Als Ostschweizer an einem Walliser Musiktag teilnehmen? Üblich ist das nicht, aber durchaus möglich. Stefan Imboden der Dirigent von Baltschieder lebte bis 2020 für über 20 Jahre in der Ostschweiz und hat 2018 mit der Harmonie Rickenbach den Unterhaltungsabend bestritten. Nach dem Wegzug zurück in seine Heimat dem Wallis, ist der Kontakt stets geblieben. An einem spontanen Treffen im Frühling entstand dann die Idee, mit ein paar Musikanten von Rickenbach und Wilen am Oberwalliser Musiktag in Lalden mitzuspielen. Hüben wie drüben leiden die Vereine an den Spätfolgen von Corona und diesem Zustand musste entgegengewirkt werden.

Herzliche Aufnahme durch die Walliser Musikkollegen

Die Noten wurden in die Ostschweiz gemailt und Beat Bachmann von der MGBB Wilen übernahm die Vorbereitung der beiden Stücke von hier aus. Die erste gemeinsame Probe fand am Freitag vor Pfingsten im Probelokal von Baltschieder statt. Bei beiden Seiten standen einige Fragezeichen in der Luft. Baltschieder fragte sich, wer wird da kommen und was hat sich der Dirigent dabei gedacht. Die Ostschweizer wiederum hofften auf eine freundliche offene Aufnahme im Walliser Verein.

Nach dieser ersten Probe jedoch verflogen alle Zweifel. Nicht umsonst sagt man «Musik vereint». Schon nach der Probe und dem ersten Schluck eines bekannten Alpenbitters aus Appenzell war das Eis vollends gebrochen. In der Beiz sassen einige noch lange zusammen. Der Samstag, war für die Ostschweizer ein kultureller und kulinarischer Hochgenuss. Feines Essen, die schöne Walliser Landschaft, eine Weindegustation in Salgesch und der abendliche Festbesuch in Lalden rundeten den Tag ab.


Evakuation des Festzeltes und Platz zwei in der Marschmusik

Bereits um 8.00 Uhr am Sonntagmorgen präsentierten die Musikantinnen und Musikanten unter der Leitung von Stefan Imboden der gestrengen Jury das Stück «Hindenburg». Zufällig war einer der Juroren ebenfalls ein Ostschweizer. Kein Geringerer als Stefan Roth, der als Dirigent und Präsident Musikkommission vom Thurgauer Musikverband bestens bekannt ist, bewertete das Stück. Die Vortragsstücke wurden zwar beurteilt, jedoch nicht rangiert. Dies ist eine Nachwirkung von Corona, da die Probearbeiten im Wallis noch nicht sehr lange erlaubt waren.

Das Mittagessen im Festzelt wurde serviert, die Stimmung super – als plötzlich das Wetter umschlug und sich ein gewaltiges Gewitter über der Region Visp entlud. Dach und Wände des Zelts bebten und die Organisatoren riefen zur Evakuation des Festzelts aus. Ruhig, geordnet und ohne Panik verliessen die Leute das Festzelt und suchten Schutz im Schulhaus. Doch bereits nach 15 Minuten war der Spuk vorbei und das Zelt wieder freigegeben. Glück im Unglück: Ausser kleineren Materialschäden war nichts passiert und vor allem wurden keine Personen verletzt. Das Fest wurde fortgesetzt und endete mit der Rangverkündigung der Marschmusik. Der Jubel war gross, als der Name «Kühmatt Baltschieder» auf Platz zwei ausgerufen wurde. Keinen Unterschied zwischen den Gästen aus der Ostschweiz und den Einheimischen war zu spüren, man gratulierte und umarmte sich. Der Empfang im Dorf und das anschliessende Nachtessen rundeten das Musikfest gebührend ab. Man feierte zusammen bis in die späte Nacht. Die Ostschweizer haben ganz spontan ihre Rückfahrt um einen Tag verschoben.

Die Moral von der Geschicht’, Grenzen gibt es nicht. In diesem Sinne wird schon auf beiden Seiten der Vereine geplant, dass man sich wieder treffen möchte.