Um den Pankratiusbrunnen auf dem Hofplatz wird endlich der Platz knapp. Zwischen Essensständen und unter einem Querbalken, verziert mit Tannenzweigen und Lichtgirlanden, drängen sich die Leute am Freitagabend aufwärts, abwärts und auf der Stelle. Aus den Hütten dampft und duftet es, das Licht der künstlichen Kerzen auf dem Hofbrunnen taucht die Fassaden der Riegelhäuser in festliches Zwielicht.

Es ist dieses weihnächtliche Gequetsche, das Besucherin Tanja Dudli aus Wil in der Oberen Bahnhofstrasse vermisst. Mit einem Becher dampfendem Glühwein in der Hand sagt sie: «Man hat hier etwas zu viel Platz.» Die neue Ausrichtung der Stände, bei der immer abwechselnd ein Häuschen auf die eine, das nächste auf die andere Seite schaut, hatte schon im Vorfeld des Weihnachtsmarkts zu Reden gegeben. Tanja findet: «Ein enger Korridor zwischen den Ständen wäre besser für die Atmosphäre.» Drei Besucherinnen aus Rossrüti pflichten bei: «Viele bleiben wahrscheinlich auf einer Seite.» Neben Tanja steht ihr Freund Adrian, ebenfalls mit Glühwein in der Hand. Er äussert eine andere Kritik: «Ich hätte gerne etwas Musik.» Sie seien an den Weihnachtsmarkt gekommen, um «das Wochenende «romantisch einzuläuten», wie Tanja sagt. Dann nehmen sie Kurs auf die Altstadt.

Verhaftung am Weihnachtsmarkt

Die Weierstrasse ist wie die Grenze zur altstädtischen Zauberwelt, eine Verkehrskadettin die Wächterin. Kurz vor dem Fussgängerstreifen spielt sich kurz vor Sieben ganz unweihnächtlich noch eine Verhaftung ab. Ein Mann liegt bäuchlings am Boden, die Hände auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt, darauf kniet eine Polizistin. Dann winkt die Verkehrskadettin die Wartenden auf die andere Seite, wo in der Marktgasse Christbaum, Samichlaus und ein Weihnachtslieder singender Chor auf sie warten. Tradition und Innovation stehen hüttenweise nebeneinander. Vor der grossen geschmückten Tanne werden dampfende Maroni verkauft, daneben Halloumi Fries. Weitere Optionen sind veganer Risotto und Wasserbüffel-Hamburger. Der Duft von Glühwein vermischt sich mit dem von «Aperol Hot», der von Glühmost mit dem von «Glögi», einem finnischen Weihnachtspunsch. Zu kaufen gibt es Körpercremes und Krippenfiguren, Christbaumkugeln und mit lustigen Mottos bedruckte Autonummernschilder. 

Wollfrau: Die Standmiete ist teuer

In einer Hütte an der Kirchgasse sitzt Franziska Meier. Seit 15 Jahren bringt sie ihre Wollsachen auf Weihnachtsmärkte. Das Geschäft harzt, wie sie erzählt. Früher sei ein Häuschen mit Beleuchtung für das ganze Wochenende für rund 200 Franken Miete zu haben gewesen. Heute koste das über 500 Franken. Ein weiteres Problem sei die inzwischen zu hohe Dichte an sich konkurrierenden Weihnächstmärkten. Meier nimmt als Beispiel das vorletzte Wochenende, an dem in einem Umkreis von 20 Kilometer 12 Weihnachtsmärkte stattgefunden hätten. Vor allem wer, wie sie, kleinere, einzeln nicht so teure Artikel verkaufe, habe es immer schwerer, finanziell «ebenaus» zu kommen. Wenigstens laufe es ihr am Wiler Weihnachtsmarkt besser als anderswo, sagt Meier.

Ein paar Meter die Kirchgasse hinunter drehen auf einem Karussell Kinder mit Chlausmützen ihre Runden. Davor bahnen sich Samichlaus und Schmutzli samt Esel einen Weg durch die Menschen. Sie kommen kaum vorwärts. So muss es sich anfühlen, das festliche Gequetsche.

Der Wiler Weihnachtsmarkt läuft noch bis am Sonntag.