahlreiche Abmeldungen von Stellensuchenden an, zum anderen werden viele neue Stellensuchende beim RAV registriert. Das sei auch der Grund, warum das Seco jeweils erst einige Tage nach Monatsende validierte Daten für die ganze Schweiz – das heisst für die einzelnen Kantone und die einzelnen RAV-Regionen – publiziert. Die nächste Publikation des Seco sei für den 8. April geplant.

Aber den letzten aktuellen Befund der Seco kann Jung bestätigen: Für den ganzen Kanton rechne sie mit einem starken Anstieg im Vergleich zum Vormonat (Februar 2020) sowie zum Vorjahresmonat (März 2019). «Dies dürfte sinngemäss auch für die RAV-Region Wil zutreffen», so Jung.

Einzelne Sektoren brauchen zusätzliche Mitarbeiter

Aktuell beantragen auch im Kanton St. Gallen tausende KMU’s Kurzarbeit. Nach Angaben der kantonalen Leiterin des Amts für Wirtschaft und Arbeit werden gleichzeitig Arbeitskräfte beispielsweise im Dienstleistungssektor und in der Landwirtschaft zusätzliche Arbeitskräfte gesucht. Als Beispiele nennt Jung Kurierdienste, die Post und Erntehelfer. «In dieser ausserordentlichen Situation ist Flexibilität gefragt», sagt Jung. Für die Stellensuchenden ändert sich in der Zeit während der Corona-Krise nicht viel. «Von ihnen wird nach wie vor erwartet, dass sie sich um eine Stelle bemühen und ihre Anstrengungen dokumentieren», so Jung. Die Anmeldung beim RAV erfolge bis auf weiteres online und die Beratungsgespräche mit den RAV-Beratern finden per Telefon statt.

Während den letzten Pressekonferenzen des Bundes und der St. Galler Regierung wurde den betroffenen Unternehmen immer wieder ans Herz gelegt, die Sofort-Hilfemassnahmen zu nutzen und mit den Kurzarbeits-Entschädigungen zu überleben. Damit Arbeitnehmer nicht zum RAV gehen müssen. Dabei geht es nicht nur darum, die Arbeitslosenquote möglichst tief zu halten. Die betroffenen Unternehmen sollen für die Zeit nach der Krise vorbereitet sein. Bei einem Aufschwung sind Betriebe auf erfahrene Angestellte angewiesen.