Für den Frühlingsanlass wählte die CVP60+ einen informativen Vortrag über die Rettung bei Lebensbedrohung. Joachim Krump, operativer Leiter „Rettung St.Gallen“ stellte die Entwicklung, den Aufbau und die Funktion der Organisation vor.Im Gewölbekeller des Hofs zu Wil waren am CVP 60+-Bildungsvortrag gegen 80 Sitzplätze besetzt. Die interessierten Frauen und Männer liessen sich durch den kompetenten Referenten über die vor vier Jahren zusammengeführte „Rettung St.Gallen“ aufklären. Bei der Begrüssung machte Fredy Rüegg auf die Aktivitäten des Forums CVP60+ aufmerksam, das regelmässig interessante Vorträge und Exkursionen für die ältere Generation veranstaltet. Die Organisatoren leisten ihre Arbeit ehrenamtlich. Dank der kostenlosen Benutzung des Gewölbekellers und dem Entgegenkommen der Referenten, welche ebenfalls ohne Entschädigung mitmachen, können die Veranstaltungen gratis angeboten werden.

Grosse Erfahrung
Der Referent Joachim Krump, der sich selber als Dreiviertel-Wiler bezeichnet, stellte sich selber vor. Er wuchs in Konstanz auf und arbeitet seit 1980 in der Schweiz im Rettungsdienst (RD). Nach Arbeitsstellen im Kanton Zürich übernahm er 2001 die Leitung des Bereichs Rettung am Spital Wil. Anfang 2014 vereinten sich die bisher unabhängigen Rettungsdienste der drei Spitalverbunde St.Gallen, Rheintal-Werdenberg-Sarganserland und Fürstenland-Toggenburg unter dem Namen Rettung St.Gallen. Krump wurde dank seiner grossen Erfahrung im Rettungswesen als operativer Leiter eingesetzt.

Nach dem spannenden Vortrag beantwortete Joachim Krump einige Fragen aus dem Publikum. Ob nachts ein Rettungsfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn ausrücke, wollte ein Zuhörer wissen. Das werde je nach den Verkehrsbedingungen entschieden und liege im Ermessen des RD. Bezüglich Verkehrsverhalten müsse sich das Team im Prinzip an die gesetzlichen Vorschriften halten. Die Oberstufenschülerin Alexandra Regius nahm mit dem Referenten Kontakt auf, weil sie für ihre Abschlussarbeit in der dritten Sekundarklasse an der Oberstufenschule Sproochbrugg das Thema „Ein Tag eines Rettungssanitäters“ wählte. Auch andere Teilnehmende suchten den persönlichen Kontakt mit Krump.

Grundlegende Veränderungen
Bei Unfällen oder medizinischen Notfällen ist schnelle und zuverlässige Hilfe von lebensrettender Bedeutung. 2015 hat sich der Leistungsauftrag der St.Galler Regierung an den Rettungsdienst verschärft: Neu müssen die Rettungsequipen in 90 Prozent der Fälle innert 15 Minuten vor Ort sein. Zur Erfüllung dieses Auftrages hat die Rettung St. Gallen in ihrem 1’780 Quadratkilometer grossen Einsatzgebiet mit rund 425‘000 Einwohnern elf Stützpunkte aufgebaut. Rund 180 Mitarbeitende, davon 30 Auszubildende, und 25 Rettungsfahrzeuge mit den nötigen, modernsten Einsatzmitteln nehmen ihren Auftrag wahr. An drei Standorten sind Notärzte stationiert.
Bei einem Notruf bietet die Kantonale Notrufzentrale St.Gallen (KNZ) das am nächsten gelegene Einsatzfahrzeug auf, unabhängig von dessen ordentlichem Stützpunkt. Damit ist es möglich, 90 Prozent der Bevölkerung im Versorgungsgebiet bei einem lebensbedrohenden Notfall innert maximal 15 Minuten zu erreichen. Aufgrund der engen Hilfsfristen wurden dezentrale Stützpunkte des Rettungsdienstes bestimmt. Während früher der möglichst schnelle Transport des Notfallpatienten ins Spital im Vordergrund stand, beginnt die Therapie heute schon vor Ort. Die Rettungsfahrzeuge gleichen fahrenden Intensivstationen und sind entsprechend ausgerüstet. Damit kann der Zustand des Patienten stabilisiert und der Transport sicher durchgeführt werden.

Über 25'000 Notfalleinsätze
Das Leistungsspektrum des RD umfasst: Primäreinsätze inkl. Notarztdienst, Disposition, Sekundäreinsätze, Aus-, Fort- und Weiterbildung und weitere Geschäftsfelder. 2017 leistete die Rettung St.Gallen rund 26‘500 Primäreinsätze und 2‘600 Notarzteinsätze. Dazu mussten 1,16 Mio. Kilometer Fahrten geleistet werden. Es gingen über die Nummer 144 total 35‘000 Notrufe ein. Rettung St.Gallen generierte einen Umsatz von 26 Mio Franken. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule St.Gallen sei ein Einsatz-Simulations-Modell entwickelt worden, das die Grundlage für eine optimale Organisation bildete, erklärte der Referent. So hätten nach den Stützpunktverschiebungen die Hilfsfristen und Einsatzzahlen auch in den schwächeren Regionen stark verbessert werden können.

Unterschiedliche Tarifstrukturen
Kritisch beurteilt Joachim Krump die etwas verworrenen Tarifstrukturen in der Schweiz. Die Kosten eines Notfalleinsatzes setzen sich zusammen aus Personal- und Materialkostenanteilen, Kilometer-Entschädigungen und Pauschalen. Die Jahreskosten pro Einwohner des Einzugsgebietes betragen 59 Franken. Ob die Kosten für die Transporte durch die Rettung St.Gallen von der Versicherung übernommen werden, ist abhängig vom Versicherungsmodell des Patienten. Der Referent empfahl den Abschluss einer Zusatzversicherung, bei der die Kosten im Verhältnis zu den Selbstbehalten günstig seien. Es gäbe heute schon viele Menschen, welche die hohen Gesundheitskosten nicht mehr selber tragen können.