«Bei den Arbeiten am Vorprojekt der von Jonschwil, Uzwil, Wil und Zuzwil gemeinsam geplanten regionalen ARA in Niederuzwil sind erste Richtungsentscheide gefallen», wird in der aktuellen Ausgabe der «Gemeinde aktuell» der Gemeinden Jonschwil, Schwarzenbach, Bettenau und Oberrindal. Die Firma Hunziker Betatech AG habe Varianten erarbeitet, wie die Abwässer von den heutigen ARA Wil, Jonschwil und Zuzwil nach Niederuzwil geführt werden können. Dazu sei das Gebiet zwischen Wil und Niederuzwil in fünf Abschnitte unterteilt worden. Fachexperten sowie Vertreter der Gemeinden und des Kantons St.Gallen haben die Lösungsvarianten pro Abschnitt diskutiert und bewertet. «Anschliessend hat die von der Planungsgemeinschaft eingesetzte Lenkungsgruppe die aus ihrer Sicht beste Zuleitungsroute ausgewählt», heisst es im «Gemeinde aktuell» weiter. 

Doch wie soll das Ganze genau aussehen? Von der ARA Freudenau bei Wil sollen die Abwässer via Kantonsbrücke über die Thur zur ARA Jonschwil geführt werden. Dort werden sie auf die Höhe von Niederstetten gepumpt, um anschliessend unter Ausnutzung des Gefälles in einer sogenannten Freispiegelleitung bis nach Niederuzwil fliessen zu können. Das dafür vorgesehene Trassee verläuft entlang der Niederstetten-, Salen- und Stettenstrasse nach Henau, das via Stettenstrasse durchquert wird. Nach Henau vereinigt sich die Leitung mit der Zuleitung aus der ARA Zuzwil, deren Abwasser mit Pumpenergie entlang der beim Gillhof geplanten Fussgängerbrücke über die Thur geleitet wird. Ab Henau wird das Abwasser via Sportplatz und entlang der Autobahn bis zum Gelände der heutigen ARA Niederuzwil geleitet. 

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(Grafik pd)

Maximaler Schutz von Grundwasser und Kulturland

«Die ausgewählte Zuleitungsvariante überzeugt aus mehreren Gründen», heisst es in der aktuellen Ausgabe der «Gemeinde aktuell» weiter. Erstens umfahre sie sämtliche Gewässerschutzzonen mit deutlichem Abstand und trage damit dem Schutz des Grundwassers grösstmögliche Rechnung. Zweitens orientiere sich die Leitungsführung wo immer möglich an bestehenden Strassen- und Brückeninfrastrukturen. Durch diese Bündelung der Infrastruktu- ren minimiere sie den Verbrauch von Kulturland und die Beeinträchtigung von Privatgrundstücken. Drittens werde bei dieser Zuleitungsroute bewusst auf kostenintensive, mit Risiken behaftete Bauverfahren verzichtet: «Die Leitun- gen können zum grossen Teil im offenen Grabenverfahren verlegt werden. Topographische Hindernisse werden mittels Pumpenergie überwunden, statt sie in tiefliegenden, begehbaren Stollen zu unterqueren.

Volksabstimmungen voraussichtlich Ende 2021

Auch bei der Planung der ARA sind erste technische Entscheide gefallen. Die beauftragte Ingenieurgemeinschaft Kuster+Hager Ingenieurbüro AG/Holinger AG hat verschiedene Verfahren für die biologische Reinigungsstufe evaluiert. Gemäss ihrer Empfehlung soll ein sogenannter «Sequencing Batch Reactor» (SBR) realisiert werden. «Dieses innovative und etablierte Verfahren überzeugt durch tiefe Kosten und einen niedrigen Platz- und Energieverbrauch» . In weiteren Arbeitspaketen stehen die künftige Trägerschaft der gemeinsamen ARA, die Verteilung der Kosten auf die beteiligten Gemeinden sowie organisatorische und betriebliche Fragen im Zentrum. «Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Volksabstimmungen über den Beitritt zur Trägerschaft der gemeinsamen ARA, die voraussichtlich Ende 2021 stattfinden werden», wird in «Gemeinde aktuell» erklärt. Heissen die Stimmbürger der Gemeinden das Vorhaben gut, könnten die Bauarbeiten – je nach Verlauf der Planungs- und Bewilligungsschritte – etwa Mitte 2023 beginnen und die gemeinsame ARA ihren Betrieb ab dem Jahr 2028 aufnehmen.

Gemeinsames Generationenprojekt heisst «ARA Thurau»

Die Planungsgemeinschaft hat weiter beschlossen, dass das bisher unter dem Arbeitstitel «ARA Region Wil-Uzwil» vorangetriebene Projekt neu den Namen «ARA Thurau» tragen soll. «Er unterstreicht die Bedeutung des Genera- tionenprojekts für die Wasserqualität der Thur und die zahlreichen wichtigen Trinkwasserfassungen in ihrem Ein- flussbereich», heisst es vonseiten der Gemeinde. Die ARA Thurau werde den Eintrag von Mikroverunreinigungen in die Thur und in die angrenzenden Ökosysteme und Naherholungsgebiete in der gesamten Region zwischen Wil und Uzwil substanziell reduzieren.

Breite Kommunikation zum Projekt

Mit Blick auf die Volksabstimmungen wird die Information der Öffentlichkeit über das Projekt intensiviert. Auf der Projektwebseite www.ara-thurau.ch sind ab sofort Hintergründe, News und Wissenswertes zur ARA Thurau auf- geschaltet. Am 18. und 19. Februar sind die Bürger der Region Wil-Uzwil zwischen 19 und 21 Uhr eingeladen, sich an Bürgerforen im Gemeindehaus Uzwil vertieft zu informieren und den Fachexperten und Vertretern der Lenkungsgruppe Fragen zu stellen. (pd)

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Zu den Kosten gibt es weiterhin keine Infos (5.11.2019):

In Niederuzwil soll die gemeinsame Abwasserreinigungs-Anlage der Gemeinden Wil, Uzwil, Zuzwil und Jonschwil gebaut werden. Auch Oberuzwil wäre angeschlossen. In den letzten Monaten ist es ruhig geworden in dieser Thematik. Am Montagabend gab es nun aber in Uzwil Informationen aus erster Hand. hallowil.ch zeigt auf, was Sie wissen müssen – und was noch unklar ist. Zwar laufen die Planungen für die regionale Kläranlage in Niederuzwil schon seit circa drei Jahren, und trotzdem ist man noch eher am Anfang. In rund zwei Jahren soll Ende 2021 die Volksabstimmung erfolgen und im Jahr 2028 die Errichtung erfolgt sein.

Doch worum geht es eigentlich? Statt die Abwasserreinigungs-Anlagen (ARA) der Region Wil einzeln zu sanieren, wird eine gemeinsame Anlage geplant. Diese soll am topographisch niedrigsten Punkt errichtet werden – nämlich in Niederuzwil am Ort der heutigen Kläranlage. Die Lage dort ist gut, weil das Wasser mit wenig Pumpaufwand von den umliegenden Gemeinden zugeführt werden kann. Die Planungen wurden angeschoben, weil die Wiler ARA demnächst erneuert werden müsste und zudem eine neue Reinigungsstufe gegen Mikroverunreinigungen gefordert wird. Wird diese eingeführt, übernimmt der Bund satte 75 Prozent der Errichtungskosten.

Heisse Fragen noch offen

Darum haben sich die Gemeinden Wil, Uzwil, Zuzwil und Jonschwil zusammengetan, um diese gemeinsame ARA zu planen. Erstmals war im Sommer des vergangenen Jahres über dieses Vorhaben öffentlich informiert worden. In den letzten Monaten ist es ruhig geworden.

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ARA-Niederuzwil-Projektleiter Michael Wächter: «Eine moderne Kläranlage stinkt heute nicht mehr.»

Dies änderte sich am Montagabend, als an einem Anlass der FDP Uzwil Projektleiter Michael Wächter über den aktuellen Stand informierte. Doch im Grundsatz ist seit der ersten Informationswelle im Sommer 2018 nicht viel Neues dazugekommen. «Die Planer sind am Planen», sagte Wächter. Konkrete Infos zu heissen Fragen konnten mit Verweis auf das frühe Planungsstadium noch nicht gegeben werden. So ist zum Beispiel weiterhin nicht klar, was diese Anlage kosten wird. Es wurde auch nicht kommuniziert, welcher Betrag in die Planung investiert wird. Fakt ist, dass die Rohre nicht durch den Grundwasser-See in der Thurau führen dürfen. Und was passiert, wenn das Volk an der Urne in mindestens einer der vier Gemeinden Nein sagt zu diesem Projekt? Auch darauf gibt es noch keine Antwort. «Es ist das Ziel, dass alle vier zustimmen», sagte Wächter. Darum sei ein Kommunikationsexperte engagiert worden.

Gestank befürchtet

Gerade in Niederuzwil haben allerdings nicht alle Freude daran, dass sie das Dreckwasser der ganzen Region aufnehmen und reinigen sollen. Manch einer sähe es gerne, wenn die Stadt Wil als grösster Lieferant eine eigene Lösung suchen würde. Zudem wird Gestank befürchtet. «Moderne Kläranlagen stinken nicht mehr, wenn man nicht gerade die Nase in den Rechen steckt», sagte Wächter. Und weiter. «Bei den Kosten gilt das Verursacherprinzip. Wer am meisten liefert, muss auch am meisten zahlen.»

Die Räte der vier Gemeinden stehen hinter dem ARA-Projekt. Logischer Weise, hätten sie sich doch sonst nicht zur Planungsgruppe Wil-Uzwil zusammengeschlossen. Das Präsidium obliegt Luca Keel, dem Gemeindepräsidenten von Uzwil.