Am Mittwoch, 5. Juni, fand ein Informationsabend zur geplanten Neuorganisation der Kirchberger Schulen statt. An diesem Anlass haben die Ortsparteien die Gelegenheit genutzt, um den 50 anwesenden Bürgern ihre Sicht der Dinge zu präsentieren. Nun kommen auch schon erste Reaktionen von Bürgern. So schickt Raphael Fust einen Brief nicht nur an den Schul- und Gemeinderat, sondern händigt seine Stellungnahme auch den Medien aus. «Ich möchte den Schulrat anfragen, weshalb im amtlichen Publikationsorgan und auch im Geschäftsbericht der Gemeinde nie über dieses Projekt berichtet wurde?», schreibt Fust direkt. Weiter: «Und das obwohl Gemeinderat und Schulrat gemäss Gemeindegesetz verpflichtet sind, die Bürgerschaft über wichtige Angelegenheiten der Gemeinde zu informieren». Denn die Öffentlichkeit sei erstmals im Gemeindeblatt am 10. Mai über das Vorhaben des Schulrates, sich zu verkleinern und dafür eine zusätzliche Führungsebene im Verwaltungsbereich der Schulen einzubauen, informiert worden. «Damit sich die interessierten Bürger selbst ein Bild von den möglichen positiven oder negativen Folgen der Änderung der Gemeinde- und Schulordnung machen können, sind meines Erachtens durch den Schulrat einige Fragen im Gemeindeblatt zu beantworten», ist Fust überzeugt. 

So fragt Fust in seinem Brief beispielsweise: «Welche neuen Rahmenbedingungen gelten für die Mitarbeiter der Schulen Kirchberg, die einen wichtigen Grund für die Reorganisation bilden?» Oder: «Wie wird die Effizienz im Alltag konkret gesteigert, wenn eine zusätzliche Führungsebene in der Schulverwaltung eingebaut wird?» Ausserdem fordert er in seinem Schreiben auch einige Punkte. «Gemäss Bericht im Gemeindeblatt ist die Auslastung der Schulleitungen aktuell hoch. Ich bitte den Schulrat, den Stellenplan von Schulleitungen und Schulverwaltung zu veröffentlichen mit den im Jahr 2017 und 2018 geleisteten Überstunden der einzelnen Abteilungen.» Und: «Ich bitte den Schulrat die Einstufung der vorgesehenen neuen zwei Geschäftsführer gem. Besoldungstabelle und deren Stellenprozente anzugeben. Gleichzeitig sind die vorgesehenen zusätzlichen Infrastrukturkosten für die Arbeitsplätze der Geschäftsführer aufzulisten.» (red)

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Anfang Juni hat «hallowil.ch» über die Reorganisation der Schulen Kirchberg Folgendes berichtet:

Die dreiköpfige Geschäftsleitung – darin auch Schulratspräsident Orlando Simeon – soll in den Schulen Kirchberg künftig eine zentrale Rolle spielen. Schlankere Prozesse, raschere Entscheide, aber vor allem auch eine Stärkung der Führung in den Schuleinheiten vor Ort sprechen aus der Sicht der FDP für die Neuorganisation. Zwar sehen die Freisinnigen die Mehrkosten durch diese Neuorganisation: «Auf den ersten Blick entstehen 95 zusätzliche Stellenprozente. Dies jedoch nur im Vergleich zum Vorjahr, weil die Stellen der Schulleitungen aus Rücksicht auf das Projekt nicht voll besetzt wurden», schreibt die FDP in einer Medienmitteilung. Zudem sei in den Stellenprozenten die Reduktion des heute zu stark operativ tätigen Schulrates nicht enthalten. Unter dem Strich würden die Pensen also nur moderat zunehmen.

Gestärkte Führung vor Ort

Gestärkt wird gemäss Ausführungen von Schulratspräsident Orlando Simeon mit der Neuorganisation die Führung in den Bereichen Personal und Pädagogik – also die direkte Führung in den Schulhäusern. Gerade hinsichtlich des zunehmenden Lehrermangels sei es für eine Schule wichtig, sich gut aufzustellen und damit für Lehrpersonen aber auch Schulleitende attraktiv zu bleiben. Die Bereiche Strategie und Administration werden laut der FDP auf die zwei Geschäftsführende konzentriert. Diese Aufgabengebiete seien bislang von allen Schulleiterinnen und Schulleitern wahrgenommen und damit teilweise mehrfach ausgeübt worden. «Zudem übernehmen die Geschäftsführenden Aufgaben vom Schulrat, der damit von neun auf fünf Mitglieder verkleinert werden kann. Insgesamt überwiegen damit trotz Kostenfolgen die Vorteile klar, weshalb das Projekt befürwortet wird», schreibt die FDP.

Deutliche Mehrkosten erwartet

Die Kirchberger SVP beurteilt die Situation anders. Aus ihrer Sicht sollen die Schulen als Arbeitgeber attraktiver, Entscheidungswege kürzer und effizienter, Pädagogik und Verwaltung klarer getrennt werden. Ob diese Ziele mit dem aktuellen Konzept erreicht werden, stellt die Partei in Frage. Eines sei jedoch klar: der Verwaltungsapparat werde aufgeblasen. «Mehrkosten von schätzungsweise mindestens 140'000 Franken werden entstehen», schreibt die Partei.

Es ist es geplant, eine dreiköpfige Geschäftsleitung zu installieren – ein Betreuer für die Bazenheider Schulen, einer für die restlichen Schulen und dem Schulratspräsidenten als allgemeinen Vertreter. «Die Kultur und Entwicklung der Schuleinheiten würden stark von jenen – nicht durch die Bürgerschaft gewählten – Geschäftsleitern abhängig werden. Dieses Konzept, das im Übrigen ein Pilotprojekt im Kanton darstellen würde, vermag uns nicht restlos zu überzeugen», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung.

Kleinerer Schulrat wird begrüsst

Die SVP unterstütze die Idee, Prozesse und Kompetenzen zu überprüfen und neu zu ordnen. Daraus sollte aber eine Effizienzsteigerung resultieren und nicht das Gegenteil, wie es laut Parteiangaben mit den zusätzlichen 95 Stellenprozenten der Fall wäre. «Eine Verkleinerung des Schulrates auf fünf Mitglieder begrüssen wir. Operative Aufgaben gehen vom Schulrat zur Geschäftsleitung über. Disziplinarmassnahmen sollen unserer Ansicht nach jedoch weiterhin vom gewählten Schulrat, neutral und sorgfältig geprüft, ausgesprochen werden», so die SVP. Gewisse Aufgaben der jetzigen Schulleiter würden an die Geschäftsleiter übergehen. Somit entstünde bei den Schulleitern «Luft». Aus Sicht der SVP Kirchberg sollte somit bei den Stellenprozenten summa summarum ein Nullsummenspiel resultieren und nicht 95 zusätzliche Stellenprozente «in dieser hohen Lohnklasse».

Rein weibliche Form für die SVP störend

Und noch etwas anderes ist für die SVP nicht zufriedenstellend: Nämlich, dass die neue Schulordnung in der rein weiblichen Form verfasst ist. Das erachten die Partei als nicht nötig. «Die Schulordnung hätte, wenn dies denn wirklich ein Bedürfnis ist, ja in der männlichen und weiblichen Form verfasst werden können», so die Partei. (pd/red)

Die Infoveranstaltung zur Neuorganisation der Kirchberger Schulen findet am Mittwoch, 5. Juni, 19.30 Uhr, im Restaurant Toggenburgerhof in Kirchberg statt. hallowil.ch wird über den Anlass berichten. Die Abstimmung erfolgt an einer ausserordentlichen Bürgerversammlung am 23. August.

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Diese Änderungen sind geplant:

Heute sind die Schulen Kirchberg in sechs Schuleinheiten gegliedert. Diese werden von fünf Schulleitungspersonen geführt. Diese Struktur geht auf das Jahr 2004 zurück. Damals wurden die Schulvorsteher durch die Schulleitungen ersetzt, welche durch die gesetzliche Grundlage im Kanton St. Gallen mehr Kompetenzen erhielten. Seither hat sich die politische Ausgangslage verändert. 55 der 77 politischen Gemeinden im Kanton St. Gallen haben sich als Einheitsgemeinden organisiert, was auf die Organisationsstruktur der inkorporierten Schulgemeinden einen Einfluss hat – so auch in Kirchberg.

Es ist aber nicht nur die politische Ausgangslage, welche den Schulrat veranlasst hat, den Organisationsaufbau der Schulen Kirchberg an die zukünftigen Bedürfnisse auszurichten. Vielmehr sind es die pädagogischen Rahmenbedingungen, welche von der Schulführung veränderte Ansprüche verlangen. Die Vorgaben des Bildungsdepartementes verschieben Aufgaben und Verantwortungen auf die kommunale Ebene. Gleichzeitig hätten sich die Ansprüche unserer Gesellschaft gegenüber den Schulen in den vergangenen 15 Jahren verändert und die Zusammenarbeit mit den Eltern hat sich gewandelt. Es würden aber auch immer mehr ausserschulische Ansprüche gegenüber den Schulen gestellt, wie Tages- und Hausaufgabenbetreuung, Mittagstisch oder die ganze Förderung im Vorschulalter, schreibt die Gemeinde Kirchberg im aktuellen Mitteilungsblatt.

So sieht die Organisation aus

Weiter sind die Rahmenbedingungen, welche für die Mitarbeitenden der Schulen Kirchberg gelten, ein wichtiger Grund für die Restrukturierung. «Die Personalführung muss so ausgerichtet sein, dass wir auch in Zukunft attraktive Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen gewährleisten können. Mit zufriedenem und motiviertem Personal kann eine qualitativ hochstehende Ausbildung an unseren Schulen sichergestellt werden», ist weiter zu lesen.

Die neue Struktur sieht ein 3er-Gremium in der Geschäftsleitung vor. Unter der Leitung des Schulratspräsidenten wird ein Geschäftsführer den Bereich Kirchberg – also die Schuleinheiten in Kirchberg, Gähwil und Dietschwil – und ein Geschäftsführer den Bereich Bazenheid – also die Schuleinheiten in Bazenheid – führen. Zudem nimmt der Leiter der Schulverwaltung mit beratender Stimme an den Geschäftsleitungssitzungen teil, um die Effizienz der internen Abläufe sicherstellen zu können. Alle Schuleinheiten werden wie bisher vor Ort von einer Schulleitung geführt. Diese stellen den operativen Schulalltag sicher, die Geschäftsführenden die strategischen Aufgaben der ihnen zugewiesenen Schuleinheiten.

Stellenausbau bei der Führung

Der Schulrat verantwortet die Strategie der Schule auf politischer Ebene. Die Geschäftsleitung übernimmt die strategische Führung auf pädagogischer Ebene und die Schulleitungen und Lehrpersonen setzen diese Vorgaben operativ in den Schuleinheiten um. Die Aufgaben, Verantwortungen und Kompetenzen sollen dort liegen, wo Entscheidungen getroffen werden. Gleichzeitig soll auf die geografischen und sozialen Gegebenheiten in den Schulstandorten Rücksicht genommen werden.

Die Auslastung der Schulleitungen ist aktuell hoch. Während den Vorarbeiten zum Projekt wurde eine Erhöhung der aktuell 355 Stellenprozente auf die laut dem Verband St. Galler Volksschulträger empfohlenen 400 Stellenprozente für die rund 1200 Schüler in der Gemeinde zurückgestellt. Damit waren Mehrkosten von jährlich circa 75'000 Franken schon früher ausgewiesen, aber nicht umgesetzt worden. Mit der Einführung der neuen Führungsstruktur wird der Schulrat von neun auf fünf Mitglieder verkleinert. Im Gegenzug wird in der Führung eine Erhöhung von 400 auf 450 Stellenprozente vorgenommen. Dadurch entstehen zusätzlich projektbedingte Mehrkosten von jährlich rund 85'000 Franken. Im Vergleich zu heute entstehen mit der neuen Führungsstruktur Mehrkosten von total rund 160'000 Franken. Insgesamt wird mit den Anpassungen laut der Gemeinde Kirchberg eine effizientere und effektivere Aufgabenerfüllung in den Schulen Kirchberg sichergestellt.

Stellenausschreibungen im Herbst

Die Anpassungen sollen ab dem Schuljahr 20/21 vorgenommen werden, sofern die Stimmbevölkerung das Projekt gutheisst. Die angepasste Gemeindeordnung wird der Bürgerschaft an einer ausserordentlichen Bürgerversammlung am 23. August vorgelegt. Anschliessend ist die neue Schulordnung zu erstellen und dem fakultativen Referendum zu unterstellen. Werden die Änderungen an der Gemeindeordnung sowie die neue Schulordnung angenommen, so werden die Stellen zwischen Herbst 2019 und Ende Februar 2020 neu besetzt. Die Umsetzung würde ab dem Schuljahr 2020/2021 erfolgen. (gk/red)