Insgesamt ging die Kriminalität im Kanton St. Gallen leicht zurück, um 6 Prozent. Gemäss Mitteilung der Kantonspolizei (Kapo) ist dies jedoch vor allem auf die Abnahme bei den Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz zurückzuführen. Diese wiederum sei auf den seit 1. März 2019 möglichen straffreien Einzug von Kleinstmengen von Marihuana, Kokain und Heroin zurückzuführen. Die Statistik der Kapo gibt Auskunft über die verzeigte Kriminalität im Kanton im Jahr 2019. 4251 Straftaten wurden in der Polizeiregion Fürstenland-Neckartal gezählt. Das sind 269 mehr als im Jahr 2018. 

Doch der gesamthafte Rückgang täuscht. Die schweren Gewaltdelikte, also Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen, schwerer Raub und Vergewaltigungen, haben kantonsweit um 67 Prozent zugenommen. Dabei fällt im Vergleich zwischen 2018 und 2019 besonders der Anstieg bei den Vergewaltigungen auf: von 18 auf 45 Fälle. Die Opfer waren allesamt Frauen. In der Region Fürstenland-Neckertal wurden 10 Vergewaltigungen gezählt, 5 davon in Wil. Auch das einzige Tötungsdelikt in der Polizeiregion wurde in Wil begangen. Alle 11 Tötungsdelikte im Kanton St.Gallen wurden aufgeklärt.

Wil und Flawil mit den meisten Delikten pro Einwohner

Die Region Fürstenland-Neckertal, zu der der Raum Wil gehört, ist mit etwas mehr als 132 000 Einwohnern der bevölkerungsstärkste des Kantons. Bei den Straftaten gab es hier einen Anstieg um 7 Prozent, von 3982 auf 4251 Straftaten. In Wil betrug der Anstieg 6 Prozent, in Kirchberg 15 Prozent und in Flawil 17 Prozent. In Oberuzwil dagegen gingen die Straftaten im Vergleich mit 2018 um 22 Prozent zurück. In Wil (107), Flawil (63) und Uzwil (53) wurden die meisten Fahrzeuge gestohlen. Das häufigste Delikt war in allen Gemeinden der Diebstahl, gefolgt von Sachbeschädigung, wobei letztere oft im Zusammenhang mit Diebstählen begangen wurde.

Die «Häufigkeitszahl» beziffert die Anzahl Gesetzesverstösse pro 1000 Einwohner. Das kantonale Mittel liegt für 2019 bei knapp 37. Diese Zahl ist in städtischen Gebieten in der Regel höher. So liegt Wil mit 54.7 Delikten pro 1000 Einwohnern in der «Spitzengruppe». Nur St.Gallen und grenznahe Gemeinden haben eine höhere Häufigkeitszahl. Ebenfalls über dem kantonalen Mittel liegt Flawil mit 41.2 (Vorjahr: 35.1). Den markantesten Rückgang in der Region hat auch hier Oberuzwil zu verzeichnen: Statt 31 gab es im Jahr 2019 nur noch 24.5 Straftaten pro 1000 Einwohner.

Weniger Drogendelikte dank Einzug von Kleinstmengen

Wohl auch Aufgrund des straffreien Einzugs von Kleinstmengen gingen die Drogendelikte in fast allen Gemeinden zurück, teilweise markant. In Uzwil etwa fielen sie von 46 Delikten im Jahr 2018 auf 21 im Jahr 2019: minus 54 Prozent. Einzig in Bütschwil-Ganterschwil stieg die Zahl von 6 auf 9 Delikte.