Fast wäre die Nachricht untergegangen. Unter dem Traktandum Mitteilungen und Umfrage platzierte Ivan Knobel seine Demission in gefühlt zwei Sätzen zwischen der pandemiebedingten Absage der Rickenbacher Neujahrsbegrüssung 2022 und dem Aufstellen von drei neuen Unterflurcontainern: Er werde bei den nächsten ordentlichen Erneuerungswahlen im September 2022 nicht mehr zur Verfügung stehen, weshalb der Neujahrsapéro 2023 für ihn der letzte als Gemeindepräsident sein werde, erklärte er lapidar – und leitete flugs zum nächsten Thema über. Auf Nachfrage unserer Zeitung nach der Versammlung erklärte Knobel, dass der Zeitpunkt für einen Wechsel an der Spitze der Kommune ideal sei. In Wilen sei seit wenigen Tagen ein neuer Gemeindepräsident im Amt. Und wenige Minuten zuvor hatte der Rickenbacher Souverän diskussionslos und einstimmig einen Kredit von 20‘000 Franken gesprochen. Mit dem Geld soll eine Fusion der beiden Politischen Gemeinden Wilen und Rickenbach durch eine Kommission vertieft geprüft werden; ein entsprechender Antrag war zuvor von der FDP Ortspartei Rickenbach-Wilen eingebracht worden. Ivan Knobel wertete das klare Votum der 73 Stimmberechtigten für den Kredit als „ein gutes Zeichen gegenüber unserer Nachbargemeinde Wilen“. Zudem seien 20 Jahre als Gemeindepräsident „einfach auch genug“, so Knobel, der ausdrücklich betonte, noch nicht zu wissen, welche berufliche Richtung er dann als 61jähriger einschlagen wird.

Ein Projekt für mehrere Generationen

Mit grossem Mehr hiess der Souverän das Budget 2022 gut, das mit einem Defizit von 160‘180 Franken bei einem unveränderten Steuerfuss von 51 Prozent rechnet. Total kalkuliert Rickenbach fürs Jahr 2022 mit Einnahmen von 7‘872‘830 Franken und Ausgaben von 8‘033‘010 Franken. Obwohl einige Votanten kritisierten, dass für einen 210 Meter langen Veloweg (inklusive gleichlanger, kostenintensiver Stützmauer) ein Kredit in der Höhe von 1,2 Millionen Franken gesprochen werden sollte, stiess das „Generationenprojekt“ bei der Abstimmung auf wenig Widerstand. Mit der Fertigstellung des ersten Teilstücks des Rad- und Gehweges vom Dorfzentrum entlang des Bahndamms in Richtung Bahnhof Wil verfolge man, so Gemeinderat Walter Rotach, das Ziel, „dass man vom ganzen südlichen Teil von Rickenbach aus keine einzige Strasse mehr überqueren muss, wenn man zukünftig mit dem Fahrrad nach Wil möchte“. Der Gemeinderat wisse, dass die 1,2 Millionen Franken „kein Pappenstiel“ darstellten, doch müsse man die zeitliche Dimension des Projekts sehen: „Wir schaffen hier etwas nicht nur für uns oder unsere Kinder und Enkel, sondern etwas, von dem die Rickenbacherinnen und Rickenbacher auch noch in drei, vier Generationen profitieren werden“, so Rotach.

Keinerlei Opposition erwuchs zwei weiteren Geschäften: der Zonenplanänderung der Sekundarschule Ägelsee (auf Rickenbacher Boden sollen 81 neue Schulparkplätze entstehen) wurde ebenso mit grosser Mehrheit zugestimmt, wie auch der Überarbeitung diverser Reglemente (Wasserversorgung, Kanalisation und Stromversorgung), die in ihrer alten Fassung zwischen 19 und 39 Jahren auf dem Buckel hatte und an der Erfordernisse der heutigen Zeit angepasst werden mussten. Das Stromversorgungsreglement tritt per 1. Januar 2022, das Kanalisations- und Wasserversorgungsreglement am 1. Juli 2022 in Kraft.