Am Freitag treffen sich die Mitglieder des Vereins Kloster Fischingen zur Generalversammlung. Was sie in der alt-ehrwürdigen Bibliothek unter «Finanzen» zu hören bekommen, dürfte sie nicht freuen. Denn auch 2018 hat sich fortgesetzt, was schon in den Jahren zuvor festgestellt worden war. «Auch bei bestem Geschäftsgang der eigenen Betriebe reichen die Erträge nicht aus für alle finanziellen Verpflichtungen», schreibt Kloster-Direktor Werner Ibig im Jahresbericht. Oder anders formuliert: Mit den Einnahmen hapert es. «Ein Hotel mit 30 Zimmern und eine Schreinerei mit je zwei Schreinern und Lehrlingen bringt nicht genug Ertrag, um die Kosten zu decken, welche die Erhaltung, Erneuerung und Belebung des Kloster Fischingen verursacht», so Ibig weiter.

Erschwerend kommt dazu, dass die Spenden und Legate in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sind. Vor allem religiös begründete Zuwenden schwinden dramatisch. Von solchen hat der Verein Kloster Fischingen seit seinem Bestehen bis vor wenigen Jahren noch wesentlich gelebt. «Eine erdrückende Mehrheit an Menschen glaubt zudem, dass wir regelmässig staatliche Unterstützung erhalten. Wir bekommen aber nur Zuschüsse für bewilligte, denkmalpflegerische Massnahmen sowie einen Betrag an unser Kulturprogramm dank einer Leistungsvereinbarung mit dem Kulturamt», so Ibig.

Hotel-Auslastung bei unter 50 Prozent

In Zahlen hat sich das vergangene Jahr wie folgt niedergeschlagen. Die Belegung im 3-Sterne-Seminarhotel war mit genau 6093 belegten Betten besser als in den beiden Jahren zuvor, allerdings deutlich weniger gut als im Rekordjahr 2015 mit 6750 belegten Betten. Die Belegung entspricht auch nach fünf Jahren noch immer nicht dem, was im Jahr 2012 erstellten Businessplan erwartet worden war. Nicht einmal jedes zweite Bett war belegt. Eine Fehleinschätzung also? «Schaut man nur auf die effektiv realisiert Betreuung, muss man von einer Fehleinschätzung sprechen. Das Potential für weit über 6000 Übernachtungen wäre da. Aber es gelingt uns nicht, die mögliche Auslastung zu erreichen, weil sie sich nicht gemäss unseren Kapazitäten verteilen lässt», ist im Jahresbericht zu lesen. Mit mindestens zehn zusätzlichen Gästezimmern könnte man die Auslastung deutlich verbessern. Was tun? «Nach vier Jahren ist definitiv klar, dass es eine Reduktion der Miete braucht, was zu einer Mehrbelastung des Vereins Kloster Fischingen als Eigentümer der Liegenschaft führt», sind sich Ibig und Hotel-Leiter Lukas Höhn einig.

Alles in allem wurde im vergangenen Jahr ein Verlust von fast 350'000 Franken eingefahren. Das Eigenkapital schwindet bedrohlich und beträgt nur noch gut 1,1 Millionen Franken. Bereits Ende 2020 dürfte es aufgebraucht sein, wenn nichts gemacht wird.

Strukturanpassungen werden geprüft

Gefordert ist nun der Vorstand des Kloster-Vereins, dessen vordringliche Aufgabe es ist, finanzielle Mittel zu beschaffen. Seit einem Jahr steht Bruno A. Hubatka als Präsident dem Verein vor. Er scheibt im Jahresbericht: «Bei allen bestehenden Betrieben wird sich der Vorstand immer wieder die Frage stellen müssen: Was bringt dem Verein mehr: Die Einstellung oder die Fortführung?» Ob und in welcher Form Strukturänderungen vorgenommen werden, wird nun durch den Vorstand überprüft. «Wir wissen noch nicht, wohin der Weg führen wird. Ich bin aber überzeugt, dass es uns gelingt, das Kulturgut Kloster Fischingen nicht nur zu bewahren, sondern auch zu fördern», so Hubatka.

Der Vereinspräsident fordert Geduld und Beharrlichkeit. Viel Zeit ist aber nicht mehr vorhanden. Werden bis Ende 2020 keine neuen Geldquellen erschlossen, müssen der Betrieb und die Massnahmen zum baulichen Unterhalt des Klosters minimiert oder gar gestoppt werden. Es wäre das Worst-Case-Szenario.