Seit mittlerweile acht Jahren wird der so genannten Entwicklungsschwerpunkt Wil West geplant. Auch wenn bis zum Baustart noch fünf weitere Jahre ins Land ziehen, werden die Pläne immer konkreter. Sie sind mittlerweile so anschaulich, dass sich Anwohner dafür zu interessieren beginnen. Dies wurde an einem Infoanlass des Hauseigentümerverbandes Wil und Umgebung am Mittwochabend deutlich, der in der Autowelt von Rotz – auf dem Gebiet von Wil West gelegen – durchgeführt wurde.

In der abschliessenden Fragerunde gaben vor allem ergänzende Massnahmen zu reden. Zum Beispiel die Entlastung Nord. Dabei handelt es sich um eine Strasse, welche vom Wil West nach Bronschhofen führt. Das Problem: Der Bund hat dieser Massnahme bei der Prüfung nur Priorität B gegeben. Will heissen, dass er sich in den nächsten Jahren nicht finanziell daran beteiligt. Der Thurgauer Kantonsingenieur Andy Heller sagte, dass dies nicht mit dem Reifegrad der Massnahme zu tun habe, sondern lediglich damit, dass die Finanzierung des Bundes für alle Schweizer Massnahmen begrenzt sei und für die Netzergänzung Nord das Geld nicht ausgereicht habe. Das könne sich zu einem späteren Zeitpunkt aber ändern. Zwar wurde nach Bekanntwerden der Priorisierung seitens der Wil-West-Verantwortlichen versucht, ein «A» zu erwirken. Ob dies gelungen ist, darf aber bezweifelt werden. «Diese Ergänzungsstrasse wird kommen. Die Frage ist nur, wann», sagte Heller. Trotzdem gab es Kritik eines Anwohners wegen der Strassenführung. Heller ergänzte, dass die Detailplanung noch nicht erfolgt sei.

Grünaustrasse: Interpellations-Antwort hängig
Auch die Wiler Grünaustrasse ist in der Diskussion um Wil West ein Thema. Die geplante Verbindungsstrasse vom Gamma-Kreisel zur Konstanzerstrasse, welche von den Wiler Stimmbürgern vor rund 15 Jahren an der Urne mit 57 Prozent Nein-Stimmen verworfen worden war, ist nun wieder auf dem Tisch und im so genannten Agglomerationsprogramm dritter Generation, in welchem alle Massnahmen gebündelt sind, explizit aufgelistet. Der Bund ist bereit, sich finanziell an der Grünaustrasse zu beteiligen, wenn auch noch nicht sofort. Die Priorisierung ist mit "B" festgelegt. «Die Strasse hat heute eine andere Bedeutung als vor 15 Jahren, da sie in einem Gesamtkontext steht», sagte der zuständige St. Galler Regierungsrat Marc Mächler, um dann nachzuschieben: «Die Bürger können gescheiter werden.»

Vorerst ist aber die Frage zu klären, ob anstelle der Grünaustrasse eine Tunnelvariante zielführender wäre. Eine entsprechende Interpellation wurde vor den Sommerferien durch die Wiler SVP eingereicht. Eine Antwort des Stadtrats lässt noch auf sich warten. Dafür wählte Regierungsrat Mächler deutliche Worte. Er sagte: «Wir von Kanton wollen, dass die technische Machbarkeit eines Tunnels geprüft wird.»

Baustart in fünf Jahren
Das Gesamtprojekt Wil West wurde von den Hausbesitzern nicht in Frage gestellt und mehrfach gelobt. Auf dem Gebiet zwischen Wil, Sirnach und Münchwilen sollen in den nächsten Jahren 2000 bis 3000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Von Grossbetrieben bis zum KMU ist alles vorstellbar. Bundesgelder sind auch für eine neue Autobahnausfahrt in Aussicht gestellt. Geplant ist die Zu- und Abfahrt über einen 80 Meter grosser Kreisel. Zudem wird ein neuer Bahnhof der Frauenfeld-Wil-Bahn in diesem Gebiet gebaut – womöglich ein zweiter an der Thurbolinie Wil-Weinfelden auf Ortsgebiet Bronschhofen. Der Streckenverlauf der Frauenfeld-Wil-Bahn wird verlegt. Der Bund hat zugesichert, sich mit 37 Millionen Franken an Wil West und den dazugehörigen Massnahmen zu beteiligen. Baustart soll gemäss jetzigem Planungsstand im Jahr 2023 sein. Ingenieur Heller rechnet mit einer Umsetzungszeit von zehn Jahren.