Am Sonntag wurde Timo Räbsamen ins Wiler Stadtparlament gewählt, womit die Juso erstmals überhaupt in der Wiler Legislative vertreten ist. Nur ein paar Stunden später sorgt nun ein Instagram-Post von Räbsamen für Wirbel. In diesem ist zu sehen, wie er zusammen mit anderen Jungsozialisten daran ist, eine Ausgabe der Zeitung Weltwoche zu verbrennen. Brisant ist aber vor allem der Kommentar, welchen Räbsamen darunter gesetzt hat. «Heute brennt die Weltwoche, morgen dann Roger Köppel.» Eine Morddrohung?

Publik gemacht wird dies durch J-SVP des Kantons Luzern. Laut einer Medienmitteilung der Partei wurde der Insta-Post bereits am 16. Februar 2019 publiziert, mittlerweile wieder gelöscht. Ein Screenshot des Eintrags sei Ende April dieses Jahres aufgenommen worden. «Ich habe selbstverständlich Verständnis dafür, dass Roger Köppels polarisierende Meinungsäusserungen auf harten Widerstand stossen können. Als Mitglied der Jungen SVP habe ich ebenfalls grosses Verständnis für Provokation als politisches Stilmittel. Meine Jungpartei spart bekanntlich auch nicht damit. Mein Verständnis hört aber definitiv da auf, wo die Grenze zu Gewaltaufrufen überschritten ist», sagt Anjo Simon Stehrenberger von der J-SVP des Kantons Luzern.

Auf die Anfrage von hallowil.ch, warum die Junge SVP Luzern eigentlich diese Medienmitteilung über einen Wiler Politiker verfasst hat, antwortet Stehrenberger: "Grundsätzlich ist es natürlich so, dass uns die Politik in Wil nicht interessiert, aber wir wollten der Stadt aufzeigen, wen sie hier ins Parlament gewählt haben." Warum dieser Instagram-Post einen Tag nach der Wahl von Timo Räbsamen ins Stadtparlament veröffentlich wurde, beantwortete Stehrenberger wie folgt: "Wir wussten gar nicht, dass er kandidiert, als ich dann das Wahlergebnis mitbekam, ist mir die Geschichte wieder in den Sinn gekommen und wir haben die Medienmitteilung geschrieben."

Norbert Hodel meldet sich zu Wort

Das Thema rund um den Insta-Post von Timo Räbsamen sorgt für Gesprächsbedarf. Wellen schlug der Artikel vor allem auf Facebook. Dort teilten einige Personen ihre Meinung. Darunter auch der Präsident des Ortsbürgerrat Wil Norbert Hodel. Er nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. «Eine Schande und eine bodenlose Frechheit von diesem Juso», beginnt der ehemalige Wiler Stadtparlamentarier seinen Kommentar. Er schreibt, dass man so mit politisch Andersdenkenden nicht umgeht und rät Timo Räbsamen sein Amt als Stadtparlamentarier niederzulegen, bevor er es überhaupt angetreten hat. «Sie haben es nicht verdient in ein Parlament gewählt zu werden.», meint Hodel weiter.

Timo Räbsamen meint dazu: «Ich werde sicher nicht zurücktreten. Solche Kommentare von der rechten Seite bestärken uns nur, weiter zu machen.» Er gibt zwar zu, dass er in der kommenden Legislatur auch auf Kompromisse eingehen muss, aber Räbsamen will trotzdem Politik machen, welche einigen nicht gefallen wird.

«Kein Aufruf zur Gewaltanwendung»

Zu seinem Insta-Post meint Timo Räbsamen: «Das ist nicht als Aufruf für Gewaltanwendung zu verstehen. Es ist eine bewusst übertriebene Aussage. Wenn man so liest, was für rassistische und frauenfeindliche Texte in der Weltwoche publiziert werden, darf es auch unsererseits eine Übertreibung sein. Ich verstehe das unter dem Aspekt der Satire.» Und warum wurde der Post wieder gelöscht? «Es sind viele dumme Rückmeldungen gekommen. Ich habe den Eintrag auf nicht mehr sichtbar gestellt, weil ich nicht andauernd Kommentare von rechten und rechtsradikalen Personen wollte.» Roger Köppel war für hallowil.ch nicht zu erreichen. Laut der Kapo St. Gallen könne Roger Köppel aber eine Anzeige machen. Polizeisprecher Hanspeter Krüsi meint: "Grundsätzlich kann Herr Köppel Anzeige erstatten und die Polizei wird den Fall dann behandeln." Weitere Informationen zur rechtlichen Sachlage konnte auch Strafrechtsprofessor Felix Bommer von der Universität Zürich nicht geben, denn er wisse nicht, was Timo Räbsamen mit seiner Aussage genau gemeint hat.

Und so denken die hallowil.ch-Leser

Die Abstimmung von hallowil.ch zeigt, dass fast 60% der Leserinnen und Leser finden, dass der Instagram-Post von Timo Räbsamen vom Februar 2019 satirisch gedacht war. Auf Facebook sind die Reaktionen ein wenig anders. Dort kriegt der frisch gewählte Juso-Politiker sein Fett weg. 

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