Die doch grössere Zahl junger Besucher zog bestimmt auch das Rätselhafte der Aufführung an. «Revolution DADA» kündigte sich nicht sehr verständlich an mit Worten wie: «Wörter in Körper, Substanzen und Aktionen zu wandeln». Verwirrend schon startete die Aufführung mit Papierfetzen über die ganze Bühne verstreut.

Aus dem Förderprogramm des Stadttheaters

Nach Jacques Erlanger, Organisator bei der Zwischennutzung des Hof zu Wil, hat sich die Theatergruppe «Rotes Velo Tanzkompanie» aus einem Förderprogramm des Stadttheaters St. Gallen ergeben. Schon vor Jahresfrist bot Erlanger der Theatergruppe in Wil einen Auftritt an, der sich damals auf dem Dachboden des Hof abspielte.

Unter den Schauspielern befinden sich nach Erlanger Tänzer auf professionellem Niveau. Unter Kompanie seien allerdings nur die sieben Personen der Schauspielgruppe gemeint, welche nun schon sieben Jahre mit 18 verschiedenen Programmen unterwegs seien. Die Leitung obliegt zwei Argentiniern. Nach Erlangers Einschätzung hat die Schauspielgruppe durchaus Potential auf internationalen Bühnen auftreten zu können.

Die Welt, ein lügenhaftes Gebilde

Die Aufführung konfrontiert den Besucher zu Beginn mit einer Reihe Entwicklungen, wie aus friedlichen Menschen sich immer mehr Feindesbilder entwickelten. Aus Freund wurde Feind, Mauern grenzten ab, Krieg und Zerstörung folgten sich.

Es habe zwar mehrere Anfänge gegeben, aber kein Ende. Auf gut verständliche Art fanden die Entwicklungen schauspielerische Darstellung. Das Eingrenzende der Sprache fand ausführliche Betonung wie: «Als hätten wir Sprache statt Finger», oder «Die Sprache ist ein erster scheuer Kuss».

Die Entdeckung, selber etwas erschaffen

Nachdenklich machte eine weitere Szene, beginnend mit Gottes Erschaffen der Erde, als Licht die anfängliche Dunkelheit erhellte. Meere, Tiere Pflanzen hätten die Erde in ein leuchtendes Dasein verwandelt.

Die Ankunft des Menschen habe zwar mit Beobachten und Staunen begonnen. Die Problematik habe sich eingesetzt, als der Mensch sich in der Fähigkeit ahnte, selber auch etwas erschaffen zu können.

Die grossflächige Informationstafel

Die grossflächige Wandtafel auf der Bühne bildet einen wichtigen Bestandteil der Aufführung, das Unaussprechliche festzuhalten. In der Fortsetzung wechseln sich die Begriffe, indem z.B. sich «Revolution» zum Begriff «Evolution» wandelt. Die sich immer schneller wechselnden Hinweise lassen den Welt-Untergang immer näherkommen.

Der Mensch will abschliessend neu entdeckt werden, dargestellt im Erwachen einer Puppe.

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Was will das Schauspiel

Die anfänglich zahlreichen Horrorszenen über das immer schrecklicher werdende Weltgeschehen, schauspielerisch mit degenerierenden Menschen dargestellt, könnte Ablehnung bewirken, dass doch nicht alles so schlecht sein kann.

Spätestens bei den Hinweisen wie der Mensch sich immer selbstherrlicher benimmt, sich immer neuer Lügen bedient, um die Wahrheit endgültig zu verbannen, ist man als Zuhörer und Zuschauer plötzlich selber angesprochen.

Das Erwachen des neuen Menschen zum Abschluss wirkt sozusagen als Aufforderung zu einem neuen Denken, das sich wieder mehr der Wahrheit verpflichtet fühlt.

nj