Dieses Ergebnis muss gleich mehreren Kandidierenden zu denken geben. Vor allem aber dem Stadtpräsidenten ad Interim, Daniel Meili (FDP). Er machte nur gerade 1415 Stimmen und somit nicht einmal halb so viele wie Hans Mäder (CVP). Dazwischen liegt Dario Sulzer (SP) mit 2116 Stimmen. Alle drei haben aber das Absolute Mehr von 3712 Stimmen überaus deutlich verpasst.

Eine grosse Überraschung ist, dass keiner der neun Kandidaten im ersten Wahlgang den Sprung in den Stadtrat geschafft hat. Niemand schaffte das Absolute Mehr von 3805 Stimmen. Hauchdünn gescheitert ist Dario Sulzer mit 3784 Stimmen. Auch Hans Mäder scheiterte knapp mit 3721 Stimmen. Auffällig: Jigme Shitsetsang (FDP) machte rund 200 Stimmen mehr als Parteikollege Meili. Enttäuschend ist das Ergebnis auch für Bauchef Daniel Stutz, der nur 2457 Stimmen erhalten hat. Zum Vergleich: Oliver Baumgartner, der seine Kandidatur zurückzog, bekam 2138 Stimmen.


Reaktionen:

- Hans Mäder: "Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es zeigt mir, dass ich viele Wählerinnen und Wähler angesprochen habe. Natürlich gab es ein Wunschszenario, die Wahl schon im ersten Wahlgang zu schaffen. Alles in allem haben nun aber die bisherigen Kandidaten noch zu tun. Dass gar niemand in den Stadtrat gewählt worden ist, hat mich schon überrascht."

- Daniel Meili: "Ich habe zwei Herzen in meiner Brust. Die Gesamt-Konstellation für den Stadtrat ist mit den Ergebnissen von Jigme Shitsetsang und mir gut. Mein Resultat für das Stadtpräsidium ist hingegen eher dürftig. Ich stecke jetzt aber nicht den Kopf in den Sand. Es geht nun darum, eine gute Gesamtkonstellation für den zweiten Wahlgang zu bekommen, welcher für die bürgerlichen Parteien passt. Namen und Parteien müssen nun in den Hintergrund treten."

- Dario Sulzer: "Ich bin sehr zufrieden, dass ich das beste Ergebnis bei der Stadtratswahl gemacht habe. Wer gedacht hätte, dass ich ich sowieso chancenlos bin, der wurde eines Besseren belehrt. Ich sehe das Ergebnis als starkes Zeichen und auch als Auftrag. Im Stadtrat hätte ich allerdings gedacht, im ersten Wahlgang gewählt zu werden. Dass nun 21 Stimmen fehlen, ist ein krasser Lattenschuss. Ich starte nun aber aus der Poleposition."

Im Video: Wer tritt wieder an für das Stadtpräsidium?

 

- Jigme Shitsetsang (neu): "Dass ich mich als Sieger fühle, wäre ein bisschen viel gesagt, aber natürlich bin ich mit meinem persönlichen Resultat glücklich. Als nicht-Stadtpräsidiumskandidat das drittbeste Resultat zu machen, damit kann ich schon zufrieden sein. Ich bin bereit für den zweiten Wahlgang. Natürlich müssen wir die Strategie für den zweiten Wahlgang zuerst mit der Parteileitung anschauen. An mir soll es aber nicht liegen."

- Jutta Röösli (bisher): "Dass niemand im ersten Wahlgang gewählt wurde, hat mich schon überrascht. Ich hätte gedacht, dass es ein oder zwei Kandidaten schaffen. Die fünftmeisten Stimmen sind erstmal einfach ein Resultat. Aber für mich ist klar, dass ich im zweiten Wahlgang wieder antrete. Das Departement Bildung und Sport ist das grösste der Stadt, man hat viele Themen, ist oft an der Front und daher vielleicht eher angreifbar. Es ist schwierig, jetzt schon eine Analyse zu machen. In der Kathi-Frage wurden wir vom Entscheid des Bundesgerichts gebremst, letztlich muss sie aber vor das Volk."

- Ursula Egli (neu): "Mit meinem persönlichen Resultat bin ich sehr zufrieden. Es macht Mut für den zweiten Wahlgang und ich bin sehr motiviert, wieder ins Rennen zu steigen. Der Sitzgewinn für die SVP ist nahe. Ich habe schon damit gerechnet, dass einer oder zwei Kandidaten im ersten Wahlgang das Absolute Mehr erreichen. Das Resultat zeigt sicher, dass die Bevölkerung mit der jetzigen Regierung nicht zufrieden ist."

- Andreas Breitenmoser (neu): "Als politischer Rookie kann ich mit dem Resultat sicher zufrieden sein. Für den zweiten Wahlgang ist noch Luft nach oben. Wir werden das Resultat im Team analysieren und dann entscheiden, ob ich im zweiten Wahlgang nochmals antrete. Das hängt auch davon ab, was die anderen Kandidaten machen, wer nochmals antritt, welche neuen Kandidaten noch ins Rennen steigen. Dass Jigme Shitsetsang mehr Stimmen als Parteikollege Daniel Meili gemacht hat, ist bemerkenswert."

- Daniel Stutz (bisher): "Es ist schwierig, jetzt eine Analyse zu machen. Die Vielfalt der Kandidaten hat sicher eine Rolle gespielt. Ich denke, das Stimmenverhältnis im Parlament sollte auch im Stadtrat abgebildet sein, damit die Zusammenarbeit optimal funktioniert. Als ich vor vier Jahren im ersten Wahlgang gewählt wurde, war ich der einzige Gegenkandidat und konnte als einzige Alternative Wähler aus einem breiten Spektrum gewinnen. Im Baudepartement habe ich viele Probleme von meinen Vorgängern übernommen, das ist in den den Medien wahrscheinlich zu wenig rübergekommen. Es ist wichtig, dass es auch im Stadtrat ökologische Kräfte gibt. Von daher bin ich überzeugt, dass es einen Grünen Kandidaten braucht. Ich bin im Bewusstsein angetreten, dass es einen zweiten Wahlgang geben könnte. Ich muss nochmals darüber schlafen, aber grundsätzlich hat sich an meiner Einstellung nichts geändert."

- Oliver Baumgartner (neu, noch auf dem Wahlzettel, weil er seine Kandidatur zu spät zurückgezogen hat): "Ich finde es relativ schwierig zu sagen, ob meine 2138 Stimmen aus Versehen zustande kamen, oder ob viele Wiler aus Protest für mich gestimmt haben. Aber ich denke, das Resultat ist ein Zeichen dafür, dass die Bevölkerung mit den Kandidaten nicht zufrieden war. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, nicht als Kandidat für das Stadtpräsidium anzutreten. Auch daran, im zweiten Wahlgang als Stadtrat anzutreten, habe ich bis jetzt keinen Gedanken verschwendet. Stand jetzt, werde ich nicht antreten. Ich bin aber auch nicht der, der hier jetzt sagt, ich schliesse das zu tausend Prozent aus. Ich habe auf jeden Fall schon viele SMS bekommen."

- Beat Gisler (neu): "Ich bin schon ein bisschen enttäuscht vom Resultat. Zumindest dass ich Herrn Baumgartner hinter mir lasse, hätte ich schon gehofft. Wahrscheinlich war ausschlaggebend, dass ich in punkto Bekanntheitsgrad nicht mit den anderen Kandidaten mithalten konnte. Ob ich im zweiten Wahlgang wieder antrete, ist noch offen. Es kommt darauf an, ob sich andere Kandidaten zurückziehen, dann muss man überlegen, wohin deren Stimmen gehen könnten. Wir werden in der CVP anfangs nächster Woche entscheiden." 

Schulrat: Parteien sind die Verlierer

Auch bei den Schulratswahlen sind noch nicht alle Würfel gefallen. Zwar gab es acht Kandidaten für vier Sitze, das Absolute Mehr von 3340 Stimmen schafften aber nur zwei Kandidierende. Nämlich die beiden "Bisherigen" Elmar Meile-Gantner (parteilos, 3643 Stimmen) und Evelyne Engeler Mohn (parteilos, 3455 Stimmen). Die Wahl im ersten Wahlgang verpasst haben Regula Huber (parteilos, 3160 Stimmen), Daniel Schläpfer (Grüne Prowil, 2843 Stimmen), Nathanael Trüb (SVP 2396 Stimmen), Franklin Munishi (CVP, 1841 Stimmen), Albertina Palushi-Bullakaj (SP, 1826 Stimmen) und Donata D'Augello-Iona (parteilos, 1494 Stimmen). Für die zwei noch offenen Sitze wird Ende November ebenfalls ein zweiter Wahlgang fällig. Somit sind vor allem die Parteien gefragt, da aktuell noch kein Parteivertreter in den Schulrat gewählt ist.