Urban Schwager, was produzieren Sie auf Ihrem Betrieb?

Urban Schwager: Das Hauptstandbein von unserem Familienbetrieb ist die Eier-produktion mit rund 10 000 Freiland-Legehennen. Die Eier werden bei Coop und direkt ab Hof unter dem Label «Naturafarm» und vermarktet. Die rund 30 Hektaren Fläche nutzen wir mit unseren Mastrindern, und für ein wenig Mais- und Getreide-anbau. Ein weiteres Standbein ist die Grüngutverwertung. Das heisst, wir sammeln auf dem Betrieb Grüngut aus den beiden Gemeinden Eschlikon und Bichelsee-Balterswil und kompostieren dieses zu hochwertiger Erde. Zuletzt könnte man uns auch als «Energiewirte» bezeichnen. Wir produzieren mit unserer Solaranlage 210 000 kWh pro Jahr und betreiben mit 4 Kollegen eine Biogasanlage, in welcher aus Mist und Gülle ebenfalls Strom gewonnen wird.

Was fressen Ihre Legehennen?

Legehennen fressen hauptsächlich Weizen, Gerste, Mais und Sojaschrot. Ich weiss, Soja hat einen schlechten Ruf. Doch es tut sich viel in diesem Bereich. Zum Bei-spiel wird im Labelprogramm Coop Naturafarm ausschliesslich europäisches Soja verfüttert. Es ist uns nicht möglich, das Legehennenfutter selbst zu produzieren. Wie bereits erwähnt, bewirtschaften wir vorwiegend Wiesen. Unsere Böden sind sehr schwer und lehmig. Deshalb sind sie nur bedingt für den Ackerbau geeignet.

Was fordert Sie heraus in der Legehennenhaltung?

Erstens, dass die Weidehaltung zwar tierfreundlich ist, aber auch Gefahren birgt bezüglich Krankheiten und Parasiten, welche durch Wildtiere übertragen werden können.

Zweitens, dass jede Herde anders ist, obwohl wir unsere Junghennen immer im gleichen Alter von 18 Wochen vom gleichen Züchter kaufen. Jede Herde hat eigene Charakterzüge, die von der Genetik, der Fütterung, dem Aufzuchtbetrieb, der Jah-reszeit, etc. beeinflusst werden. Wenn wir eine neue Herde einstallen, laufen wir bis zu 10 Mal pro Tag durch den Stall und beobachten die Hühner sehr genau. In den ersten Wochen muss man flexibel auf die Bedürfnisse der Herde eingehen und die Fütterung, die Beleuchtungszeit, oder die Beschäftigungsmöglichkeiten anpassen.

Drittens ist es natürlich eine grosse Verantwortung, für 10 000 Tiere zu sorgen. Die Stalltechnik ist über den Computer gesteuert und überwacht. Wenn etwas mit der Lüftung, Temperatur, Fütterung, Wasser oder der Stromzufuhr nicht stimmt, erhalte ich einen Alarm auf mein Handy. Das führt natürlich dazu, dass ich aufgrund eines Fehlalarms manchmal vergebens mitten in der Nacht aufstehe. Doch das gibt mir eine Sicherheit, die mir sehr wichtig ist.

Wofür erhalten Sie Direktzahlungen?

Die Direktzahlungen honorieren Leistungen, welche nicht über den Produktpreis gedeckt werden. Bei den Legehennen sind das zum Beispiel Tierwohlbeiträge da-für, dass wir sie nach den Standards «Besonders tierfreundliche Stallhaltung» und «Regelmässigen Auslauf ins Freie» halten. Diese Programme geben zum Beispiel vor, dass wir den Hühnern einen strukturierten Auslauf, eine Weide und zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten anbieten. Bei den Rindern erhalten wir Beiträge da-für, dass sie im Sommer auf der Weide, im Winter im Laufstall mit Auslauf gehalten werden.