Der Volksmund kennt eine besonders originelle Lebensweisheit: «Wer schon des Morgens dreimal schmunzelt, des Mittags nicht die Stirne runzelt und abends singt, dass es laut schallt, wird hundertzwanzig Jahre alt.»

Dies ist zwar etwas übertrieben, aber dennoch nicht ganz falsch: In Schweden haben Forscherinnen und Forscher herausgefunden, dass Sängerinnen und Sänger eine höhere Lebenserwartung als die übrige Bevölkerung haben.

Singende Kinder sind im Vorteil

«Singe wem Gesang geben», sagt eine Redensart. Bei ihr zucken allerdings viele Menschen die Schultern und meinen entschuldigend: «Das ist leider nichts für mich, ich habe eben kein Talent.»

Aber stimmt das wirklich? Singen ist eine Grundfähigkeit die in jedem Menschen angelegt ist. Sobald kleine Kinder ihre eigene Stimme entdecken, beginnen sie ihre Möglichkeiten auszutesten. Am Anfang der Stimmentwicklung gehen Singen und Sprechen fliessend ineinander über. Kleinkinder sind von den Möglichkeiten ihrer eigenen Stimme fasziniert.

Post inside
(Foto: pixabay Jo-B) 

Wie eine Studie an der Universität Münster in Deutschland an 500 Kindergärtnern ergab, sind Mädchen und Buben, die oft singen gegenüber ihren Kameraden im Vorteil, sie haben eine höhere Sprachkompetenz und sie können sich besser in andere einfühlen. 

Dazu ist es allerdings wichtig, dass sie nicht nur für sich alleine, sondern auch innerhalb einer Gruppe singen.

Singende Kinder haben einen besseren Zugang zu ihren Emotionen und werden dadurch intensiver in ihrer Persönlichkeitsentfaltung angeregt. Sie wirken gemäss der Studie selbstbewusster und sie trauen sich eher verbal für ihre Anliegen einzusetzen.

Kindergärtnerinnen stellen allerdings fest, dass zunehmend weniger Kinder singen wollen. Und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte diagnostizieren seit einiger Zeit vereinzelt wenig ausgebildete Stimmerbänder bei Kindern.

Als Ursache gilt, dass in vielen Familien kaum noch gesungen wird. Selbst die Lieder an Heilig Abend kommen heute oft ab CD. 

Auf diese Weise werden Mädchen und Buben nur wenig angeregt, sich immer wieder aktiv mit den Möglichkeiten ihrer Stimme zu beschäftigen und sie dabei zu entfalten.

Post inside
(Foto: pixabay intermurr) 


Singen ist ein Stresskiller

Beim Singen braucht man gar nicht auf den grossen Auftritt abzuzielen, spielerisches Summen und Trällern für sich selber wirkt sich positiv aus. Auf youtube.com findet man eine grosse Auswahl an Songs, bei der man in der Karaoke-Version in den eigenen vier Wänden oder in geselliger Runde zum eigenen Vergnügen mitsingen kann. Auch kostenlose Anleitungen zum leichteren Singen findet man auf dieser Internet-Plattform.

Beim Singen finden aufgestaute Emotionen ein Ventil, dadurch werden die Psyche und der Körper entlastet und entspannt. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass das Gehirn nach dreissig Minuten Singen erhöhte Anteile von stimmungssteigernden Botenstoffen Endorphin und von Serotonin ausschüttet werden. 

Gleichzeitig werden auch Cortisol und weitere Stresshormone abgebaut. Dadurch wird unter anderem die Verdauung verbessert. Singen stärkt zudem das Immunsystem.

Post inside
(Foto: pixabay Hans) 

In Frankfurt wurden Sängerinnen und Sänger sowie Zuhörer wissenschaftlich verglichen. Nach einer einstündigen Probe für das «Requiem» von Mozart war der Wert an Abwehrzellen gegen Krankheitserreger bei den Singenden deutlich angestiegen. 

Bei den Zuhörenden hatte sich der Wert nicht verändert. Passives Musikgeniessen hat zwar auch eine Reihe von positiven Effekten, es wirkt entspannend, harmonisierend und stimmungsausgleichend, doch weit wirkungsvoller ist aktives Singen.

Sauerstoffversorgung verbessert sich

Insbesondere der Atemprozess wird während des Singens verbessert. Normalerweise wird beim Atmen nur der Brustkorb benutzt, trainierte Sängerinnen und Sänger bewegen zusätzlich das Zwerchfell und atmen in den Bauchraum. Dabei entspannen sie den Brustkorb und sie kräftigen die Rückenmuskulatur. Das Herz-Kreislaufsystem wird aktiviert und damit die Durchblutung im Körper verbessert. Gleichzeitig nimmt auch die Sauerstoffversorgung des Organismus zu.

Experten betonen, dass regelmässig Singende körperlich ungefähr gleich fit sind wie Personen, die leichten Ausdauersport betreiben. Zusätzlich gelten Sängerinnen und Sänger als sehr umgängliche Menschen. 

Immerhin weiss der Volksmund schon seit langem: Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder.